3. März 2021
Anne Will: "Das ist ein Schlag ins Gesicht für die Bevölkerung"

Anne Will: "Das ist ein Schlag ins Gesicht für die Bevölkerung"

Das Thema bei Anne Will gestern Abend war "Die große Ratlosigkeit – gibt es einen Weg aus dem Dauer-Lockdown?" Sänger Smudo, der an der Entwicklung einer App zur Nachverfolgung von Infektionsketten beteiligt ist, gab CDU-Politker Helge Braun Kontra. Christiane Woopen, die Vorsitzende des europäischen Ethikrates, verriet Details aus der neuen Strategie, die am Montag vorgelegt werden soll und sagte hinsichtlich der Schnelltests, die am 1. März kostenlos zur Verfügung stehen sollten: "Das ist ein Schlag ins Gesicht für die Bevölkerung."

Anne Will: Die große Ratlosigkeit – gibt es einen Weg aus dem Dauer-Lockdown?

Das war das Thema bei Anne Will am 28. Februar – die Bundesregierung stand in der Kritik, vor allem das Thema Corona-Warn-App wurde stark diskutiert. Christiane Woopen, die Vorsitzende des europäischen Ethikrates, verriet außerdem schon Details über ein Strategiepapier, wie der Weg aus dem Lockdown aussehen könnte, das am Montag veröffentlicht werden soll.

Hitzige Debatte beim Thema Schnelltest

Als Helge Braun (CDU), Chef des Bundeskanzleramts und Mitglied im Corona-Kabinett, auf die Schnelltests zu sprechen kam, entbrannte schnell eine hitzige Diskussion. Natürlich sind sich alle einig darüber, dass diese gut sind, aber Braun musste sich einiges anhören:

Bisher gibt es keine wirkliche Strategie!

sagte Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP), Richterin am Bayerischen Verfassungsgerichtshof und Bundesjustizministerin a.D. Wissenschaftsjournalist Ranga Yogeshwar legte nach: 

Der Lockdown ist irgendwann nicht mehr vermittelbar. Und: Nach mehr als einem Jahr Lockdown müssen wir mit mehr kommen als mit den üblichen Regeln"

argumentiert er und unterstrich nicht nur die Wichtigkeit von Schnelltests, sondern warb auch für kluge, digitale Lösungen. Das war das Stichwort für Sänger Smudo, der an der Mitentwicklung an der Corona-App "Luca" zur Nachverfolgung von Infektionsketten beteiligt ist. 

Smudos Kritik: Es sei bis heute nicht möglich, die Infektionsherde ausfindig zu machen und verglich den Zustand mit einem "großen Waldbrand". Seine App würde genau dort ansetzen und dabei helfen, aus Waldbränden schnell löschbare "lokale Feuer" zu machen.

"Man hat damals nichts getan, um diesen Prozess bis heute wissenschaftlich zu begleiten, damit wir jetzt schlauer wären."

Christiane Woopen konnte nicht glauben, dass sie nach einem Jahr immer noch dieselben Gespräche führen muss. Woopen, die seit April letzten Jahres im Expertenrat Corona des nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Armin Laschet sitzt, hat jetzt ein Strategiepapier erarbeitet, das am Montag veröffentlicht werden soll. Weiter sagt Woopen:

Die Situation ist nervös und gereizt. Es ist ein Teufelskreis, in dem wir drin sind. Die Menschen sind emotional erschöpft. Sie können einfach nicht mehr. Sie sind existenziell bedroht.

Das neue Strategiepapier des Ethikrats

Laut Woopen gehöre zur neuen Strategie, dass Öffnungen an ein Vorhandensein von Schutzkonzepten gekoppelt sind und nicht mehr an einzelne Branchen. Diese sollen "proaktiv" erarbeitet werden. Der zweite wichtige Teil sei die Impfstrategie. Dazu gehört auch eine bessere Kommunikation vor allem um den Impfstoff Astrazeneca-Stoff geht. Der dritte wichtige Faktor sind Schnelltests. Die vierte Säule: Eine digitale Strategie, die im Gegensatz zur Corona-Warn-App der Bundesregierung, alle wichtigen Kriterien erfüllt. 

Beim Thema Schnelltest bekam auch Gesundheitsminister Jens Spahn sein Fett weg: Woopen würde gar nicht so sehr kritisieren, dass die angekündigten Schnelltests für alle ab 1. März nicht zur Verfügung stünden, sondern wie man das Thema verkaufen würde: Gesundheitsminister Spahn hat 800 Millionen Tests versprochen, die gerade wenige Wochen reichen würden, wenn sich die gesamte Bevölkerung zwei bis drei Mal in der Woche selbst testen soll.

Anne Will: Die große Ratlosigkeit – gibt es einen Weg aus dem Dauer-Lockdown? 

Das war das Thema bei Anne Will am 28. Februar – zu Gast waren:

  • Helge Braun (CDU, Chef des Bundeskanzleramts und Mitglied des Corona-Kabinetts) 
  • Ranga Yogeshwar (Wissenschaftsjournalist) 
  • Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP, Richterin am Bayerischen Verfassungsgerichtshof und Bundesjustizministerin a.D.) 
  • Christiane Woopen (Vorsitzende des Europäischen Ethikrates) 
  • Smudo (Musiker und Rapper „Die Fantastischen Vier“, Mitentwickler der „Luca“-App zur Nachverfolgung von Infektionsketten) 

Video: Ämter machen Druck "Wir müssen impfen im 27/7-Takt"

Lade weitere Inhalte ...