Provozieren und diszipliniert arbeiten

Provozieren und diszipliniert arbeiten

Die Erfolgsrezepte der Stars analysiert Erfolgsautor Rainer Zitelmann in seinem neuesten Buch.

Rainer Zitelmann
© Rainer Zitelmann

Jeder Mensch will etwas Besonderes, Einzigartiges sein – aber bei manchen ist dieses Streben noch viel stärker ausgeprägt als bei der Mehrheit. Von solchen Menschen handelt das  Buch „Die Kunst, berühmt zu werden“. Sich gemeinsam mit Prominenten blicken lassen, extreme Arbeitsdisziplin und stetiges Provozieren – auch wenn diese Mischung auf den ersten Blick nicht so ausschaut, es sind allesamt Erfolgsrezepte von Stars, um große Bekanntheit zu erlangen. Herausgearbeitet hat diese Erfolgsformel Bestsellerautor Rainer Zitelmann.

In seinem 24. Buch porträtiert er zwölf so unterschiedliche Prominente wie Albert Einstein, Prinzessin Diana, Donald Trump und Kim Kardashian – und wie sie es ganz nach oben geschafft haben. Denn großes fachliches Können (allein) war es in der Regel nicht. Selbst das Fachgebiet müsste man bei Kim Kardashian suchen. Sie versuchte sich zwar als Sängerin, Tänzerin und Schauspielerin, aber scheiterte in allen drei Bereichen. Legt man aber das Buch nach dem Lesen zur Seite, weiß man, dass Kardashian ein eigenes Arbeitsfeld begründet hat: Ohne Leistung im klassischen Sinne den Olymp zu erreichen. Berühmt werden, weil man berühmt ist. 

Schon deshalb muss Kardashian als Königin dieser Disziplin bezeichnet werden. Denn außer der Tatsache, dass ihr Vater ein bekannter Anwalt war, besaß sie keinerlei Startkapital. (Fast) alle anderen hatten stattdessen eine Basis: Einstein war in der Wissenschaftsgemeinde anerkannt, Trump ein Baulöwe, Oprah Winfrey verdiente als Plaudertasche in Talk-Shows ihr Geld. Nur Lady Di hatte lediglich ihre adelige Abstammung vorzuweisen. Aber das war ihre Eintrittskarte, inklusive Backstage-Ausweis.

Gekonnt verwebt Zitelmann in seinem Werk über die zwölf Berühmtheiten scharfe Analyse mit Geschichten, Nutzwert mit Tratsch. Gleich am Anfang fasst der Erfolgsautor die Geheimnisse der Stars zusammen und empfiehlt daher, dieses Kapitel zu überspringen und sich stattdessen zuerst den Biografien zu widmen. Der rote Faden: die Anstrengungen der Protagonisten auf dem Weg zum Ruhm. Oder anders ausgedrückt: Warum wir sie überhaupt kennen!

Zitelmann fördert dabei Erstaunliches zu Tage: Etwa, dass eine der beiden Schwestern Lady Dianas vorher mit Prinz Charles eine Affäre hatte – deren Scheitern Diana wiederum akribisch analysierte, um selbst daraus zu lernen. Am Beispiel Dianas wie auch allen anderen wird deutlich, wie hart sie an ihrer Ruhmeskarriere arbeitete. Es war ihr 24-Stunden-Job, bei anderen zumindest der Halbe. Besonders gut muss man in diesem eigentlichen Beruf auch nicht sein – nur anders, so eine der wichtigsten Regeln. Außerdem gilt es, das Credo des ebenfalls porträtierten Arnold Schwarzeneggers zu beherzigen: „Egal, was du tust, du musst es auch gut verkaufen ... Man kann die beste Arbeit abliefern, doch wenn die Leute nichts davon erfahren, ist alles umsonst.“

Das spannende Interview mit Erfolgsautor Rainer Zitelmann zu seinem neuesten Werk “Die Kunst, berühmt zu werden“

Positionierung als Symbol

Wichtig sei auch, so Zitelmann, eine feste Positionierung. Im Falle von Kim Kardashian wäre dies gewissermaßen eine POsitionierung. Sie hat ihr Hinterteil zum – generell bedeutsamen – Markenzeichen entwickelt, der allein schon Stoff für Tausende Geschichten geboten hat und ihr herausstechendstes Fotomotiv darstellt. Bei Schwarzenegger ist es sein Bizeps, bei Lady Di war es der – gespielte – schüchterne Augenaufschlag, bei Trump die blonde Tolle und bei Einstein das zerzauste Haar, das keine Nachlässigkeit, sondern Absicht war. Selbst Einstein verwandte, wie wir von Zitelmann erfahren, „einen großen Teil seiner Zeit und ganz erhebliche Anstrengungen darauf, sich selbst zu vermarkten“. Der Ruhm flog ihm nicht zu. Natürlich nutzten manche von ihnen die Hilfe von PR-Leuten. Doch ton- und ideenangebend waren und sind sie selbst. Nur wenige – wie etwa Elvis, der daher nicht in dem Buch vorkommt – sind überwiegend Werke ihrer Manager. „Die zwölf Genies der Selbstvermarktung wussten alle, wie sie sich richtig in Szene setzen und aus ihrer Persönlichkeit eine unverwechselbare Marke machten – wie bei einem Produkt“, bringt es Zitelmann in seinem Werk auf dem Punkt.

Und so sorgfältig wie ein Unternehmen sein Produkt auf den Markt bringt, haben die Prominenten ihre Marke entwickelt. Mit unbändigem Ehrgeiz, oft gepaart mit Größenwahn (Mohamed Ali, Donald Trump, Oprah Winfrey). So ganz bescheiden war selbst die sich so schüchtern gebende Diana nicht, wie Zitelmann ausführt. Sein Fazit: „Wenn auch Sie berühmt werden wollen, dürfen sie keine dieser Ausnahmepersönlichkeiten kopieren. Aber Sie können von allen eine Menge lernen.“ Genauso hat es Kim Kardashian gehandhabt. Am Anfang ihrer Karriere reproduzierte sie etliche Erfolgsrezepte ihrer Freundin Paris Hilton, inklusive einem skandalträchtigen Sex-Video. Wie zufällig tauchte es vor dem Start der eigenen Reality-Show auf.

Dies ist ein Buch zur richtigen Zeit, denn auch wenn nicht jeder so berühmt werden will wie die hier porträtierten Stars, so spielen Selbstvermarktung und Selbstdarstellung heute eine immer wichtigere Rolle, ob nun im Beruf oder in den sozialen Medien. Wer wissen will, wie es geht, sollte Zitelmanns ebenso unterhaltsam wie nutzwertig geschriebenes Buch lesen.

Rainer Zitelmann: „Die Kunst, berühmt zu werden“, FinanzBuch Verlag, 334 Seiten

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