1. Juni 2021
Interview mit Felix Neureuther über die Zeit nach Corona

Felix Neureuther exklusiv: Was er sich für die Zeit nach Corona wünscht

Felix Neureuther im großen fuersie.de-Interview! Warum dem Ex-Ski-Profi Umweltschutz so am Herzen liegt, wieso er jetzt Kinderbücher schreibt und was er sich für die Zeit nach der Corona-Pandemie wünscht.

Felix Neureuther
© Imago/Eibner Europa

fuersie.de: Nach Ihrem Karriereende als Ski-Profi haben Sie sich dem Schreiben von Kinderbüchern (u.a. mit Bastian Schweinsteiger) gewidmet. Wie kam es dazu?

Kinder sind die nächste Generation, sie sind unsere Zukunft. Das ist mir irgendwann bewusst geworden, schon bevor wir eigene Kinder hatten. Ich habe angefangen über unsere Umwelt nachzudenken, über ein möglichst nachhaltiges Leben – vor allem für unsere Kinder. Da lag es irgendwie nahe, Geschichten für sie aufzuschreiben. Das fanden zum Glück auch ein paar andere Leute aus der Sportwelt spannend.

fuersie.de: Lesen Sie Ihrer Tochter die Bücher „testhalber“ vor, bevor Sie in den Druck gehen?

Ich lese meiner Tochter tatsächlich sehr gerne vor, auch meine Kinderbücher. Es interessiert mich schon, wie sie darauf reagiert. Wenn sie eine Situation nicht versteht oder sie doof findet, dann sollte ich vermutlich noch einmal darüber nachdenken.

fuersie.de: Wie gestaltet sich die aktuelle Corona-Situation für Ihre Familie

Wir sind in der glücklichen Lage, dass wir in einem Haus mit Garten in Garmisch-Patenkirchen leben. Das erleichtert das Leben unter Corona-Bedingungen natürlich ungemein. Wir können mit unseren Kindern einfach in den Garten gehen, besonders seit die Temperaturen mit dem Beginn des Frühjahrs wieder steigen. Außerdem sind unsere beiden Kinder ja noch sehr klein. Sie sind sehr zufrieden, wenn sie einfach mit uns zusammen sind. Aller Einschränkungen zum Trotz haben wir also ein Familienleben mit vielen schönen Momenten.

fuersie.de: Was würden Sie Eltern in der derzeitigen Situation raten?

Das Wichtigste ist für mich: da sein für die Kinder. Das gilt in der Pandemie und auch für die Zeit danach. Kinder wollen gesehen werden, das ist eine unserer wichtigsten Aufgaben als Eltern. Wenn wir uns mit ihnen beschäftigen, lernen wir auch, was sie beschäftigt und wie wir sie unterstützen können. Mein großes Thema in diesem Zusammenhang ist Bewegung. Nicht Leistungssport, sondern ganz normale Bewegung, die wir spielerisch in den Alltag einbauen können. Wir gehen z.B. oft spazieren mit unseren Kindern. Das ist dann aber kein normaler Spaziergang, sondern eine „Expedition“, bei der wir Müll sammeln. Wir haben da so eine Zange, und unsere Große hat großen Spaß dabei, damit achtlos Weggeworfenes aufzuheben, das wir in die Mülltüte stecken, die wir dabei haben und zu Hause entsorgen. Für mich doppelt schön: Sie bewegt sich und lernt, dass wir auf unsere Umwelt achten sollten.

fuersie.de: Was hilft Ihnen persönlich über den eintönigen Corona-Alltag hinweg?

Als Familienvater ist mein Alltag zum Glück alles andere als eintönig. Meine Kinder lernen fast jeden Tag etwas Neues, ich finde es großartig, jeden ihrer Schritte beobachten zu können. Und beruflich geht es zum Glück auch weiter. Ich habe gerade zusammen mit Ariel eine Kampagne gestartet, mit der wir die Menschen dazu motivieren wollen, ihre Wäsche bei niedrigeren Temperaturen zu waschen. In diesem Zusammenhang habe auch ich etwas gelernt, ich bin ja eigentlich nicht der Wasch-Profi bei uns daheim: Wenn man seine Wäsche bei 30 statt 40 °C wäscht, kann man bis zu 35 % der CO2-Emissionen sparen. Für den Einzelnen ist das ein kleiner Schritt, wenn wir das alle tun, können wir wirklich etwas fürs Klima tun.

fuersie.de: Gibt es auch etwas Positives, das die Krise hervorgebracht hat?

Zunächst einmal ist klar, dass diese Pandemie sehr viel Leid gebracht hat, und Einschränkungen, die wir uns vorher nicht hätten träumen lassen. Viele Familien haben liebe Menschen verloren, viele Großeltern mussten für viele Monate auf ihre Enkel verzichten. Jüngere mussten in Kurzarbeit oder haben sogar ihren Job verloren. Wenn ich etwas Positives suche, dann sehe ich auch eine Zurückbesinnung auf das, was wirklich zählt. Viele Familien stehen jetzt enger zusammen. Manche haben vielleicht auch erkannt, dass unser Leben vor der Pandemie zu schnell geworden war, vor allem durch die vielen Reisen. Ich würde mich freuen, wenn etwas davon auch nach der Pandemie bleibt. Denn das würde unserem Klima sehr guttun.

fuersie.de: Mit Ihrem Projekt "Beweg dich schlau!" wollen Sie Bewegung und Gesundheit bei Kindern fördern. Was genau muss man sich unter dem Projekt vorstellen?

Bei dem Projekt geht es darum, Kindern auf spielerische Weise beizubringen, sich mehr zu bewegen. Wir sehen seit Jahren, dass Kinder zu wenig draußen sind, zu wenig laufen, springen, einfach rumtollen. Mit „Beweg Dich schlau!“ will ich Kindern zeigen, dass es mehr gibt als nur das Handydisplay. Mit der Bewegung fördern wir automatisch auch die geistige Entwicklung. Beides ist mit der Pandemie mit ihren Einschränkungen und dem Homeschooling natürlich noch einmal wichtiger geworden.

fuersie.de: Zurzeit sind Familien viel daheim. Wie können wir Kinder trotzdem zu mehr Bewegung ermuntern?

Das klappt ganz gut. Wir leben es unseren Kindern einfach vor, gehen viel raus. Wir haben die Berge zum Glück vor der Tür. Jetzt hat die Fahrradsaison wieder begonnen. Da holen wir den Anhänger raus und machen einen Ausflug, wann immer es geht. 

fuersie.de: Was wünschen Sie sich für die Zeit nach Corona?

Was wir in der Pandemie gesehen haben: Für viele Menschen sind ein nachhaltigeres Leben und insbesondere der Klimaschutz ein echtes Anliegen. Auch dafür will ich mich weiter einsetzen. Mehr Bewegung hilft Kindern unmittelbar, mehr Klimaschutz hilft ihnen langfristig. Der Klimaschutz heute, hilft sogar unseren Enkeln.

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