5 Tipps, die Sie bei der Geldanlage in Krisenzeiten beachten sollten

5 Tipps, die Sie bei der Geldanlage in Krisenzeiten beachten sollten

Die Zeiten sind unruhig und viele beschäftigt die Frage, wohin die politische Lage noch führt. Wir glaubten, Krieg in Mitteleuropa sei undenkbar und werden gerade eines Besseren belehrt. Doch was bedeutet das für unsere finanziellen Pläne? Im Interview mit der Finanzbilderin Renate Kewenig erfahren Sie, wie Sie jetzt Ihre Geldanlagen angehen!

Geldanlage bedeutet für viele eine echte Hürde. Die aktuelle Krise und die damit verbundenen Ängste führen entweder zu übereilten Entscheidungen oder zu weiterem Zögern in Sachen Finanzen. Ein kühler Kopf hilft, richtig zu entscheiden. Anke Pauli, Gründerin des Finanzbildungsportals www.finanztheke.de spricht darüber mit der Finanzbilderin Renate Kewenig von Finanzverstand, die Frauen in Sachen Finanzen schlau macht:

Anke Pauli: Die Zeiten sind ganz schön beunruhigend und viele machen sich natürlich auch Gedanken um ihr Geld. Wie erleben Sie die momentane Lage?

Renate Kewenig: Einen kühlen Kopf zu bewahren, fällt angesichts der Bilder und Nachrichten tatsächlich nicht ganz leicht. Seit 1994 kenne ich die Finanzbranche und habe viele schwierige Zeiten erlebt, mit selbst investiertem Geld und über viele Jahre auch als Finanzberaterin:
Aktieneinbrüche als die .com-Blase 2000 platzte, die Folgen des 11. September oder auch die Finanzkrise. Aber zugegeben, eine Kriegsgefahr vor der eigenen Haustür war nicht dabei.

Anke Pauli: Wäre es da nicht sinnvoller, wenn wir gewisse Finanzentscheidungen jetzt erstmal zurückstellen und warten, was die Zukunft bringt?

Renate Kewenig: „Prognosen sind schwierig, besonders wenn sie die Zukunft betreffen“ – dieses bekannte Sprichwort mache ich mir natürlich auch zu eigen. Wenn sich auch für uns die Lage zuspitzen würde – was ich nicht hoffe – sehen wir uns mit Krisentipps konfrontiert wie: Ausreichend Bargeld und vielleicht kleine Goldbarren oder Münzen bereithalten, haltbare Lebensmittel vorhalten und eine Notfalltasche. Aber an so einem Punkt sehe ich uns eigentlich nicht.

Anke Pauli: Welche Tipps können Sie uns ganz konkret geben?

Renate Kewenig: In jedem Fall sollten Finanzentscheidungen jetzt überprüft werden, denn wir sehen uns sicher höherer Inflation, anziehenden Zinsen und schwankenden Märkten gegenüber.

Erstens: Wie viel Zeit habe ich noch für die Anlage?

Geht es um Altersvorsorge in 20 oder mehr Jahren, kann der Sparplan auf jeden Fall weiter laufen, sinkende Kurse kommen dem Einkauf eher zugute und das Kapital wird Schwankungen wieder ausgleichen.

Das Gleiche gilt für Depots, die noch lange laufen dürfen, zum Beispiel weil sie grundsätzlich im Alter nicht verbraucht werden, sondern für die Kinder als Erbe bleiben sollen.

Anke Pauli: Sicher werden manche aber auch generell nervös und würden gern alles verkaufen, um später wieder einzusteigen.

Renate Kewenig: Angst ist immer ein schlechter Ratgeber. Studien und auch meine langjährige Erfahrung zeigen, dass man nie den besten Punkt zum Kauf oder Verkauf trifft.
 
Investiert sein und die richtige, sprich individuell passende Depotaufteilung in verschiedene Anlageinstrumente sind für den Erfolg entscheidend. Aber damit sind wir bei meinem nächsten Tipp:

Zweitens: Gewinne sichern

Wer schon länger investiert ist und Gewinne im Depot verzeichnet, weil Kurse in den letzten Jahren gut gelaufen sind, kann einen Teil des Zuwachses sichern. Das bedeutet, Kursgewinne – und zwar nur diese, nicht die gesamte Position – „mitnehmen“, also verkaufen und sicher parken. Sicher bedeutet hier, ohne Schwankung und gut verfügbar. Zum Beispiel im Tagesgeld, auf dem Verrechnungskonto des Depots oder in einem kurzfristig investierenden Investmentfonds.

Anke Pauli: Also doch verkaufen?

Renate Kewenig: Ja, aber nur um die Gewinne nicht zu verlieren und das Depot gegen Rückschläge abzusichern. Außerdem bietet sich damit gerade für Newcomer, die bisher sehr stark auf Aktien gesetzt haben, eine echte Depotstruktur zu entwickeln, was nicht nur in Krisenzeiten Sinn macht.

Drittens: Anlagen breit streuen

In vielen Gesprächen stelle ich fest, dass gerade Anleger der letzten Jahre vor allem auf Aktien-ETF’s setzen. Eine breite Streuung bezogen auf Aktie wird damit sicher erreicht, aber andere Investments, die grundsätzlich weniger schwanken, finden sich selten. In jeder Lebensphase sollten schwankungsarme und dynamische Anlagen vertreten sein, sodass bei Aktiencrashs nicht das gesamte Depot „abrutscht."

Anke Pauli: An welche schwankungsarmen und dynamischen Anlagen denken Sie? Könnten Sie das bitte noch kurz etwas erläutern?

Renate Kewenig: Aktieninvestments als dynamisches Element, mit höherer Schwankung, aber auch einem größeren Renditepotential stehen zum Beispiel Rentenfonds oder defensiven Mischfonds gegenüber, die – ganz generell gesprochen – stabiler verlaufen, aber weniger Ertrag erbringen.
Die Mischung macht es dann.

Anke Pauli: Einige Banken kündigen jetzt ihren vermögenden Kunden, die höhere Beträge parken und nicht einer Gebührenregelung zustimmen. Wohin dann aber mit größeren Beträgen?

Renate Kewenig: Das führt zu:

Viertens: Institute wechseln und größere Beträge aufteilen.

Tatsächlich scheint das ein zunehmendes Problem zu sein, besonders langjährige Kundinnen haben dafür – verständlicherweise – gar kein Verständnis. Eigentlich hilft nur, das absolute Minimum zu parken, alles, was länger als drei Jahre arbeiten kann, sollte in eine persönlich passende Struktur fließen. Sollten höhere Beträge wirklich flüssig bleiben müssen, können mehrere Institute gewählt und Beträge aufgeteilt werden. Die 100.000er Grenze, die die Banken meist ziehen, ohne Strafzins zu verlangen, gelten pro Kunde. Das gilt auch für die auch die Einlagensicherung, die bei neuen Bankverbindungen unbedingt beachtet werden sollte.

Anke Pauli: Um nochmal auf Gold zurückzukommen oder auch Immobilien, die ja als krisensicher gelten. Wie sehen Sie das als Fluchtpunkt?
 
Renate Kewenig: Entscheidender ist, ob die jeweiligen Anlagen zur Person und Situation passen. Eine Goldbeimischung ist fachlich immer gut, man spricht über ca. 10 Prozent. Immobilien sind – wie der Name schon sagt „unbeweglich“, eine solche Entscheidung sollte nicht kurzfristig getroffen werden.
Das wäre mein letzter Tipp:

Fünftens: Ruhe bewahren!

Nehmen Sie keine unüberlegten Kurzschlusshandlungen vor, sondern versuchen Sie einen ruhigen Kopf zu bewahren. Oft hilft es schon, nicht ständig in sein Depot zu schauen.
 
Anke Pauli: Ich danke Ihnen für das Gespräch! Wollen wir hoffen, dass sich die Situation so bald wie möglich beruhigt und wieder Frieden einkehrt. 

Interview: Anke Pauli

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