Orthopäden schlagen Alarm Fußschmerzen werden durch falsche Schuhe verursacht

Nahezu alle Fußschmerzen und Fußprobleme – von Blasen bis hin zu Schiefzehen oder Nervenschmerzen - werden durch falsche Schuhe verursacht. Wie das ideale Laufwerkzeug aussieht und weshalb Füße Abwechslung lieben, erläutert Dr. Thomas Schneider, leitender Orthopäde und Fußchirurg der Gelenkklinik in Gundelfingen.

Fußschmerzen Schuhe Fußschmerzen werden durch falsche Schuhe verursacht © iStock


Fußschmerzen – eine Volkskrankheit

Ohne unsere  Füße ginge nichts. Im Laufe unseres Lebens führen sie uns durchschnittlich viermal um die Erde, haben Wissenschaftler errechnet. Doch so richtig gut geht es unseren Füßen nur selten: Ob im Büro oder in der Freizeit: Stundenlang eingepfercht in hohen Stöckelschuhen oder engen Schnürschuhen bleibt unseren Füßen meist nur wenig Bewegungsspielraum. Selbst vermeindlich bequeme Sportschuhe und Sneaker sorgen für wenig Fußfreiheit. „Werden die Zehen gestaucht, so erschlaffen die kurzen Fußmuskeln und Bänder des Vorfußes und ein Spreizfuß droht“, warnt Dr. Thomas Schneider, leitender Orthopäde und Fußchirurg der Gelenkklinik Gundelfingen. „Nicht selten sind ernsthafte Gesundheitsprobleme wie Hallux valgus (Schiefzehen) sowie Nervenschmerzen im Fuß (Morton Neurom) die Folge.“ Doch nicht nur zu kleine Schuhe machen den Füßen das Leben zur Hölle. Sind diese zu groß, hat der Fuß keinen Halt beim Abrollen und rutscht im Schuh hin und her. Verletzungen und orthopädische Fehlbildungen folgen buchstäblich auf den Schritt. 

Dr. Thomas Schneider

Dr. Thomas Schneider ist leitender Orthopäde und Fußchirurg der Gelenkklinik in Gundelfingen.

Der ideale Schuh führt den Fuß

Zu wenig Bewegungsfreiheit werden vor allem durch dicke, starre und spitz zulaufende Schuhe verursacht. Weil der Vorfuß zu wenig Raum hat, erschlafft das vordere Fußgewölbe (Quergewölbe). Nicht minder problematisch sind hohe Absätze wie High Heels. Neben der Gefahr des Umknickens drohen bei dauerhaftem Tragen verkürzte Muskeln und Schmerzen. Doch wie sieht er aus, der ideale Schuh? „Der ideale Schuh lässt den Zehen genügend Spielraum, gibt ihm aber trotzdem Führung und umschließt die Ferse perfekt“, erläutert Dr. Schneider. Als Faustformel gilt: Vor den Zehen sollte noch etwa ein daumenbreit Platz sein. Zudem sollte man auf flache, flexible Schuhsohlen achten. „Sie  erlauben ein natürliches Abrollen beim Gehen und leiten Informationen vom Untergrund durchgehend an den Fuß weiter.“ Der praktische Vorteil: „Die vielen 'intrinsischen' Muskeln, die das Fußgewölbe aufrecht halten, werden trainiert und gezwungen, aktiv zu bleiben“, betont der Fuß-Spezialist. Ein stabiler Fersenschaft und eine griffige, rutschfeste Sohle sorgen zudem für den richtigen Halt beim Laufen. 

Gegen Fußschmerzen: Füße lieben Abwechslung

Doch nicht nur passendes Schuhwerk ist gefragt. Auch Füße lieben Abwechslung: Experten empfehlen einen häufigen Wechsel von unterschiedlichen Modellen mit unterschiedlichen Absätzen. „Dadurch lässt sich der einseitigen Belastung von Bändern, Knochen und Muskeln entgegenwirken“, so Dr. Schneider. Zudem bleibt den Schuhen Zeit zum Lüften. Selbst hochhackige Schuhe sind erlaubt – ab und zu und natürlich nicht für Kilometermärsche. 

Auch beim Material der Schuhe sollte man wählerisch sein. Schuhe aus Kunstleder und PVC fördern gegebenenfalls durch das Schwitzen der Füße und die gestaute Wärme Hautpilze und weitere Krankheitserreger. Deshalb besser Schuhe aus Leder, Baumwolle oder andere natürliche Stoffe bevorzugen. Und noch ein bewährter Experten-Tipp: Kaufen Sie am besten  spät nachmittags oder abends Ihre Schuhe. Denn über den Tag schwellen die Füße etwas an. Lassen Sie außerdem alle paar Jahre im Fachgeschäft die Füße ausmessen, denn auch bei Erwachsenen verändern sie sich mit der Zeit. 

So läuft es rund im Sommer

Flipflops sollten im Sommer nicht gang und gäbe sein. Denn diese bieten dem Fuß keinen sichern Halt und verleiten zu intensivem Krallen mit den Zehen. Ein natürliches Abrollen ist dadurch unmöglich. Auch weiter vom Vorfuß entfernte Gelenke können unter der unnatürlichen Abrollbewegung leiden. Mögliche Folge sind Hüft-, Rücken- und Kniebeschwerden. Das Gangbild verändert  sich insgesamt. „Auf jeden Fall darauf achten, dass sie zum Fuß passen und die Zehen nicht vorne hinausragen“, rät der Experte. Eine bessere Alternative sind Sandalen mit Fußbett. Diese geben den Füßen mehr Halt. Zudem fördern sie die natürliche Abrollbewegung und damit auch insgesamt einen natürlichen Bewegungsablauf. 

Das tut strapazierten Füßen gut

Passgerechte Schuhe sind Basis für gesunde Füße. Regelmäßige Übungen verbessern nicht nur die Beweglichkeit der Füße, sondern auch deren Durchblutung. Deshalb sollte man täglich ein paar Minuten die Füße kreisen lassen und die Zehen krallen und strecken. Eine gute praktische Übung bietet das Zusammenknüllen von Zeitungspapier mit den Füßen. 

Eine wahres Wellness-Programm für unsere Füße ist das Barfußlaufen. Am besten verzichten Sie bei jeder passenden Gelegenheit aufs Schuhwerk, wie beispielsweise beim Strandspaziergang. Da sich unsere Füße an die Freiheit allerdings erst gewöhnen müssten, sollten Sie am Anfang nicht übertreiben. Wohltuend sind zudem Wechselduschen, um die Körpertemperatur zu regulieren. Die Füße „lernen“ dadurch auch an kühlen Tagen warm zu bleiben.

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