Anti-Aging-Pflege der Zukunft

Anti-Aging-Pflege der Zukunft

Die Natur liefert die Zutaten, das Labor das nötige Wissen: So soll die Anti-Aging-Pflege der Zukunft aussehen. Aber hält die Kombination aus Bio und Hightech wirklich, was sie verspricht?

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Anti-Aging-Pflege der Zukunft

Bio ist ja schön und gut. Aber um Falten Paroli zu bieten, sind Cremes aus Kräutern einfach nicht stark genug, denken viele Frauen. Da gilt eher das Motto: „Retinol statt Rosen”. Zu viel Chemie auf der Haut ist den meisten aber auch nicht geheuer. So kommt eine neue Generation von Anti-Aging- Produkten, die Bio-Zutaten mit synthetischen Glattmachern wie Coenzym Q10 mixt, gerade recht. Doch auch bei immer mehr Naturkosmetikmarken tut sich was in Sachen Anti-Aging! Hier kommen neuerdings Wirkstoffe wie „NanoSolves“ oder „Cova Btrox“ zum Einsatz, die hochmodern, aber auch ganz schön chemisch klingen. Sind solche Zutaten überhaupt noch „bio“? Wo fängt Hightech an? Und das Wichtigste: Was wirkt denn nun am besten gegen Falten: Naturkosmetik, konventionelle Pflege oder ein Gemisch aus beidem?

Bio-Beauty: frischer Wind statt windiger Tricks

Fakt ist: Die Zeiten, in denen die Naturkosmetikbranche nicht zwischen Hauttypen unterschied und nur auf die Selbstregulation der Haut vertraute, sind vorbei. Fast jeder Bio-Beauty-Hersteller hat inzwischen auch Anti-Aging-Pflege im Angebot – und die kann konventionellen Produkten durchaus das Wasser reichen! Dr. Birgit Kunze, Hautärztin aus Hamburg: „Wirkstoffe aus der Natur sind synthetischen oft überlegen, denn sie enthalten meist mehr Komponenten, als bislang entschlüsselt wurden.“ Das gilt besonders für Pflanzen aus Öko-Anbau, die wesentlich mehr Vitamine und Mineralien in sich konzentrieren als konventionelle. Ätherisches Bio-Melissenöl wirkt z. B. besser gegen faltenfördernde freie Radikale als reines Vitamin C! Ähnlich ist es mit grünem und weißem Tee. Auch die Wirksamkeit von rotem Klee und Granatapfelsamenöl, die reife Haut durch ihren Phytoöstrogengehalt aufpolstern, ist durch viele Studien bewiesen. Doch was hat es mit Zutaten wie Lycopin, Bio- Hyaluronsäure, „Cova Btrox“ und „NanoSolves“ auf sich? Wird da etwa geschummelt?

Auch wenn die Bezeichnungen es vermuten lassen: Dahinter verbirgt sich nicht etwa Chemie, sondern lediglich wissenschaftliches Know-how. „Um den verjüngenden Radikalfänger Lycopin für unser ,Xingu’-Serum zu gewinnen, verwenden wir keine ganzen Tomaten, sondern nur die Kerne“, sagt Sabine Beer, Geschäftsführerin bei Santaverde. „Dadurch entsteht ein Extrakt, der extrem reich an Lycopin, aber trotzdem völlig natürlich ist.“ Auch hinter dem Wirkstoff „Cova Btrox“, der sich wie Botox anhört und von der Naturkosmetikmarke Laveré gegen Mimikfalten eingesetzt wird, steckt vor allem Köpfchen. Denn dabei handelt es sich um einen raffinierten Mix aus Rotalgen, Braunalgen und Chicorée, die sich gegenseitig in ihrer hautentspannenden Wirkung verstärken. „NanoSolves“ sind winzige Kapseln aus Sojalezithin, die den straffenden Getreide-Extrakt aus Amaranth tiefer in die Haut bugsieren sollen. Mit Nanopartikeln, die fest sind und in den Körper eindringen können, haben sie aber nichts zu tun. Sie bilden sich durch Verquirlen beider Stoffe von allein, da Sojalezithin wie eine Art Magnet wässrige Lösungen umschließt, während die äußere Hülle am Hautfett andockt.

Sogar Bio-Hyaluronsäure gibt es inzwischen. Für Naturkosmetik wird sie aber weder tierisch noch synthetisch hergestellt, sondern aus Bakterien, die diesen super Feuchtigkeitsspender als natürliches Stoffwechselprodukt bilden. Alles ganz schön clever. Aber, wo ist eigentlich die Grenze der Bearbeitung? Ab welchem Punkt ist ein Wirkstoff nicht mehr bio, sondern Hightech? Für zertifizierte Naturkosmetik, die Sie z. B. am NaTrue- oder BDIH-Siegel erkennen, gibt es klare Vorgaben, was erlaubt ist und was nicht. Wichtigstes Kriterium ist dabei, dass die Molekülstruktur des Stoffs nicht verändert wird. Wirkstoffe mit Wasser oder Bio-Alkohol zu lösen ist z. B. okay. Ein chemisches Lösungsmittel zu nehmen, das die Pflanzenzellwände zerstört und möglicherweise Rückstände hinterlässt, ist dagegen verboten.

Konventionelle Kosmetik wirkt wie ein Blitz-Lifting


Konventionelle Kosmetik wirkt wie ein Blitz-Lifting


Während Naturkosmetik auf die Komplexität eines Stoffes setzt und ihn so wenig wie möglich bearbeitet, versuchen Hersteller von konventioneller Beauty meist das Gegenteil: Sie picken gezielt den Wirkstoff heraus, auf den es ankommt. Statt eines kompletten Jasminblüten-Extrakts verwendet L’Oréal Paris für sein „Age Perfect“-Serum z. B. nur die daraus isolierten Polyphenole, da diese Aromastoffe die Hautzellen aktivieren, neue Kollagenfasern zu bilden. Außerdem setzt herkömmliche Kosmetik stark auf synthetische Wirkstoffe, da sie leichter herzustellen sind. Das gilt vor allem für Folsäure, Kreatin, Vitamin C und B3, deren Anti-Aging-Effekt bekannt ist und die in ihrer künstlichen Variante oft stabiler gegenüber Luftkontakt sind. Hinzu kommt, dass sich auf diese Weise eine höhere Konzentration in die Creme einarbeiten lässt. Dadurch erhöht sich meist die Wirkung – manchmal aber auf Kosten der Verträglichkeit. Das gilt z. B. für Retinol, reines Vitamin A. Es pusht die Zellerneuerung so intensiv, dass einige Frauen mit Hautreizungen reagieren.

Einige Hersteller verwenden deshalb Pro-Retinol, eine Vorstufe des Vitamin A, die sanfter ist, oder einen Kombi-Trick, wie z. B. die Marke Vichy. Geschickt mit dem Zellbaustein Adenosin gemischt, wird Retinol nicht nur verträglicher, sondern zeigt auch einen schnelleren Glättungseffekt. Interessant ist auch, dass Anti-Falten-Stars wie Coenzym Q10 oder Peptide zwar in der Natur vorkommen, nach derzeitigem Forschungsstand aber nur in ihrer künstlichen Form effektiv in Kosmetik eingesetzt werden können. Natürliche Peptide aus Milch sind z. B. viel zu groß, um in die Haut zu gelangen, verlieren durch den Kontakt mit Sauerstoff schnell ihre Wirksamkeit und entwickeln einen strengen Geruch. All das ist bei künstlichen Peptiden nicht der Fall. Dr. Seronei Cheison, Leiter der Forschungsgruppe „Bioaktive Peptide und Proteintechnologie“ an der Technischen Universität München: „Der größte Vorteil synthetisch hergesteller Peptide ist aber, dass man sie im Labor gezielt so zusammenstellen kann, dass ein optimaler Anti- Age-Cocktail entsteht. Der kommt von Natur aus in Milch, Gemüse und keiner anderen Quelle so vor.“

Was viele Frauen an konventionellen Anti-Falten- Cremes aber am meisten schätzen, ist die Tatsache, dass sie wie ein Blitz-Lifting wirken. Verantwortlich dafür sind meist Silikonöl und Polymere, die sich in Falten einlagern und so ruck, zuck für eine glatte Hautoberfläche sorgen. Synthetische Hyaluronsäure, die oft hochkonzentriert eingesetzt wird, polstert Fältchen mit jeder Menge Feuchtigkeit auf. Ein weiterer Trick, den es nur in konventioneller Anti-Aging-Pflege gibt, ist das „Retuschieren“ von Fältchen mit „Chromasphären“ – doppelt verkapselten Farbpigmenten, die auf der Haut zerplatzen und dort durch Lichtbrechung den Hautton harmonisieren, ohne ihn abzudecken.

Teamwork im Tiegel: das Beste aus zwei Welten?

Bio oder Hightech? Warum eigentlich nicht beides, fragen sich immer mehr Beauty-Hersteller und versuchen, die Vorteile von beidem miteinander zu verbinden. Das Ergebnis: „grüne Grenzgänger“, die meist zu etwa 90 Prozent aus pflanzlichen Zutaten bestehen, aber kleine Flirts mit der Chemie eingehen. Damit sich die Cremes weniger fettig anfühlen und auf Anhieb Falten kaschieren, mischen einige Hersteller z. B. winzige Dosen Silikon hinein. Andere bleiben stattdessen bei Pflanzenölen, helfen aber bei der Konservierung synthetisch nach, um die Haltbarkeit zu verlängern. Auf Parabene, die in die Kritik geraten sind, weil sie die Haut manchmal reizen und sich im Fettgewebe einlagern können, wird jedoch meist verzichtet.

Der Hauptunterschied zu reiner Naturkosmetik ist aber die Kombination ökologischer und konventioneller Anti- Aging-Zutaten. Das Ziel: eine maximale Wirkung gegen Falten. Bio-Tomaten und Peptide in einem Topf? Daran scheiden sich die Geister. „In meinen Augen ist das einfach nur inkonsequent“, sagt Sabine Beer, Geschäftsführerin des Bio-Beauty-Herstellers Santaverde. „Wer keine Chemie auf der Haut haben möchte, sollte auch bei den Anti- Aging-Wirkstoffen der Natur treu bleiben. Deren Wirksamkeit ist schließlich bewiesen. Begriffe wie ,Coenzym Q10’ auf der Packung sollen wahrscheinlich bloß den Absprung von konventioneller Kosmetik erleichtern, weil sie von dort her vertraut sind.“

Biologe Dr. Jörg Grünwald, der als Autor des Buches „Grüne Apotheke“ (GRÄFE UND UNZER) prinzipiell auf die Heilkräfte der Kräuter schwört, findet die Idee, mit ein paar synthetischen Wirkstoffen nachzuhelfen, trotzdem gut: „Peptide ergeben vielleicht nicht eine so reizvolle Geschichte wie die des Extrakts aus der ersten Blüte eines Baumes, der nur einmal im Leben im geheimen Tal der Nebelberge blüht. Aber wenigstens weiß man, dass sie tatsächlich wirken. Deshalb sollten sie in einer modernen Anti-Age-Creme nicht fehlen.“ Hautärztin Dr. Birgit Kunze: „Wenn der pflanzliche Anteil überwiegt und die Rezeptur gut ist, können solche Mischprodukte eine super Sache sein!“ Eine Bereicherung sind sie in jedem Fall: Nun können Sie noch individueller entscheiden, welche Anti-Aging-Pflege am besten zu Ihnen passt!

Produkte


Naturkosmetik gegen Falten

„CRÈME ÉLIXIER ANTI-AGE“ VON SANOFLORE mit ätherischem Melissenöl und Jojobaöl, 30 ml ca. 28 Euro
„XINGU HIGH OXIDANT PREVENTION SERUM“ VON SANTAVERDE mit Cashew-Saft, Aloe vera und Lycopin aus Tomatenkern- Extrakt, 30 ml ca. 89 Euro
„GRANATAPFEL REGENERATIONS- ÖL“ VON WELEDA für den Körper, mit Granatapfelsamenöl und Macadamianussöl, 100 ml ca. 17 Euro
„ANTI-FALTEN INTENSIV SERUM“ VON DR. SCHELLER mit Arganöl und Amaranth-Extrakt in „NanoSolves“, 30 ml ca. 14 Euro
„REPAIR RELAX ABSOLUTE NIGHT NACHTCREME“ VON LAVERÉ mit „Cova Btrox“, Bio- Hyaluronsäure, Bambus und grünem Tee, 30 ml ca. 32 Euro
„RED CLOVER TAGESCREME“ VON NEOBIO mit rotem Klee und Traubenkernöl, 50 ml ca. 11 Euro „HUILE INTEMPORELLE INTENSE“ VON KIBIO mit Shiso- Extrakt und Moschusrosenöl, 50 ml ca. 50 Euro
„ULTRA-RICH REGENERATIONSCREME ROSE GRANATAPFEL“ VON PRIMAVERA mit Granatapfelsamenöl und grünem Tee, 30 ml ca. 46 Euro

Anti-Aging mit Hightech- Pflege

„LIFTACTIV RETINOL HA“ VON VICHY mit Retinol-Adenosin- Komplex und Hyaluronsäure, 30 ml ca. 28 Euro
„AGE PERFECT SUBSTANZSTÄRKENDES FUNDAMENTALSERUM“ VON L’ORÉAL PARIS mit Sojakeimen, Vitamin C und Polyphenolen aus Jasmin, 30 ml ca. 16 Euro
„REGENERIST 30 SEKUNDEN FALTEN-AUFFÜLLER“ VON OLAZ mit Amino-Peptiden, Pro-Vitamin B5 und Vitamin E, 30 ml ca. 20 Euro
„SENSITIVE HYALURON REPAIR & FILL“ VON EUBOS** mit Peptiden, Hyaluronsäure, Coenzym Q10 und Vitamin B3, 50 ml ca. 20 Euro
„RIDES REPAIR CHROMA-LIFT“ VON BIOTHERM mit Silizium, Polymeren und „Chromasphären“- Farbpartikeln, die den Hautton ausgleichen, 40 ml ca. 66 Euro
„SÉRUM CORPS PEAU NEUVE“ VON CLARINS zur Körperpflege, mit Pro-Retinol, 200 ml ca. 50 Euro
„NIVEA BODY DNAGE ZONE ACTION CREME-SERUM“ VON BEIERSDORF für den Körper, mit Folsäure und Kreatin, 150 ml ca. 10 Euro

Glatter Erfolg: Bio und Hightech im Mix

„FRUIT D’ÉCLAT À LA TOMATE BIO“ VON ELLA BACHÉ mit Extrakten aus Bio-Tomaten, Bio-Aprikosen und Bio-Trauben. Ohne Silikon, ohne Parabene. Leichte synthetische Konservierung, 50 ml ca. 64 Euro
„BABORGANIC PURE AGE PREVENTING CREAM“ VON BABOR mit Bio-Wiesenschaumkrautöl, Bio-Edelweiß- Extrakt. Ohne Silikon, ohne Parabene. Leicht synthetisch konserviert, 50 ml ca. 54 Euro
„GREEN SCIENCE FIRMING FACE CREAM“ VON AVEDA mit Bio-Arganöl, Bio-Kaktus- Extrakt, Ceramiden und Peptiden. Mit Silikon, ohne Parabene. Konserviert durch Alkohol, 50 ml ca. 55 Euro
„NOURISHING RICH DAY CREAM“ VON SNOWBERRY mit Peptiden, Coenzym Q10, Kaffee- und Tomaten-Extrakt. Ohne Silikon, ohne Parabene. Konserviert durch Alkohol, 50 ml ca. 125 Euro
„OLIVE & RYE ANTI-AGING NACHTCREME“ VON KORRES mit Roggen-Extrakt und Olivenöl. Ohne Silikon, ohne Parabene. Sanfte synthetische Konservierung, 40 ml ca. 33 Euro

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