Unterwegs in Thailand

Unterwegs in Thailand

"Wiedersehen mit meiner alten Liebe." Nach zehn Jahren kehrt FÜR SIE Autorin Verena Lugert zurück nach Asien und probiert es aus, mit dem Rucksack durch Asien reisen.

Thailand
© iStockphoto
Unterwegs in Thailand

Es ist genau zehn Jahre her, dass ich zum ersten Mal in Thailand war. Ich hatte gerade mein Studium beendet und wenig Geld in der Tasche. Also packte ich meinen Rucksack und flog los. Ich werde nie vergessen, wie ich aus dem Flughafengebäude in Bangkok trat, überwältigt von der Hitze, der brodelnden Feuchtigkeit. Wie mich die Stadt in ihren Bann schlug, mit ihrem Duft und ihren Ausdünstungen, dem Gold der Pagoden und der Armut der Bettler. Ich setzte mich damals in den Nachtzug nach Süden, Richtung Krabi, Richtung Phuket.

Jetzt, zehn Jahre später, bin ich wieder da. Und zum ersten Mal seit Jahren wieder mit einem Rucksack unterwegs. Ich bin nicht mit dem Nachtzug gekommen, sondern mit dem Flugzeug. Der Phuket International Airport ist der zweitgrößte Flughafen des Landes, der Umschlagplatz für Millionen von Touristen im Jahr, die von dort direkt in ihre Urlaubs domizile verbracht werden. Mein Rucksack ist der einzige auf dem Gepäck-Förderband. Die Insel Phuket, sagt man, ist nichts für Backpacker. Sondern den Pauschalurlaubern und dem Luxussegment geweiht. Patong, die Touristenhochburg der Insel, zählt zu den teuersten Orten Thailands. Phuket ist heute fest in der Hand des Massentourismus.

Ich fahre zur ersten großen Bucht, dem Nai Thon Beach, steige aus dem Bus, schultere meinen Rucksack und versuche mein Glück. Billige Unterkünfte, nette Hütten, die man sich für wenig Geld mieten kann? Fehlanzeige! Es gibt großflächige Resorts, in denen hauptsächlich Paare oder Familien logieren. Weil fast alle Hotels All-inclusive- Pakete anbieten, sind Kneipen rar und die Preise saftig: Ein Kaffee drischt mit umgerechnet drei Euro auf meine Urlaubskasse ein. Für die erste Nacht finde ich auch nichts anderes als ein Mittelklassehotel für 50 Euro.

Ursprüngliches Thailand


An der Ostseite von Phuket ist Thailand noch so, wie ich es liebe

Wie anders das früher war, denke ich versonnen. Da schleppte man sich zum Busbahnhof, die Rucksäcke wurden auf dem Dach festgeschnallt, man rumpelte stundenlang bei kreischender Thai-Popmusik durchs Land, wurde an irgendeiner traumhaften Bucht ausgespuckt. Die Unterkünfte unterschieden sich nicht wesentlich voneinander, und kurze Zeit später fand man sich auf der Terrasse seines frisch angemieteten Bambushüttchens wieder. Zündete eine Petroleumlampe an, nahm einen Schluck vom Sang Thip, dem Thai-Whiskey, lauschte den Wellen, die sich am weißen Sandufer brachen. Und blieb dann erst mal ein paar Tage.

Etwas entmutigt erreiche ich Phuket City, die Hauptstadt der Insel. Und mit einem Schlag wirkt alles komplett anders. Ich sehe sino-portugiesische Architektur, kleine Läden, geblümte Fliesen, verzierte Giebel, rote Laternen – aber dafür: kaum Touristen! Was für ein Gewimmel. Es ist Jahrmarkt und die Straßen können die schiere Masse der Menschen, Gerüche und Geräusche kaum noch fassen. Brüllend laute Musik schwappt aus den Lautsprechern, auf der Tanzfläche tobt die Hölle. Eine Traube von Zuschauern ballt sich um das Tanzpodest. Drei alte Männer mit weißen Bärten, lang und dünn wie Fäden, sitzen in Unterhemden auf Plastikstühlen, halten jeder eine eiskalte Flasche Chang-Bier in den schlanken Händen und schnippen gut gelaunt Zigarettenasche auf den Asphalt.

Kinder lassen knatternd meterlange Ketten von Knallfröschen krachen. In einem China-Restaurant steht ein flauschiger Chow-Chow hechelnd auf einem der Tische und betrachtet interessiert die wogende Szenerie. Die Wirtin hebt ihn hoch, tritt mit dem Hund auf die Straße, wiegt ihre Hüften im Takt der Musik. Überall zischt es von heißem Öl, in dem Garnelen, Teigfladen, Kartoffelplätzchen frittiert werden. Es kocht in hohen Töpfen, fette Brühe brodelt in den Buden und Ständen vor sich hin. Minispiegeleier wie aus der Puppenküche werden in Bananenblätter- Körbchen geschichtet. Es ist ein ohrenbetäubender Klangtaifun, der von den Ständen kommt, aus jedem Büdchen krachwummt es markerschütternd. Polizisten trillern mit ihren Pfeifen, dumpfe Bässe überlagern sich, und alles ist Geschrei, Geschiebe, Geruch.

Südostasien! Jetzt endlich erkenne ich das Land meiner Erinnerung begeistert wieder. Ich suche mir einen Stuhl, der an einem der Stände steht, vor mir ein Bier, das umgerechnet 50 Cent kostet, die Wirtin bringt Reis, dazu Fisch und ein Trio infernalisch scharfer Soßen. Ich verteile sie löffelweise über mein Essen und denke: Wunderbar, ich bin wieder dabei! Auf der Ostseite der Insel ist Thailand noch so, wie ich es von früher liebe. Ich fahre an Kautschukplantagen vorbei, dazwischen Urwald, die Landschaft in brüllendem Grün, dem saftigen Dunkeloliv von Palmen, von Gräsern, Bananenblättern und Stauden. Und immer wieder ragt aus dem Dickicht die Spitze einer Pagode, glänzend wie Gold. Ein Affe huscht eine Staude hinauf, eine Babybanane im braunen Händchen. Mit schwarzen Augen blickt er um sich. Um dann den Kopf zu wenden und sich mit dem Schwanz um einen Ast in die Höhe zu schwingen. Kokosnüsse hängen an Palmen, lila leuchten Orchideen.

Inseltrip nach Ko Yao Yai

Ich will auf eine kleine Insel – nach Ko Yao Yai, zwischen Phuket und Krabi gelegen. An der Bang-Rong-Pier warte ich auf die Fähre, die mich dorthin bringen soll. Ich spüre eine Leichtigkeit, als ich meinen Rucksack auf die Pier werfe, freue mich drauf, nicht zu wissen, wo ich heute Nacht schlafen werde, fühle mich frei. Boote dümpeln im seichten Wasser, die Luft steht. Dann kommt die kleine Fähre schließlich, wir fahren durch das faszinierende Türkis der Andamanensee. Wie Geisterfinger, wie Feenschlösser ragen die Kalksandsteinfelsen verwirrend bizarr aus dem Wasser. Es ist ein Lummerland-Archipel, verzaubert und wunderschön.

Im Dunst der Abendsonne erreiche ich die Insel. Kleine Pensionen liegen inmitten von Palmen und Dschungelgrün, und die ersten Düfte von gebratenem Knoblauch, von Ingwer, Sojasoße und Zitronengras steigen auf. Ich esse im „Café Heimat“ eine Tom-Yum-Suppe. Sie wird von Yamalia serviert, die mit mir Deutsch redet. Sie ist hier auf der Insel geboren, lebte später 15 Jahre in Südtirol, wo sie in einem Spa gearbeitet hat. Sie spricht Italienisch, Deutsch und Englisch, hat gut verdient in Europa, zwei Kinder geboren – doch irgendwann wurde das Heimweh zu groß, sie kam wieder zurück. Yamalia hat ihren Traum verwirklicht: Auf Ko Yao Yai hat sie ein Guesthouse und ein Restaurant eröffnet. Sie ist glücklich mit ihrem Leben. „Ich habe in Südtirol viel mehr verdient. Aber auch viel mehr ausgeben müssen. Hier brauche ich nicht viel, ich muss viel weniger arbeiten. Ich pflege meine Blumen, koche, wenn Gäste da sind, und wenn keine Gäste da sind, ist es auch recht. Dann habe ich Zeit für meine Familie. Mir kommt mein Leben so viel gesünder und ausgeglichener vor als in Europa“, sagt sie.

Ein Häuschen aus Bambus mit Terrasse und einer Petroleumlampe –meine Bleibe. Es raschelt und zirpt. Ein Gecko wagt sich heran und richtet die Echsenaugen auf die Moskitos, die um den Lampenschein kreisen. Blitzartig schnellt seine Zunge hervor. Ein weißgelber Vollmond bescheint die Felsen, die aus dem Wasser ragen. Ich gehe ans Wasser, lege mich in eine Hängematte, vergrabe die bloßen Füße im Sand. Über mir leuchten die Sterne, heller und anders als daheim. Ich schaukle sanft hin und her, die Brandung rauscht leise, über den Sand huscht ein Krebs. Und mir ist kurz, als würden die letzten zehn Jahre in sich zusammenschmelzen. Als würde ich in meine Vergangenheit hinabtauchen und sie hoch holen, gebündelt in diesem einzigen, glitzernden Moment.

Die besten Tipps für Thailand

  • HINKOMMEN Anreise: Nach Phuket über Bangkok fliegen Thai Airways, Lufthansa und Air Berlin ab ca. 700 Euro. 1 Euro = 42 Thailändische Baht. Beste Reisezeit: Mitte November bis März/April.
  • SCHLAFEN, ESSEN & TRINKEN „Amari Coral Beach“: direkt am wunderschönen Strand von Patong, riesige Pool-Landschaft, traumhaftes Spa. DZ/Frühstück ca. 80 Euro. www.amari.com/coralbeach „Café Heimat“: kleines Restaurant auf dem Inselchen Ko Yao Yai mit köstlichem deutschem und thailändischem Essen, ab 2 Euro pro Gericht.
  • LUXUS-HERBERGEN „Six Senses beyond Phuket Yao Noi“: luxuriöse Hotelanlage, jede Villa hat ihren eigenen Pool. DZ/Frühstück ab 400 Euro, www.sixsenses.com/ SixSensesYaoNoi „Banyan Tree“: mehrfach ausge - zeichnetes Edel-Resort auf Phuket. Villa ab 170 Euro pro Nacht www.banyantree.com
  • VERANSTALTER www.erlebe-thailand.de
  • AUSKUNFT Thailändisches Fremdenverkehrsamt, Bethmannstraße 58, 60311 Frankfurt, Tel. 0 69/13813 90, www.thailandtourismus.de
Eine Micro-Wedding ist das Gegenteil einer großen Pomp-Hochzeit. Die Mini-Hochzeiten werden immer beliebter - doch warum ist das so? Wir haben jede Menge gute...
Weiterlesen
Lade weitere Inhalte ...