Interview: Christian Ulmen und Nora Tschirner

Interview: Christian Ulmen und Nora Tschirner

Christian Ulmen und Nora Tschirner spielen die Hauptrollen im neuen „Tatort“ aus Weimar. Nicht nur beruflich, auch als Freunde sind sie ein eingespieltes Team.

Christian Ulmen und Nora Tschirner
© Jens-Ulrich Koch/Getty Images
Interview: Christian Ulmen und Nora Tschirner

Christian Ulmen

Geboren: 22. 9. 1975 in Neuwied
Karriere: Nachdem er 1996 von einem Talentscout entdeckt wurde, arbeitete er als Moderator und spielte 2003 die Hauptrolle in dem Kinofilm „Herr Lehmann“, für den er den Bayerischen Filmpreis bekam. Heute ist Ulmen mit seiner eigenen Produktionsfirma erfolgreich.
Privates: 2011 heiratete er Collien Ulmen-Fernandes, die beiden haben ein gemeinsames Kind. Aus erster Ehe hat Ulmen einen achtjährigen Sohn.

Nora Tschirner

Geboren: 12. 6. 1981 in Berlin
Karriere: Nora Tschirner hat viele Talente: Schon als Kind engagierte sie sich in Theatergruppen. Ebenso wie Christian Ulmen war sie Moderatorin beim Musiksender MTV. Als Schauspielerin war sie u. a. in den Romantikkomödien „Keinohrhasen“ und „Zweiohrküken“ zu sehen. Und sie macht Musik: Zusammen mit Erik Lautenschläger und Tom Krimi bildet sie die Band Prag.
Privates: Im Juli 2013 brachte sie ihr erstes Kind zur Welt.

Man trifft sich im Hamburger Hotel „The George“. Einer durchgestylten „In“-Location, die so gar nicht zu Nora Tschirner und Christian Ulmen passt. Beide gelten als bodenständig. Einträchtig wie ein altes Ehepaar sitzen die Schauspieler nebeneinander auf dem Sofa und essen: Er, von Kopf bis Fuß in Khakitönen gekleidet, wickelt mit Messer und Gabel Garnelen aus der Schale. Sie trägt ein schlabbriges, dunkelblaues Oberteil, die blaue Hose steckt in kanariengelben Filzstiefeln. Während des Interviews futtert sie Fleisch mit Bratkartoffeln.

Wo Sie es sich gerade schmecken lassen: Auch in Ihrem ersten „Tatort“, der am 26. Dezember ausgestrahlt wird (ARD, 20.15 Uhr), geht es ums Essen. Genauer gesagt: um „die fette Hoppe“, die berühmte Thüringer Rostbratwurst. Was ist das Besondere an Ihrem „Tatort“?

Nora Tschirner: Auf jeden Fall wird’s witzig – schließlich spielen wir beide mit.
Christian Ulmen: Außerdem werden wir mit einigen Regeln brechen. So kommt es bei uns nicht gleich in den ersten Minuten zum Mord, wie man es von dem Format eigentlich gewohnt ist. Für echte „Tatort“-Fans hat das sicher etwas von Blasphemie.

Was haben Sie mit Ihren Rollen, Kriminalkommissarin Kira Dorn und Kriminalkommissar Lessing, gemein?

Ulmen: Lessing ist ein sehr cooler Typ, ich hingegen bin nur mittelcool.

Na ja, immerhin stecken Sie im Film bis zu den Ellenbogen in rohem Fleisch. Oder hatten Sie für diese Szene etwa ein Arm-Double?

Ulmen: Keineswegs. Das war auch nicht so schlimm, wie es aussieht. Allerdings habe ich mich beim Wühlen im Fleisch an einem Knochensplitter verletzt und hatte Angst, dass das Schweineblut die Wunde infiziert.

Also noch einmal: Was haben Sie mit der Rolle gemein?

Ulmen: Ich denke nicht darüber nach, wie mein Charakter angelegt ist, ob er mir ähnelt oder nicht. Ich spiele eine Rolle.

Dann beschreiben Sie doch stattdessen mal Ihre Filmpartnerin.

Ulmen: Kira ist einfühlsam, trägt eine gewisse Zärtlichkeit, Liebe und Wärme in sich – so wie Nora …

… die 2010 vom Männermagain „GQ“ als „Woman of the Year“ ausgezeichnet wurde. Herr Ulmen, was macht Ihre Filmpartnerin so sexy?

Ulmen: Nora ist nicht nur sexy, sie ist so viel mehr …
Tschirner: Ja, ich bin gut im Haushalt, kann gut rechnen …
Ulmen: Ich erinnere mich an die Preisverleihung, denn ich durfte bei diesem entscheidenden Ereignis in Noras Leben dabei sein. Auf der Einladung stand, es würde der „Man of the Year“ geehrt.
Tschirner(kauend und kichernd): Stimmt, das war wirklich so. Ulmen greift über ihren Teller, um sich ein Stück Brot zu nehmen. Seine Kollegin führt in einer fließenden Bewegung eine Hand über seinen Arm, um ihre Gabel in den Mund zu schieben. Die Szene wirkt fast einstudiert und hinterlässt den Eindruck: Die zwei sind perfekt aufeinander eingespielt.

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Christian Ulmen und Nora Tschirner
© Jens-Ulrich Koch/Getty Images
Interview: Christian Ulmen und Nora Tschirner

Wenn Sie zusammen sind, mutieren Sie gern mal zu pubertierenden Teenagern. Wie lange dauert bei Ihnen ein Stimmungstief?

Ulmen: Bei Nora einen Tag. Manchmal kann es auch länger dauern.
Tschirner: Stimmt nicht, höchstens einen halben Tag.
Ulmen: Was noch spannender ist als die Frage, wie lange ihr Stimmungstief dauert: wie schnell es entsteht. Wie lange dauert es bei Nora, bis aus einem absoluten Hoch schlechte Stimmung wird? Die Antwort: Das geht in handgestoppten 0,25 Sekunden. Da muss es nur mal nicht genug zu essen geben.

Apropos essen: Nachts um eins am Kühlschrank – was hoffen Sie darin vorzufinden?

Ulmen: Hafermilch.
Tschirner: Sojamilchkakao. Echt, du trinkst Hafermilch?
Ulmen: Ja, die musste ich mal für meinen Sohn kaufen. Damals bin ich auf den Geschmack gekommen. Mein Arzt hat mir außerdem erklärt, dass Hafermilch besser vom Körper verwertet wird als Sojamilch. Sie schmeckt ein bisschen nach Vanille, obwohl ich sie immer ohne Zusätze kaufe.

So weit also zu den Ernährungstipps. Holen Sie sich bei Christian Ulmen auch Rat in Sachen Säuglingspflege? Schließlich ist er als zweifacher Papa quasi Vollprofi, während Sie im Juli zum ersten Mal Mutter geworden sind.

Tschirner: Ich sage mal so: Im Gegensatz zur Öffentlichkeit gibt es zwischen Christian und mir KEINE Tabuthemen.

Interessant. Worüber quatschen Sie denn so, wenn niemand dabei ist?

Tschirner: Ich war zum Beispiel mal bei ihm zu Hause zu Besuch, das ist schon lange her, in einer Phase, wo er Single war. Und wir redeten darüber, wie man flirtet. Christian meinte gerade: „Ich bin mir nicht sicher, ob ich vielleicht manchmal ein bisschen zu kauzig bin“ – da öffnete er, in jeder Hand ein Glas, mit dem Kopf den Schrank.
Ulmen: Du hast mich ausgelacht, Nora.
Tschirner: Also, du musst zugeben, das kam schon ein bisschen kauzig daher, die Schranktür mit dem Kopf aufzumachen. Obwohl: Für mich wäre das ja kein Ausschlusskriterium, sondern ein absolutes Pro-Argument bei der Partnerwahl, wenn ein Mann solche Qualitäten hat …

Das klingt, als sei Christian Ulmen ein Held für Sie. Wer war denn der Held Ihrer Kindheit?

Tschirner: MacGyver alias Richard Dean Anderson, der war echt cool, den hätte ich gern geheiratet!
Ulmen: Günther Jauch war der Held meiner Kindheit. Ich habe sehr viel Fernsehen geguckt, wahrscheinlich, weil ich’s nicht durfte. Ich liebte „Stern TV“ mit Jauch und „Der heiße Stuhl“ mit Ulrich Meyer.
Tschirner: Sag mal, was hast du denn für Sachen geguckt! Wie viel älter als du bin ich noch mal?!
Ulmen: Ich habe, bis ich zwölf war, Rolf Zuckowski gehört. Erst mit 13 Jahren öffnete ich mich der Popmusik. Ein Kellner betritt den Raum. Nora Tschirner gibt mit einem freundlichen Lächeln ihre Bestellung auf: „Ich würde gern noch so ein Käffchen nehmen, so einen Latte, mit Honig bitte.“

So viel zu Ihren Marotten. Was schätzen Sie aneinander?

Tschirner: Christian ist ein sehr begeisterungsfähiger Mensch. Er äußert es zwar nie in dem Moment, wo er begeistert ist, aber das muss man einfach wissen. Er verfolgt mit großer Leidenschaft das, was ihm am Herzen liegt. Und er ist unfassbar lustig.

Jetzt können Sie sich bei Nora revanchieren, Herr Ulmen.

Tschirner: Sag was Schönes über meine Haare … Sie streicht sich mit einer betont lasziven Bewegung eine Strähne hinters Ohr.
Ulmen: Nora ist durchaus empathisch. Auch wenn man nie vermuten würde, dass sie etwas anderes wahrnimmt als sich selbst – sie spürt genau, wie es anderen gerade geht.
Tschirner: Haha! Das ist, als würdest du über mich sagen: Für ein italienisches Auto fährt sie ganz gut.
Ulmen: Und wie sie es schafft, etwas positiv Gemeintes in etwas Negatives zu verwandeln … Was ich noch an ihr schätze: Sie zieht Dinge knallhart durch. Wenn ihr etwas wichtig ist, ist sie nicht davon abzubringen – obwohl sie Harmonie mag. Zum Beispiel redet sie nie öffentlich über ihr Privatleben, während ich vor lauter Harmoniebedürftigkeit auch schon mal meine Grundsätze verrate. Sie macht nicht mal für Geld Werbung!

Der neue MDR-„Tatort“ mit Ihnen spielt in Weimar, der Stadt der deutschen Klassiker. Auf einer Skala von 1 bis 10: Als wie gebildet schätzen Sie den jeweils anderen ein?

Tschirner: Für seine Schläue bekommt Christian von mir 12 Punkte, für Bildung eine gute 7. Mir selbst gebe ich für schlau 13, für gebildet 1.
Ulmen: Das kann ja nun nicht stimmen. Ich war letztens mit Nora in einer Quiz-Show, da musste ich nichts machen. Nora hat die Sache in die Hand genommen, sie wusste sehr viel.

Worin kennen Sie sich denn besonders gut aus, Frau Tschirner?

Tschirner: Ich beschäftige mich gern mit Psychologie. Ich finde soziale Zusammenhänge faszinierend und wie Menschen so interagieren. Ich setze mich gern in Kirchen rein, ohne jeweils zu wissen, aus welcher Epoche sie stammen. Ich kann mich in alles, was ich spannend finde, schnell einarbeiten. In meinem Schulzeugnis stand immer: „Nora arbeitet interessengebunden mit.“ Das war zwar nicht als Kompliment gemeint, aber für mich ist es eins. Man muss nicht alles können, solange man in dem, was man liebt, gut ist.
Ulmen: Das sehe ich auch so. Peinlich sind Bildungslücken nur in Quiz-Shows.

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