17. Mai 2021
Schuppenflechte: „Immer diese komischen Blicke“

Schuppenflechte: „Immer diese komischen Blicke“

Ihre rote, schuppende Haut zieht in der Öffentlichkeit immer wieder abschätzige Blicke auf sich. Für viele der zwei Millionen Psoriasis-Patienten in Deutschland ist das kaum auszuhalten. Sie werden zu Meistern des Versteckspiels – und leiden unter der Ablehnung, wie eine aktuelle Umfrage zeigt. 

Allmählich naht der Sommer! Die Röcke werden wieder kürzer, lange Hosen und Wollpullis sind eingemottet. Was für die meisten Grund zur Freude ist, löst bei Menschen mit Schuppenflechte – medizinisch Psoriasis – eher Frust aus. Sie wissen genau, was sie erwartet: erschrockene Blicke, manchmal sogar gemeine Sprüche.

Dass sich Psoriasis-Patienten von ihrer Umwelt abgelehnt fühlen, bestätigt eine aktuelle Umfrage des Deutschen Psoriasis Bund e.V. (DPB) und des Selbsthilfeportals Psoriasis-Netz. Die meisten der Befragten (87,1 Prozent) haben das schon erlebt. Und schlimmer noch: Mehr als die Hälfte von ihnen erfuhr aufgrund der Erkrankung sogar Ausgrenzung. Obwohl DPB und Psoriasis-Netz in den vergangenen Jahren ausführlich über die Krankheit informiert haben, gibt es noch viele Vorurteile gegenüber Menschen mit Schuppenflechte.

Systemkrankheit Psoriasis

Dabei könnten die Betroffenen Unterstützung gut gebrauchen. Sie leiden an einer chronisch-entzündlichen Krankheit, die den Körper stark belastet. Weil die Erkrankung neben der Haut manchmal auch Nägel, Gelenke und andere Organe betrifft, also das „System Körper“ beeinflusst, sprechen Mediziner bei Schuppenflechte von einer Systemerkrankung. Auch Herzinfarkte und Schlaganfälle treten bei Psoriasis-Patienten häufiger auf als bei anderen Menschen.

Schuld ist eine fehlgeleitete Immunabwehr. Die Haut antwortet auf den körpereigenen Angriff des Immunsystems mit einer Entzündungsreaktion, daraufhin teilen sich die Hautzellen viel schneller als normal. Rote, juckende Hautschuppen sind die Folge. Manchmal sind es nur kleine Pusteln, sie können sich aber zu handtellergroßen Flächen überall am Körper ausweiten. 

Spätestens jetzt beginnt für die Betroffenen das Versteckspiel. Der Minirock und die Shorts bleiben im Schrank. Stattdessen müssen wieder die weite Baumwollhose und das Langarmshirt herhalten, um den belastenden Blicken und Kommentaren zu entgehen. Solange sich die schuppigen Stellen verbergen lassen, geht es noch. Ist das nicht mehr möglich, bleiben laut Umfrage fast 50 Prozent der Psoriasis-Patienten lieber zu Hause.

Wirksame Therapiemöglichkeiten

Psoriasis ist bislang nicht heilbar. Doch dank der modernen Medizin sind die Symptome heutzutage sehr gut behandelbar. Bei einer leichteren Form verschreiben Hautärzte zunächst Cremes, Lotionen und Salben, die die Symptome abschwächen und der Haut helfen, sich zu regenerieren. Phototherapie mit UV-Licht und medizinische Bäder können diese äußerliche Therapie unterstützen. Bei mittelschweren und schweren chronischen Verläufen helfen zusätzlich verabreichte Medikamente wie Entzündungshemmer oder Biologika.

Die Behandlung wird individuell angepasst. Wenn die Betroffenen sie konsequent durchführen, stehen die Chancen gut, dass es ihnen schon bald besser geht. Die Therapie mit Biologika kann bei mittelschweren und schweren Fällen sogar eine Verbesserung um 90 bis 100 Prozent bewirken. Leider haben einige Umfrageteilnehmer schlechte Erfahrungen mit Ärzten gemacht. Sie haben den Eindruck, dass einige nicht ausreichend qualifiziert sind. Außerdem beklagen sie, dass sie bei akuten Krankheitsschüben nicht rechtzeitig richtig behandelt wurden.

Trauer, Unsicherheit, Wut

Hinzu kommt die seelische Last, mit der Psoriasis-Patienten leben müssen. Mehr als die Hälfte der Umfrageteilnehmer ist traurig und fühlt sich unsicher. Ein Drittel macht die Reaktionen auf die Krankheit wütend. Nur 7,6 Prozent meinen, dass es sie nicht stört, angegafft zu werden.

Entsprechend fallen die Beschreibungen der Gefühlswelt aus: „Ich schäme mich“, „wertlos, unnütz“, „es kostet viel Kraft“. Hinzu kommt besonders bei den Jüngeren die Angst, keinen Partner zu finden, oder die Sorge, die Schuppenflechte an die Kinder weiterzuvererben. Da überrascht es nicht, dass Depressionen eine typische Begleiterkrankung von Psoriasis sind. 

Was die Betroffenen also am wenigsten gebrauchen können, sind Menschen, die nicht angemessen mit der Krankheit umgehen können. Vor allem an Orten, an denen viel Haut gezeigt wird, wünschten sich die Umfrageteilnehmer mehr Rücksicht und Akzeptanz. Ob beim Sport, im Schwimmbad, in Schule oder Kindergarten – immer wieder werden Psoriasis-Patienten abschätzig behandelt. Sogar in Hautarztpraxen haben sie so etwas schon erlebt.

Die Befragten wünschen sich deshalb Aufklärung sogar noch dringlicher als eine bessere Therapie. Die Öffentlichkeit soll verstehen, dass Schuppenflechte eine Krankheit ist. Sie ist nicht ansteckend und hat nichts mit mangelnder Hygiene zu tun. Es wird Zeit, dass derartige Vorurteile aus der Welt geschafft werden.

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