24. August 2012
Urlaub auf Deutschlands Inseln

Urlaub auf Deutschlands Inseln

Welche ist denn nun die Schönste? Etwa Amrum? Rügen? Oder Reichenau im Bodensee? Und was ist mit Sylt und Spiekeroog? Fünf ganz persönliche Plädoyers unserer Reise-Autoren

Fahrrad auf Sylt
© iStockphoto/Thinkstock
Urlaub auf Deutschlands Inseln

AMRUM – FÜR STRAND-PIRATEN

Sand, so weit das Auge reicht: Hier fühlt sich Undine Bischoff wohl

Was für ein Abenteuer: Im einsamen Norden stapfe ich um die windumtoste Odde – und halte heimlich nach Treibgut Ausschau. Denn aus dem, was das Meer so bringt, bauen Inselverliebte wie ich jeden Sommer Holzburgen am Kniep, dem größten Sandstrand Europas: 12 Kilometer lang, 1500 Meter breit liegt er vor Amrum. Sand, so weit das Auge reicht. Direkt an den Wellen leben wir modernen Strandräuber unseren Traum von Freiheit und Frischluft.

Ehe der Blanke Hans, die Sturmflut, uns im Winter die Hütten raubt, werden sie auseinandergeschlagen und im Sand vergraben. Im nächsten Jahr kommen wir wieder und werden nach ihnen suchen. Höher schlägt mein Freibeuter-Herz auch, wenn ich den „Nordsee-Mordsee“-Diavortrag von Georg Quedens besuche. Mit dem Naturforscher, Buchautor und Amrumer Urgestein durchlebe ich hautnah die wilden Zeiten: Er erzählt so lebendig vom gefährlichen Walfang, von Sturmfluten, Strandräubern und Rettungsmännern, dass ich noch tagelang an ihn denke.

SCHLAFEN: Im neuen Apartment-Haus „Amrumer Welle“ in Wittdün (ab 65 Euro/ Nacht, Übersicht: www.amrumer-welle.de)

GENIESSEN: Die urige Insel-Klause „Blaue Maus“ ist berühmt für ihre Whisky-Auswahl (Inselstr. 107, www.blauemaus-amrum.de)

NICHT VERPASSEN: Insellauf „Rund um Amrum“ am 8.9., Anmeldung Tel. 0 46 82/ 94 03 15 (15 Euro). Wöchentliche Vorträge von Georg und Kai Quedens, wechselnde

KNIEPSAND: Orte, auf Aushänge/Plakate achten

Rügen


FÜR ENTDECKER

Paul Werner schätzt die Ostseeinsel nicht nur wegen ihrer berühmten Kreidefelsen

Diese Felsen kennt ja jeder. Deshalb meinen alle, die die berühmte Steilküste schon mal ge - sehen haben, auch Rügen zu kennen. Und so darf meine Lieblingsinsel ihr stilles Geheimnis jenseits der Bäder bewahren, ihren wilden Süden mit der Halbinsel Mönchgut – verträumt, ungezähmt, in sich selbst versunken. Garz, die älteste Stadt, hat mich mit alten Bürgerhäusern verzaubert – und einem kleinen Kreidesee, umarmt von Brombeerhecken.

Wer in Richtung der flachen Boddenküste spazieren geht, taucht ein in einen Märchenwald aus Eiben, Kiefern und Buchen, und die Hügel tragen geheimnisvolle Namen wie Hexenbusch. Sogar eine Bonsai-Version der Steilküste gibt’s, das „Gelbe Ufer“ mit seinem schmalen Ostseestrand, auf dem Findlinge träumen. Und im gemütlichen Fischerort Zudar hat man den Weg zur kleinen Strandbucht nicht ausgeschildert. Und das ist gut so!

SCHLAFEN: Apartments, Häuser und Zimmer über Mönchguter Zimmervermittlung, Tel. 03 83 03/90 99 31 (www.moenchguter-zimmervermittlung.de)

GENIESSEN: Im „Nautilus“ speist man in U-Boot-Kulisse (www.ruegen-nautilus.de)

NICHT VERPASSEN: Wechselnde Ausstellungen im Pfarrwitwenhaus in Groß Zicker (www.moenchguter-museen-ruegen.de)

Reichenau


FÜR RUHESUCHENDE

Petra Mikutta ist verliebt in die exotische Insel im Bodensee

Hat die Seele eine Farbe? Die „Sand - seele“ im Südwesten der Insel Reichenau schon: Die Sonne malt orangefarbene Kleckse auf das dunkelgraue Wasser. Wellen und Schilf spielen eine raffinierte Jazz-Percussion. Gedanken werden leicht und fliegen Richtung Alpen, zarte weiße Spitzenhäubchen am Horizont. 4,5 Kilometer lang und 1,5 Kilometer breit ist die Reichenau. Die größte Bodenseeinsel zählt zu den wärmsten Orten Deutschlands. Der Frühling beginnt Ende Februar, Zitronen blühen, Melonen reifen, und Rosmarin, Oregano, Lavendel parfümieren den Sommerwind.

Was es zu tun gibt, außer – möglichst am Ufer sitzend oder liegend – das Sein zu erforschen? Nicht viel. Den höchsten Punkt, den 439 Meter hohen Hochwart, erklimmen und oben mit einem Kopfschütteln zwischen Baden-Württemberg und der Schweiz pendeln. Boot fahren im Niemandsland ohne Handy-Empfang. Radeln und spazieren gehen und dabei die Bauerngärten und Felder bewundern, die blitzsauberen Häuschen der 3000 Einwohner und die drei Kirchen im romanischen und gotischen Stil: 724 hat Wanderabt Pirmin auf der Insel ein Kloster gegründet, im Mittelalter ein geistiges Zentrum Europas und seit 2000 Unesco-Weltkulturerbe.

SCHLAFEN: „Strandhotel Löchnerhaus“, eine herrschaftliche Villa direkt am Wasser mit Bootsanleger, Strand und sehr gutem Restaurant (DZ/F ab 156 Euro, www.loechnerhaus.de)

GENIESSEN: Auf der Terrasse des Campingplatz-Restaurants lassen sich deftige schwäbische Hausmannskost und nahezu karibische Sonnenuntergänge genießen (www.sandseele.de).

NICHT VERPASSEN: Welterbe-Ausstellung zur Geschichte der Klosterinsel (www.reichenau.de)

Spiekeroog


FÜR CAMPINGFREUNDE

Wolfgang Stelljes reist mit der Familie nach Ostfriesland, um dem Paradies ganz nah zu sein

„Der Sand ist hier ja gar nicht in der Kiste, sondern überall“, sagte meine Tochter Hannah bei ihrer ersten Begegnung mit dem Strand von Spiekeroog. Das war vor ein paar Jahren. Seither drängt sie uns regelmäßig zu einem Abstecher auf ihre Lieblingsinsel. Bummelt freiwillig mit mir zur Ostplate, einem endlosen Strand und Refugium für Brutvögel. Oder bessert freiwillig ihre Bio-Kenntnisse auf. Vor allem das 15 Meter lange Pottwalskelett im Umweltzentrum Wittbülten hat’s ihr angetan.

Eine Dreiviertelstunde mit der Fähre von Neuharlingersiel, und man ist in einer anderen Welt. Das Dorf beginnt gleich hinter dem Deich: 800 Einwohner, rote Backsteinbauten, die Regenrinnen und Zäune grün-weiß abgesetzt. An die Ruhe auf der autofreien Insel muss sich manch einer erst gewöhnen. Alles geht hier norddeutsch bedächtig zu, lauter wird’s nur, wenn sich jemand über einen Radfahrer aufregt, denn die sind auf den schmalen Wegen nicht gern gesehen.

Auf Spiekeroog gibt es keine Disco, keinen Golfplatz und keine Miss-Wahlen. Dafür aber ein paar andere Dinge, die man sonst oft vergebens sucht. Einen naturnahen Zeltplatz zum Beispiel, gleich hinter den Dünen. Mit einem Kiosk daneben, in dem es alles gibt, was der Mensch so braucht. Was nicht viel ist, frische Brötchen natürlich und vielleicht noch ein paar neue Zeltheringe. Unseren Tee trinken wir im Dorf, unter hohen Bäumen. Und wenn es regnet? Dann gehen wir in den Zirkus. Hat auch nicht jede Insel.

SCHLAFEN: Zeltplatz geöffnet bis Mitte September (Anmeldung: Tel. 0 49 76/9 19 32 24, Infos: www.spiekeroog.de)

GENIESSEN: Im „Capitänshaus“ (Tel. 0 49 76/99 00 16) gibt’s das Steinbeißerfilet auf jungem Spitzkohl für 17,80 Euro

NICHT VERPASSEN: Umweltzentrum Wittbülten, pädagogisch wertvoll und kindgerecht (www.wittbuelten.de)

Sylt


FÜR GENIESSER

Andrea Tapper zieht das Nordsee- Juwel den Malediven oder Mauritius vor

Der Mix aus Gourmet, Party und nordischer Ur-Natur ist einfach das Tolle an Sylt. Aufgeräumt, blitzsauber, mit Mega-Ausblicken über blühende Heide und wehendes Dünengras. Mit Roadmovie- Straßen, auf denen man sich trotz der Kleinheit der Insel (99 Quadratkilometer) ganz groß fühlt. Wo einen an der schmalsten Stelle zwischen Rantum und Hörnum das Meer auf beiden Seiten anfunkelt.

Sylt ist ein Stück heile Welt im äußersten Norden Deutschlands. Ein Bilderbuchtraum, den wir als Hamburger Kinder zum ersten Mal im Schullandheim beschnuppern durften. Mein Lieblingsplatz, klar: der 40 Kilometer lange feine Weststrand. Oder Radeln rund ums Rantum- Becken, Wind im Haar, Knirschen unter den Rädern. Danach geht’s in die „Sansibar“. Seit Herbert Seckler und seine Frau Helga für eine deutsche Airline aufkochen, ist der 30 Jahre alte Dünenschuppen noch kultiger geworden.

SCHLAFEN: Relaxen wie in den Hamptons: Im „Long Island House Sylt“ in Westerland sind alle Zimmer nach dem amerikanischen Vorbild individuell eingerichtet (DZ/F ab 126 Euro, www.sylthotel.de)

GENIESSEN: „Florian’s Esszimmer“ in Keitum (Fünf- Gänge-Menü für 59 Euro, www.esszimmer-sylt.de)

NICHT VERPASSEN: Comedy-Theater im Rantumer Meerkabarett (www.meerkabarett.de)

Strand Deutschland Ostsee
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