Strandurlaub auf Sardinien

Strandurlaub auf Sardinien

Weißer Sand und klares Wasser – auf Sardinien gibt es reihenweise traumhafte Buchten. Doch welcher Strand ist der perfekteste? Wir haben uns auf die Suche gemacht. Und einige Favoriten entdeckt.

© lucien82 - iStockphoto
Strandurlaub auf Sardinien

Kapitän Pietro Romdino, 40 Jahre alt, lehnt sich auf das Steuerrad seines Schiffes und blinzelt der aufgehenden Sonne entgegen. Sein weißes Uniformhemd strahlt im Morgenlicht, seine Haut ist tief gebräunt, in den Augenfältchen beinahe schwarz. Im Gegenlicht ist eine Inselgruppe zu erkennen: Felshaufen am Horizont. Die Brise, die das Steuerhaus von Romdinos Schiff streift, riecht nach Salz und Diesel. „Wo der schönste Strand Sardiniens liegt? Da hinten!“ Romdinos Hand deutet über das Wasser, auf dem sich die Sonnenstrahlen brechen. „Und da!“ Er zeigt auf einen weißen Sandstreifen vor einem Kiefernwäldchen. „Und da. Und da!“ Sein Finger schnellt in alle Richtungen, dann stimmt er ein bellendes Lachen an, während sich sein Schiff langsam aus dem Hafen von Palau schiebt. „Hier gibt es die besten Strände der Welt, du bist schließlich auf Sardinien.“

Romdino ist Kapitän auf der „Agatha“, einer Fähre mit orangefarbenem Rumpf, die täglich siebzehnmal zwischen dem sardischen Festland und der vier Kilometer entfernten Inselgruppe La Maddalena pendelt, einem Nationalpark wie aus dem Urlaubskatalog: 62 Inselchen, manche mit Pinien bewachsen und mehrere Quadratkilometer groß, andere so winzig, dass sie gerade mal als Terrasse für eine Handvoll Möwen taugen.

„Den herrlichsten Strand Sardiniens finden? Das kann dauern“, spottet Romdino weiter. Und recht hat er, denn Sardiniens Küste ist 2000 Kilometer lang, die gesamte Insel größer als das Bundesland Hessen, und ihre rund anderthalb Millionen Bewohner sind sich in einem Punkt einig: Der Strand vor ihrer Haustür ist natürlich der allerschönste. Jeder kennt eine Bucht – auf Italienisch „Cala“ –, die er für die beste, für die windgeschützteste, für die mit der grandiosesten Bar hält.

Teil 2

Das sehen Francesca Capobianco, 72, und ihr Mann Domenico, 70, genauso. 120 Kilometer westlich der Route von Kapitän Romdino stehen sie im Wasser einer winzigen Bucht. Das Rentnerpaar hat sich die Hosenbeine hochgekrempelt. Sie staksen über Felsen, klauben Seeigel vom Meeresgrund, als sammelten sie Kartoffeln von einem Feld. „Der beste Strand?“ Domenico Capobianco kratzt sich seinen grauen Dreitagebart, spaltet mit seinem Messer einen Seeigel und schaufelt sich den Inhalt in den Mund. „Für uns ist dieser Abschnitt hier das schönste Stück der Küste. Denn das Wasser ist auf einer Länge von 30 Kilometern so klar, dass man frisch gefangene Seeigel und Muscheln essen kann. Drei Buchten weiter gibt es einen Sandstrand, und außerdem …“, der grauhaarige Domenico macht eine Pause und lässt seine Hüften kreisen, „… außerdem habe ich hier mit meiner Frau das erste Mal Liebe gemacht.“ Die Angesprochene verdreht die Augen und öffnet einen weiteren Seeigel.

Die Sarden lieben ihre schneeweißen Badebuchten – und sie haben auch allen Grund dazu: Wenn einmal im Jahr der italienische Umweltverband „Lega Ambiente“ seine Noten vergibt, gehen bei den Inselbewohnern die Mundwinkel hoch. Allein 14 Orte an Sardiniens Küste wurden im letzten Jahr für ihr sauberes Wasser ausgezeichnet. Einer davon ist der von Porto Pino an der Südspitze Sardiniens. „Da glaubst du, du bist im falschen Film, oder?“ Alessandro Marongiu imitiert den typischen Blick, den ihm die Touristen zuwerfen, wenn er ihnen die Bucht zeigt. Weil nichts an diesem Strand nach Italien aussieht. Florida vielleicht – aber Italien?

Ein Schwarm Flamingos hat die Lagune, die hinter dem Strand beginnt, vor wenigen Augenblicken verlassen, jetzt schweben die Vögel in der Mittagshitze wie rosafarbene Papierflieger. Doch der 16-Jährige hat dafür keine Augen, er steht auf einer elf Meter hohen Düne, seine Füße stecken in den Schlaufen seines Snowboards. Kurz verlagert er das Gewicht, dann rauscht er samt seinem Board den festen beigefarbenen Sandberg hinunter. Hinab zum Meer. Auf Schnee ist er noch nie gefahren, immer nur auf Sand, in Namibia und hier in den Dünen seiner Heimat. „Sardinien vereint auf kleinem Raum so viel. Berge und grüne Täler wie in der Schweiz, Luxusbadeorte an der Costa Smeralda, Beachlife wie hier bei uns vor der Haustür“, sagt seine Mutter, während ihr Sohn die Düne für eine zweite Fahrt hinaufstapft.

Die Strände der Westküste oder die breiten Sandbuchten im Golf von Olbia im Osten – sie alle liegen meist nur zwei, drei Gehminuten von den Küstenstraßen entfernt. Doch für die ganz besonderen Orte, die einsamen Buchten, braucht man ein Schiff. Oder gute Wanderstiefel. Eine der schönsten Buchten ist die Cala Goloritze. So traumhaft, dass sie es schon in die Kataloge der großen Modefirmen geschafft hat – Bikinis vor der perfekten Kulisse. Rund zweieinhalb Stunden fährt man die Küste von der Hauptstadt Cagliari im Süden Richtung Norden bis Baunei. Vom Parkplatz in Il Golgo geht es einen steilen Wanderweg hinunter.

Teil 3

Die Luft flimmert über Steineichen und den verlassenen Schäferhütten in den Fels-Nischen. Das Knirschen der Schritte mischt sich mit dem Bimmeln von Kuhglocken. Und dann, nach einer guten Stunde, liegt sie vor einem, die Cala Goloritze. Wasser so hellblau wie in der Karibik, Sand so gleißend weiß, dass man die Sonnenbrille auf die Augen schiebt. Eine Wandergruppe aus Spanien hat sich in den Sand plumpsen lassen. Ein paar Schweden sind durch das Wasser zu einem der Felsen geschwommen und sonnen sich auf den grauen Steinen.

Alle paar Stunden tauchen vor der kleinen Bucht Yachten auf, um hier zu ankern und die Ruhe zu genießen. Sie sind von der Nordspitze Sardiniens herabgesegelt, von der Costa Smeralda, aus dem Hafen von Porto Cervo. Der kleine Ort ist das Saint Tropez und das Monte Carlo Sardiniens. Alles in einem – und von allem zu viel. Das Glas Prosecco kostet zehn Euro, die Häuser sehen aus wie ein Freizeitpark für Superreiche: leblos, glatt renoviert. Sogar die Stromkästen wurden für die Touristen in Terracotta-Farben überpinselt und mit Dachziegeln beklebt. Eine Kunstwelt, geschaffen für die Yachtbesitzer und die Fahrer der großen Geländewagen, die hier Urlaub machen.

Anderthalb Autostunden weiter Richtung Norden taucht wieder der Hafen von Palau auf, von dem aus Kapitän Romdino seine Fähre zu den La-Maddalena- Inseln schippert. Wieder steht man neben dem Kapitän, das Schiff gleitet aufs Meer. Noch ein Versuch: Wo liegt nun der perfekte Strand, Capitano Romdino? „Probier es auf Caprera, von der Anlegestelle aus zehn Autominuten über die Brücke.“

Die Brücke – das ist ein schmaler Damm, auf dem sich Vespas und Mountainbikes aneinander vorbeidrängen. Das Auto ruckelt hinüber und fährt dann in den Schatten der Waldstraßen. Caprera war bis ans Ende des 18. Jahrhunderts unbewohnt, jetzt kommen zwar jeden Sommer die Touristen, im Frühling aber ist die Insel nahezu verlassen. Den Wagen parken, mit der Badetasche zwischen Sträuchern hinab – Punta Galera heißt die felsige Bucht, die man nach zehn Minuten erreicht. Ein Steinsteg führt in das türkise Wasser. Man blickt zurück, und dann liegt er plötzlich rechterhand vor einem: makellos, umgeben von schulterhohen Felsen. Fünf mal drei Meter ist dieser Strich aus puderfeinem Sand. Man muss zu ihm hinüberschwimmen, die Kleider auf dem Kopf balancierend. Die flachen Wellen, die den Strand erreichen, wirken so klar wie aus Glas. Von Weitem hört man die Fähre von Kapitän Romdino hupen, dann verweht der Wind das Geräusch. Fort vom perfekten Strand, aufs offene Meer.

Teil 4


Infos für Ihre Reise

Anreise: TuiFly fliegt von Hamburg und München ab 88 Euro nach Olbia oder Cagliari und zurück (www.tuifly.com). Mietwagen gibt es zum Beispiel bei Autoeurope am Flughafen von Olbia oder Cagliari. 14 Tage kosten rund 300 Euro (Tel. 0 89/ 2 44 47 35 00, www.autoeurope.de).

Übernachten: Tortoli: Das „Stanze di Patika“ wirkt von außen wie ein Wohnhaus. Von innen ist es eine geschmackvolle Pension mit bunt gestrichenen Zimmern, Balkonen und modernen Bädern. DZ pro Nacht ab 70 Euro (www.lestanzedipatika.it).

Alghero: Das Bed and Breakfast „Nidi della Poiana“ liegt in einem Olivenhain oberhalb von Alghero. Vom Außenpool sieht man das Meer, das man in rund sieben Minuten mit dem Auto erreicht. DZ ab 90 Euro (www.nididellapoiana.it).

Essen & Trinken
Tortoli: Im Fischrestaurant „Da Lenin“ werden hervorragende „Pasta bottarga“ und frischer Fisch serviert. Auf der Weinkarte finden sich nur sardische Tropfen. Beliebtes Lokal bei Einheimischen. Via San Gemiliano 19.

Alghero: Das „Sa Mandra“ ist eines der besten Agritourismi (Bauernhofrestaurants) der Insel. Das Essen dauert immer mindestens zwei Stunden, dafür gibt es viele Gänge, darunter hausgemachte Pasta, Salami aus eigener Herstellung und selbst gebackene Kekse. Strada Aeroporto Civile Pod. 21.

Die Agriturismi, Bauernhöfe, in denen es Essen aus eigener Produktion gibt, haben in der Regel das beste Essen. Spezialitäten der Insel sind:„Malloreddus“,kleine Gnocchi mit Wildschwein, und die Pasta mit „bottarga“, einem salzigen, getrockneten Fischrogen – die sardische Variante des Kaviars. Hausgemacht sind auch die harten oder weichen Pecorino-Käse aus Ziegenmilch.

Tipp: Viele Strände, wie zum Beispiel die Cala Goloritze an der sardischen Ostküste, erreicht man nur zu Fuß. Oder mit dem Boot: zum Beispiel von Santa Maria Navarrese aus, einer Stadt nördlich von Arbatax. Das Ticket kostet 15 Euro. Das Schiff fährt Gäste für ein paar Stunden zu den Buchten. Die letzten Meter muss man – zumindest im Fall von Goloritze – allerdings schwimmen.

Wandern: Auf Sardinien kann man hervorragend wandern. Der Reiseveranstalter La Kooperativa organisiert entsprechende Wanderund Genussreisen entlang der Costa Smeralda, ins Hinterland oder an der Westküste rund um Alghero. Außerdem bietet der Veranstalter spezielle Heilkundereisen und Übernachtungen in besonderen Unterkünften wie etwa dem Wohnhaus des Liedermachers Fabrizio De André oder in Stadthäusern mit Dachterrasse in Borsa (www.lakooperativa.de).

Reisezeit: Sardinien ist im Frühling am schönsten. Ab Anfang Mai ist die Insel grün, auch wenn das Wasser dann noch ziemlich kühl ist. Ab Juni beginnt die Zeit für einen Badeurlaub. Bei gutem Wetter wandern kann man auf Sardinien noch im November.

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