Wuthering Heights: Margot Robbies Latexkleid – Provokation oder geniale Mode-Interpretation?

Margot Robbie bricht mit Erwartungen: Ihr Latexkleid in „Wuthering Heights“ wirft Fragen nach künstlerischer Freiheit und historischer Treue auf. Wie viel Moderne verträgt ein Literaturklassiker – und wann wird Interpretation zur Provokation?

Ist die Neuverfilmung von Wuthering Heights zu provokant? Darüber streitet das Internet

Ist die Neuverfilmung von Wuthering Heights zu provokant? Darüber streitet das Internet. 

© Quelle: KI-generiert

Die Neuverfilmung von Emily Brontës Klassiker "Wuthering Heights – Sturmhöhe" mit Margot Robbie in der Rolle der Cathy hat die Gemüter erregt, lange bevor der Film überhaupt in den Kinos anlief. Insbesondere die Kostüme, entworfen von der zweifachen Oscar-Preisträgerin Jacqueline Durran, sorgten für hitzige Debatten. Diese moderne Interpretation des historischen Stoffes stellt die Frage, inwiefern Mode als Provokation dienen kann oder ob sie eine geniale Weiterentwicklung etablierter Narrative darstellt. Ein zentrales Element dieser Diskussion ist zweifellos das sogenannte Latexkleid von Cathy, das in den ersten Einblicken zu sehen war.

Die Kunst der Provokation: Der moderne Blick auf Cathy

Emerald Fennell, die Regisseurin, und Margot Robbie, die nicht nur die Hauptrolle spielt, sondern auch als Produzentin fungiert, wagten eine Neudefinition von „Wuthering Heights“. Ihr Ansatz war, das Melodrama der 1950er-Jahre aufzugreifen und es mit zeitgenössischen Elementen zu verschmelzen. Dies zeigt sich auch in der Darstellung von Cathy, die nicht als zurückhaltende Brünette, sondern als extrovertierte Blondine in auffälligen Outfits inszeniert wird. Die Wahl des Materials und der Stil ihrer Garderobe sind dabei mehr als nur modische Statements.

Die kontroversen Kostüme von Jacqueline Durran für "Wuthering Heights – Sturmhöhe" sind weit mehr als nur Bekleidung. Sie sind ein Ausdruck einer bewussten Abkehr von traditionellen Darstellungen und eine Provokation im besten Sinne. Cathy, gespielt von Margot Robbie, wird in dieser Neuinterpretation als eine Frau dargestellt, die ihre Emotionen und ihre Persönlichkeit ganz selbstverständlich nach außen kehrt. Ihre Kleidung ist ein Spiegelbild dieser inneren Haltung und bricht mit den Erwartungen, die man an eine klassische Brontë-Heldin haben könnte.

Besonders das schimmernde, hochglänzende rote Kleid, das oft als Latexkleid bezeichnet wird, hat die Diskussionen angeheizt. Obwohl es sich nicht um echtes Latex, sondern um ein synthetisches, plastikbeschichtetes Material handelt, ist die Wirkung dieselbe: Es ist auffällig, modern und in seiner Ästhetik weit entfernt von den gedämpften Farben und Stoffen, die man üblicherweise mit einer Geschichte aus dem 19. Jahrhundert assoziiert. Jacqueline Durran, bekannt für ihre Arbeit an Filmen wie "Barbie" und "Anna Karenina", erklärt, dass Rot eine Schlüsselfarbe im Film ist und die glänzenden Oberflächen zentral für Cathys Figur und ihre Kostüme sind.

Zwischen Epoche und Moderne: Eine gewagte Mélange

Die Kostüme in "Wuthering Heights – Sturmhöhe" sind ein Beispiel dafür, wie historische Referenzen und moderne Ästhetik miteinander verschmelzen können. Durrans Moodboards, die unter anderem Vintage-Looks von Thierry Mugler und Alexander McQueen enthielten, zeigen die Breite der Inspirationen. Von der elisabethanischen über die georgianische bis zur viktorianischen Epoche spannen sich die Bezüge, ergänzt durch zeitgenössische Mode und filmische Darstellungen des 20. Jahrhunderts.

Das "Milkmaid"-Kleid, in dem Cathy zum ersten Mal als erwachsene Frau erscheint, ist ein prägnantes Beispiel für diese Mischung. Es vereint Elemente aus verschiedenen Epochen und zeigt bewusst, dass der Film stilisiert ist. Hier wird die Kostümierung als Kunstform verstanden, die nicht auf absolute historische Genauigkeit abzielt, sondern eine eigene visuelle Sprache spricht. Dieses Spiel mit Stilen und Materialien zieht sich durch den gesamten Film und macht die Kostüme zu einem eigenständigen erzählerischen Element.

Das rote Kleid als Statement: Weibliche Selbstinszenierung

Das rote, glänzende Kleid ist in dieser Interpretation mehr als nur ein modisches Detail; es ist eine bewusste Entscheidung, die Cathys Charakter unterstreicht und ihre Rolle im Film verdeutlicht. Das Kleid und das Set verschmelzen künstlich miteinander, der gummiartige rote Boden greift das Kleid auf und lässt sie ineinander übergehen. Dies ist keine zufällige Wahl, sondern eine gezielte Inszenierung, die Cathys Präsenz hervorhebt und sie in den Mittelpunkt rückt.

Die Diskussion um dieses Kleid zeigt, wie stark Mode unsere Wahrnehmung prägen kann und welche Macht sie besitzt, etablierte Konventionen herauszufordern. Ist es eine Provokation? Ja, in dem Sinne, dass es traditionelle Erwartungen bewusst bricht. Aber es ist auch eine geniale Mode-Interpretation, da es die Essenz von Cathys Charakter – ihre Leidenschaft, ihre Modernität und ihren unkonventionellen Geist – perfekt einfängt und visuell darstellt. Es ist ein Ausdruck weiblicher Selbstinszenierung, der die Figur Cathy neu belebt und ihr eine neue, kraftvolle Dimension verleiht.

Warum die Neuinterpretation überzeugt

Die Kostüme in "Wuthering Heights – Sturmhöhe" und insbesondere Margot Robbies rotes, glänzendes Kleid sind ein mutiges Statement. Sie zeigen, dass Mode im Film nicht nur der historischen Authentizität dienen muss, sondern auch als künstlerisches Mittel zur Charakterisierung und zur Botschaft des Films eingesetzt werden kann. Die Entscheidung, traditionelle Stoffe und Schnitte mit modernen, glänzenden Materialien und einer gewagten Farbpalette zu kombinieren, macht den Film zu einem visuellen Erlebnis, das zum Nachdenken anregt. Es ist eine Feier der Mode als Ausdrucksmittel, das sowohl provozieren als auch begeistern kann und den Zeitgeist einer neuen Interpretation perfekt trifft. Letztlich ist das vermeintliche Latexkleid eine geniale Interpretation, die den Geist der Geschichte in die Moderne transferiert.