Der Teufel trägt Prada 2: Warum die Fortsetzung klüger ist, als wir erwartet haben

Der Film Der Teufel trägt Prada prägte vor über 18 Jahren einen Diskurs über die Welt der Hochglanzmagazine und die manchmal gnadenlosen Mechanismen der Modebranche. Nun wirft die mit Spannung erwartete Fortsetzung einen erfrischenden Blick hinter die Kulissen, der über reine Unterhaltung hinausgeht und Klischees aufbricht. Eine Reflexion über die Evolution von Stil, Macht und der Rolle der Frau in einer sich stetig wandelnden Medienlandschaft.

Meryl Streep in Der Teufel trägt Prada

Meryl Streep in Der Teufel trägt Prada - in der Fortsetzung zeigt sie sich 

© Foto: picture alliance / Mary Evans/AF Archive/20th Centu | AF Archive

Anne Hathaway, wieder in ihrer ikonischen Rolle als Andy Sachs, nicht zu vergessen die legendäre Meryl Streep in der Rolle der Miranda Priestly. Ob wir uns auf das Wiedersehen freuen? Und ob! Denn die Fortsetzung von Der Teufel trägt Prada wird definitiv nicht nur alte Erinnerungen an die Vergangenheit wecken, er wird auch im Hier und Jetzt verankert sein. Dies unterstreicht die zeitliche Distanz, die seit dem ersten Film vergangen ist, und schafft eine Brücke zwischen der Andy von damals und der Andy von heute. Die Neuauflage verspricht nicht nur ein Wiedersehen mit den geliebten Charakteren, sondern auch eine Aktualisierung der Thematiken, die den ersten Teil so relevant machten.

Die Evolution der Charaktere und ihre Bedeutung für die Branche

Die Rückkehr von Andy Sachs zu Runway und Mirandas Kampf in einer gefährlichen neuen Medienlandschaft bilden das Herzstück der Fortsetzung. Diese narrative Entwicklung erlaubt es, die Relevanz klassischer Medien in Zeiten digitaler Transformation zu beleuchten. Miranda Priestly, die unangefochtene Ikone der Modejournale, muss sich nun in einer Welt behaupten, in der Influencer und Online-Publikationen den Ton angeben. Dies spiegelt die realen Herausforderungen wider, denen sich traditionelle Verlage heute gegenübersehen, und bietet eine Plattform, um über die Zukunft des Journalismus zu reflektieren.

Auch die Charaktere Emily Charlton, gespielt von Emily Blunt, und Nigel Kipling, dargestellt von Stanley Tucci, kehren zurück. Emily, inzwischen Chefin einer Luxusmarke, repräsentiert die finanziellen Aspekte, die über das Schicksal von Runway entscheiden könnten. Ihre neue Position verdeutlicht, wie sich Karrieren in der Modebranche entwickeln und welche Machtzentren abseits der reinen kreativen Arbeit existieren. Nigel als Figur des weisen Mentors bietet weiterhin eine emotionale Ankerfunktion und unterstreicht die Bedeutung von Beständigkeit in einem oft schnelllebigen Umfeld.

Die Kostüme spielen in Der Teufel trägt Prada 2 erneut eine zentrale Rolle. Kostümbildnerin Molly Rogers legt den Fokus auf zeitlose Looks, die über kurzlebige Trends hinausgehen und den Charakteren als Instrument der Machtausübung dienen. Stattdessen wird Mode als strategisches Element eingesetzt, um die Persönlichkeiten und die Entwicklung der Figuren zu unterstreichen. Meryl Streeps Wunsch nach Schulterpolstern und Anne Hathaways Wunsch, Andys Outfits ihre Erfahrungen als reisende Reporterin widerspiegeln zu lassen, sind Beispiele dafür, wie die Schauspielerinnen selbst zur Vertiefung der Garderobe beigetragen haben.

Die Filmkostüme sind bewusst so gewählt, dass sie eine gewisse Weite und Zukunft projizieren. Man sieht nicht nur ikonische Marken wie Dior, Balenciaga und Lanvin, sondern auch Entwürfe von Jonathan Anderson und Ulla Johnson, die einen modernen Touch verleihen. Für Andys Looks setzte man auf maskulinere Schnitte und Vintage-Elemente, die ihre Entwicklung von der unsicheren Assistentin zur selbstbewussten Journalistin visualisieren. Dieser Ansatz zeigt, wie Kleidung nicht nur ästhetisches Beiwerk ist, sondern eine narrative Funktion erfüllt und die Charakterentwicklung maßgeblich prägt. So wird Mode im Film zu einem Spiegelbild der gesellschaftlichen und beruflichen Positionen der Figuren.

Beauty-Looks Eine neue Ära der Natürlichkeit und Pflege

Auch in Sachen Beauty bricht Der Teufel trägt Prada 2 mit früheren Konventionen. Die Haar- und Make-up-Looks wirken lockerer und natürlicher als im ersten Film, der noch stark von einem modellhaften, gestylten Ansatz geprägt war. Sean Flanigan, der Leiter der Haarabteilung, betont die Lockerheit und Lässigkeit der neuen Frisuren, während Meryl Streep ihren Glam als glatter und stilvoller beschreibt. Dies spiegelt den aktuellen Trend wider, Schönheit nicht über übermäßiges Styling zu definieren, sondern durch eine gepflegte Natürlichkeit zu unterstreichen.

Nicki Ledermann, Anne Hathaways persönliche Visagistin, legte Wert darauf, dass die Darstellerinnen nicht künstlich verjüngt wirken. Stattdessen sollten die Zeichen des Lebens, die sich in den Gesichtern der Protagonistinnen zeigen, gewürdigt werden. Der Fokus auf gute Hautpflege, Sonnenschutz und eine authentische Ausstrahlung sendet eine wichtige Botschaft an das Publikum, die über oberflächliche Beauty-Ideale hinausgeht und eine gesunde Einstellung zum Alter fördert.

Eine Fortsetzung mit Tiefgang

Jenseits der Klischees gelingt es Der Teufel trägt Prada 2, die Modebranche und ihre Protagonisten in einem neuen Licht darzustellen. Der Film ist mehr als nur eine Fortsetzung; er ist eine zeitgemäße Reflexion über Macht, Stil und die ständige Transformation der Medienwelt. Er zeigt, wie Charaktere reifen und sich an neue Gegebenheiten anpassen, ohne dabei ihre Essenz zu verlieren. Die sorgfältige Auswahl der Kostüme und Beauty-Looks unterstreicht die narrative Tiefe und macht den Film zu einem wichtigen Beitrag, der die Grenzen zwischen Unterhaltung und gesellschaftlicher Beobachtung verschwimmen lässt. Mit einem sensiblen Blick auf die Realitäten der Branche und einem feinen Gespür für die Evolution von Persönlichkeiten setzt der Film neue Maßstäbe und lädt dazu ein, über jene Klischees hinauszublicken, die den ersten Teil einst so prägten.