Interview Charlotte Link und Marie Bäumer

Charlotte Link und Marie Bäumer

Marie Bäumer spielt in der Romanverfilmung "das andere Kind" von Charlotte Link die Hauptrolle. Wir haben Charlotte Link und Marie Bäumer im Interview.

Marie Bäumer & Charlotte Link
© David Maupilé
Charlotte Link und Marie Bäumer

Steckbriefe der Autorin & TV-Darstellerin

MARIE BÄUMER

Geboren: am 7. Mai 1969 in Düsseldorf, aufgewachsen in Hamburg.

Karriere: Kino-Durchbruch 1996 mit Detlev Bucks „Männerpension“; Megahit: „Der Schuh des Manitu“. Grimme-Preis 2011 für die Krimiserie „Im Angesicht des Verbrechens“. Im gleichen Jahr inszenierte „die neue Romy Schneider“ ihr selbst verfasstes Theaterstück „Abschied“ an den Hamburger Kammerspielen.

Privates: Sohn Shawn (14) aus der Beziehung mit Kollege Nicki von Tempelhoff spielte 2010 neben seiner Mutter in „Die Grenze“. Marie Bäumer pendelt zwischen ihrer Wahlheimat Frankreich und Deutschland.

Geboren: am 5. Oktober 1963 in Frankfurt am Main.

Karriere: Mit rund 20 Millionen verkauften Büchern ist sie die meistgelesene deutsche Autorin der Gegenwart. Den ersten Roman schrieb sie mit 16. Zu ihren bekanntesten Büchern, die auch verfilmt wurden, zählt die „Sturmzeit“-Trilogie. „Das andere Kind“ schubste 2009 Stephenie Meyers „Bis(s) zum Abendrot“ von Platz 1 der Bestseller-Listen. Zuletzt erschien „Im Tal des Fuchses“.

Privates: Die engagierte Tierschützerin lebt mit ihrem Ehemann Klaus, zwei Kindern und (derzeit) drei Hunden bei Wiesbaden.

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Mit dem Krimi „Das andere Kind“ landete Autorin Charlotte Link (49) einen Riesenerfolg, Marie Bäumer (43) spielt jetzt die Hauptrolle in der TV-Verfilmung. Kurios: Obwohl sie in ihrer zweiten Heimat, der Provence, fast Nachbarinnen sind, trafen sich die Autorin und die Schauspielerin jetzt zum allerersten Mal – beim FÜR SIE-Interview in Hamburg.

Frau Link, Frau Bäumer. Irgendwie scheinen gerade alle verrückt nach Krimis zu sein. Können Sie uns das Phänomen erklären?

Link: Ich glaube, das liegt daran, dass man Menschen ganz nahekommt, wenn man sie extremen Situationen aussetzt. Ich benutze das Verbrechen in meinen Romanen dazu, eine scheinbar heile Welt zu sezieren und Fassaden abzutragen. Nach außen ist alles gut. Und dann geschieht etwas Unfassbares. Wir glauben: Uns könnte das nie passieren. Umso mehr erschüttert es uns dann.

Bäumer: Die menschliche Psyche ist an sich schon ein Krimi-Portal. Es gibt nichts Spannenderes. Ein Krimi gibt mir die Möglichkeit, meine Grenzen auszutesten: Ich gehe so weit in die Geschichte hinein, wie es meine Lust und Kraft erlauben, ich kann das Buch aber jederzeit weglegen. Ein richtig packendes Buch kann einem ja den Schlaf rauben! Sehr spannende Filme ertrage ich nur zwischen zwei breitschultrigen Männern, bei Tageslicht. Ich werde mir nie „Das Schweigen der Lämmer“ ansehen, ich habe es dreimal versucht. Und mein Sohn quält mich damit, dass er mit mir „Shining“ gucken will …

Link: Der ist wirklich heftig.

Bäumer: Ohne mich! Ich bin viel besser darin aufgehoben, so eine Geschichte zu transportieren. Denn es ist viel weniger unheimlich, so etwas zu spielen, als es nachher zu sehen.

Wollten Sie schon mal alles hinschmeißen, weil Ihnen eine Geschichte zu naheging?

Link: Ständig. Aber nicht, weil ich es nicht aushalten konnte. Es gibt viele Tage, an denen man vor dem Computer sitzt, und es geht einfach nicht weiter. Da frage ich mich manchmal, ob ich es nicht besser lasse. Aber ich lasse meine Geschichten nicht zu nah an mich heran. Anders als die Schauspielerin, die sich mit ihrer Rolle identifizieren muss, habe ich sehr viele Figuren, die ich dirigiere. Als Autorin muss ich objektiv bleiben und Abstand wahren.

Motivation

Wie motivieren Sie sich, wenn Sie mal einen Durchhänger haben?

Bäumer: Ich esse in einer Tour! So ein Drehtag mit 12, 16 Stunden ist Hochleistungssport, also muss ich mich gut versorgen. In meinem Beruf kenne ich das aber eigentlich nicht, dass ich mal überhaupt keine Lust habe. Und wenn ich erschöpft bin, habe ich Kollegen um mich herum, die einen mitreißen.

Link: Was mir manchmal fehlt, ist jemand, der mir über die Schulter guckt und sagt: „Jetzt bist du auf dem richtigen Weg“ oder „Du vergaloppierst dich gerade“. Wenn ich schreibe, bin ich mein einziger Maßstab. Da beneide ich andere, denen mal jemand sagt: „Das war toll“ oder „Das war heute nichts“.

Bäumer:Und manchmal wünscht man sich die alle weg … (Beide lachen.)

Link: Mir wird oft gesagt: „Ist doch toll, dir quasselt keiner rein.“ Das stimmt natürlich. Ich kann frei entscheiden, stehe aber eben auch allein da.

In „Das andere Kind“ geht es um ein schwerwiegendes Geheimnis. Verraten Sie mir ein Mini-Geheimnis über sich? Vielleicht haben Sie verborgene Talente?

Bäumer: Ich kann Kopfstand … aber das ist kein großes Geheimnis.

Link: Ich leider nicht. Ich kann nicht singen, kann nicht kochen. Ich fürchte, ich bin talentfrei. Bis auf das Schreiben.

Bäumer: Da sollten wir mal Ihren Mann fragen! Ich verrate Ihnen eine geheime Leidenschaft von mir: Wenn ich Geld hätte, würde ich mir ganz viele Sportwagen kaufen und sie so schnell fahren, wie sie fahren können. Ich stehe total auf schnelle Autos – und auf schnelle Pferde. Und dann Rennen fahren und reiten.

Link: Wenn ich irgendwann mal aufhöre zu schreiben, möchte ich auf unserem Grundstück in Südfrank- reich eine Auffangstation für herrenlose Tiere einrichten. Nur noch Ställe sauber machen und zwischendurch Olivenöl pressen oder Wein keltern. Diese Art von Aussteigerleben, das wäre ein Traum. Keine Bücher mehr!

Würden Sie das wirklich übers Herz bringen? Es so einfach lassen, das Schreiben?

Link: Nein, das fürchte ich eben auch. Theoretisch könnte ich jetzt schon sagen: Ich höre auf. Letztlich ist dieser Traum wohl nur so schön, weil es ein Traum ist. Ich bin schon mit Leidenschaft Schriftstellerin. Als ich gesagt habe, ich hätte sonst keine Talente, war das nicht nur Koketterie. Schreiben ist das, was mich ausfüllt, begeistert und was ich wahrscheinlich für den Rest meines Lebens machen werde.

Berufswunsch

Können Sie sich vorstellen, dass Sie noch mal was ganz anderes machen möchten, Frau Bäumer?

Bäumer: Ich frage mich oft: Müsste man nicht was Soziales tun? Wenn ich das Gespräch darauf bringe, sagt immer jemand: „Aber du tust doch was für die Menschen.“ Damit beruhige ich mich dann wieder (lacht).

Was wollten Sie denn als Kind werden?

Bäumer: Tänzerin, Malerin oder Pilotin – allein schon wegen der Geschwindigkeit. Aber das hätte ich nie werden können, dazu bin ich zu kurzsichtig.

Link: Früher wollte ich irgendwas mit Tieren machen. Das habe ich mir zum Teil damit erfüllt, dass ich so viele Haustiere habe.

Bäumer: Mein schlimmstes Erlebnis in den letzten zwei Jahren war, als ich unsere drei Haustiere in Gastfamilien untergebracht habe, unseren Border Collie und zwei Kater. Aber den Tieren zuliebe war es das Richtige. Ich habe sie nach Hamburg mitgenommen, nach Frankreich und wieder zurück, und diesmal haben sie sich entschieden hierzubleiben (lacht). In Frankreich hatte ich ein Pferd, auch das habe ich mangels Zeit und Versorgung abgegeben. Sie könnten ja einfach gemeinsam eine Tierpension eröffnen!

Link: Perfekt. Ich könnte schreiben und mich um die Tiere kümmern, und Marie könnte reisen.

Mögen Sie privat die Konfrontation, oder gehen Sie Streitigkeiten aus dem Weg?

Bäumer: Ich bin eher der Maulwurf-Typ: Ich grabe so lange, bis ich was finde (lacht). Ich scheue keine Auseinandersetzung – solange sie lösungsorientiert ist. Es gibt ja Menschen, die sich ständig aneinander reiben müssen. Das ist mir zu anstrengend. Die Extreme habe ich bei der Arbeit, zu Hause mag ich es entspannt und harmonisch. Man muss auch mal locker lassen.

Link: Ich nehme ja herrenlose Hunde auf, die alt, krank oder beides sind. Das ist nur zu schaffen, weil mein Mann mitzieht. Allerdings meinte er jetzt ganz klar: „Beim nächsten Hund lasse ich mich scheiden!“ Das hat er beim letzten aber auch schon gesagt.

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