
Von Lungenentzündung bis Luftnot: Diese Auswirkungen können Älteren bei einer RSV-Infektion drohen
Husten, Schnupfen, Halsschmerzen: Meistens führt eine RSV-Infektion im Erwachsenenalter zu solchen milden, erkältungsähnlichen Symptomen. Ältere Menschen ab circa 60 sollten den Erreger aber nicht auf die leichte Schulter nehmen – insbesondere, wenn zusätzlich bestimmte Vorerkrankungen bestehen. Denn: Bei diesen Personen kann es zu schweren Infektionen mit Komplikationen wie einer Lungenentzündung kommen.
Laut Prof. Dr. Trinkmann werden die möglichen Folgen einer RSV-Infektion im Alter in der Bevölkerung jedoch unterschätzt. Der Lungenfacharzt betont: „Ältere Menschen mit Vorerkrankungen wie einer Lungenerkrankung oder Herz-Kreislauf-Erkrankung müssen sich darüber im Klaren sein, dass das Risiko für schwere Krankheitsverläufe bei ihnen deutlich erhöht ist.“ Das liegt laut dem Experten daran, dass das Immunsystem im Alter nicht mehr so gut funktioniert und Vorerkrankungen, die mit dem Alter einhergehen, die Abwehrkräfte zusätzlich schwächen können.

Prof. Dr. Frederik Trinkmann
Hinzu kommt, dass eine schwere RSV-Infektion bestehende Vorerkrankungen wie chronische Lungenerkrankungen langfristig verschlechtern kann. Dazu zählen etwa Asthma und die chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD). „Beispielsweise tritt zusätzlich Luftnot auf. Die Lungenfunktion kann zum Beispiel dauerhaft beeinträchtigt sein und nicht mehr ihren Ausgangswert erreichen“, so Prof. Dr. Trinkmann.
Krankenhausaufenthalt bei RSV-Erkrankung: Was auf Betroffene zukommen kann
Bei einer schweren Infektion kann bei älteren Menschen mit chronischen Lungenerkrankungen ein Krankenhausaufenthalt nötig sein. Wie lange Betroffene dann in der Klinik betreut werden müssen, lässt sich nicht pauschal beantworten. Prof. Dr. Trinkmann erläutert: „Bei vorerkrankten Personen ist häufig ein einwöchiger Krankenhausaufenthalt nötig. Kommt es zu Komplikationen wie einer bakteriellen Infektion, verlängert sich der Aufenthalt.“
Was viele Menschen laut dem Fachmann unterschätzen: Eine Krankenhausbehandlung kann eine enorme mentale Belastung darstellen. „Für viele ist das eine Extremsituation, nicht nur medizinisch, sondern auch emotional. Wir müssen Patienten mit einer RSV-Infektion in der Klinik isolieren, da es sich um einen hochansteckenden Erreger handelt“, berichtet der Lungenfacharzt, und fährt fort: „Diese Maßnahme macht viele Dinge sehr unpersönlich und Betroffene sind emotional mehr oder weniger auf sich allein gestellt.“ Der menschliche Kontakt sei auf ein Minimum reduziert, was bei Patienten zum Beispiel einen Zustand der Verwirrtheit auslösen könne.
Vorbeugung ist entscheidend: Diese Schutzmaßnahmen sollten Risikogruppen kennen
Die gute Nachricht: Risikogruppen sind dem Virus und seinen Gefahren nicht schutzlos ausgeliefert. Da es derzeit keine gezielten Behandlungsmöglichkeiten gibt, ist Vorbeugung der entscheidende Hebel. Prof. Dr. Trinkmann erklärt: „Eine wichtige Schutzmaßnahme ist das Einhalten der allgemeinen Hygienemaßnahmen. Das bedeutet, dass man sich zum Beispiel vor jeder Nahrungsaufnahme oder Berührung des Gesichts gründlich die Hände wäscht und bestenfalls desinfiziert.“
Ein weiterer wichtiger Baustein zum Schutz vor RSV im Alter ist die Impfprävention. „Eine RSV-Impfung kann die Folgen einer RSV-Infektion abwenden oder deutlich abmildern“, bestätigt Prof. Dr. Trinkmann. Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt die Impfung für Menschen ab 60 Jahren, die mit bestimmten schweren Vorerkrankungen oder in einer Pflegeeinrichtung leben. Zudem rät die Kommission allen Personen ab 75 zur Schutzimpfung. Prof. Dr. Trinkmann betont: „Besonders Menschen mit Vorerkrankungen sollten diese Schutzoption auf jeden Fall nutzen. Dann hat man aus meiner Sicht schon sehr, sehr viel getan, was die Prävention angeht.“
Quellen
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