Reisebericht Inseltrip nach Ko Yao Yai

"Wiedersehen mit meiner alten Liebe." Nach zehn Jahren kehrt FÜR SIE Autorin Verena Lugert zurück nach Asien und probiert es aus, mit dem Rucksack durch Asien reisen.

 

Ich will auf eine kleine Insel – nach Ko Yao Yai, zwischen Phuket und Krabi gelegen. An der Bang-Rong-Pier warte ich auf die Fähre, die mich dorthin bringen soll. Ich spüre eine Leichtigkeit, als ich meinen Rucksack auf die Pier werfe, freue mich drauf, nicht zu wissen, wo ich heute Nacht schlafen werde, fühle mich frei. Boote dümpeln im seichten Wasser, die Luft steht. Dann kommt die kleine Fähre schließlich, wir fahren durch das faszinierende Türkis der Andamanensee. Wie Geisterfinger, wie Feenschlösser ragen die Kalksandsteinfelsen verwirrend bizarr aus dem Wasser. Es ist ein Lummerland-Archipel, verzaubert und wunderschön.

Im Dunst der Abendsonne erreiche ich die Insel. Kleine Pensionen liegen inmitten von Palmen und Dschungelgrün, und die ersten Düfte von gebratenem Knoblauch, von Ingwer, Sojasoße und Zitronengras steigen auf. Ich esse im „Café Heimat“ eine Tom-Yum-Suppe. Sie wird von Yamalia serviert, die mit mir Deutsch redet. Sie ist hier auf der Insel geboren, lebte später 15 Jahre in Südtirol, wo sie in einem Spa gearbeitet hat. Sie spricht Italienisch, Deutsch und Englisch, hat gut verdient in Europa, zwei Kinder geboren – doch irgendwann wurde das Heimweh zu groß, sie kam wieder zurück. Yamalia hat ihren Traum verwirklicht: Auf Ko Yao Yai hat sie ein Guesthouse und ein Restaurant eröffnet. Sie ist glücklich mit ihrem Leben. „Ich habe in Südtirol viel mehr verdient. Aber auch viel mehr ausgeben müssen. Hier brauche ich nicht viel, ich muss viel weniger arbeiten. Ich pflege meine Blumen, koche, wenn Gäste da sind, und wenn keine Gäste da sind, ist es auch recht. Dann habe ich Zeit für meine Familie. Mir kommt mein Leben so viel gesünder und ausgeglichener vor als in Europa“, sagt sie.

Ein Häuschen aus Bambus mit Terrasse und einer Petroleumlampe –meine Bleibe. Es raschelt und zirpt. Ein Gecko wagt sich heran und richtet die Echsenaugen auf die Moskitos, die um den Lampenschein kreisen. Blitzartig schnellt seine Zunge hervor. Ein weißgelber Vollmond bescheint die Felsen, die aus dem Wasser ragen. Ich gehe ans Wasser, lege mich in eine Hängematte, vergrabe die bloßen Füße im Sand. Über mir leuchten die Sterne, heller und anders als daheim. Ich schaukle sanft hin und her, die Brandung rauscht leise, über den Sand huscht ein Krebs. Und mir ist kurz, als würden die letzten zehn Jahre in sich zusammenschmelzen. Als würde ich in meine Vergangenheit hinabtauchen und sie hoch holen, gebündelt in diesem einzigen, glitzernden Moment.

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Verena Lugert