18. September 2012
Robert Betz über Liebe und Partnerschaft

Liebe und Partnerschaft

Warum soll der andere einen lieben, wenn man es selber nicht mal tut? Und: Warum bestimmte Erwartungshaltungen unweigerlich zu Enttäuschungen führen.

Möchten Sie lieber lesen, was Robert Betz zu sagen hat? Wir haben seine Worte für Sie mitgeschrieben.

Liebe und Partnerschaft: Warum die Beziehung zwischen Mann und Frau oft nicht gelingt

Von einer Beziehung, einer Partnerschaft, ob Ehe oder ohne Trauschein, erwarten sich viele Männer und Frauen eine ganze Menge und ich meine, ein bisschen viel, ein bisschen zu viel. Denn nach den Wünschen der beiden soll der andere ihnen alles mögliche liefern: Sicherheit, ökonomische Sicherheit oft, emotionale Sicherheit, eine erfüllte Sexualität, er soll guter Zuhörer sein und vieles mehr. Aus meiner Sicht wird hiermit eine Beziehung von vornherein oft überfrachtet, mit Erwartungen und Wünschen an den anderen. Dazu kommt, dass die beiden sich oft selbst noch gar nicht richtig lieben, wertschätzen und mögen, heißt: Sich selbst ein guter Freund eine gute Freundin sind. Frage: Wie sollen Zwei, die sich selbst nicht lieben, miteinander in Glück und Harmonie leben können? Hier ist die Aufgabe ersteinmal selbst Frieden und Harmonie in mir zu schaffen und zu schauen, wie komm ich dort hin, wie komm ich zur Selbstliebe, wer sich selbst nicht liebt, der kann nicht erwarten, dass ein anderer Mensch auf Dauer ihn respektiert und liebt und würdigt. Wir haben bei diesem Thema eine Reihe von Irrtümern in den Köpfen von Männer und Frauen, die zu Enttäuschunge führen. Heißt, hier wird sich vorher getäuscht, obwohl diese Täuschungen natürlich nicht bewusst sind, und ich möchte diese Täuschungen, namens Irrtümer, ein wenig erläutern.

Ich brauche (k)einen Partner um glücklich zu sein

Der erste große Irrtum heißt: "Ich brauche einen Partner". Hören wir nur rein, in das Wort "brauchen". Hier wird schon der Mangel deutlich, aus dem Bewusstsein des Mangels heraus geh ich auf einend anderen zu und hoffe, du mögest doch diesen Mangel bitte in mir abstellen, mach mich bitte glücklich. Das geht auf deutsch immer in die Hose, denn derjenige, der glaubt, einen anderen Partner zu brauchen, der wird ihn auch immer missbrauchen, durch sein unbewusstes Verhalten. Er versucht seine Bedürfnisse über den anderen zu befriedigen, ohne dass er sich selbst das schenkt, was der andere ihm schenken soll. Das ist eine Notgemeinschaft. Ich nenne sie immer eine Gemeinschaft zweier Bettler, die zusammenkommen, dem anderen in die Tasche greifen und sagen: "Oh, du hast ja auch nichts.".

Weiterer Irrrtum, eine weitere Täuschung am Beginn einer Beziehung ist oft die, dass der andere mich glücklich machen soll. Die Erwartung "Bitte mach du mich glücklich!", hängt sehr eng zusammen mit dem "Ich brauche einen Partner" aber wir dürfen hier erkenne, dass der Einzige, der dich glücklich machen kann, du bist und kein anderer. Diese Erwartung ist zu hoch an den Partner, darum ist die Aufforderung an jeden Partner zu sagen "Ich sorge erstmal selbst für mich und zwar allerbestes. Ich mach mich selbst zu meinem Freund zu meiner Freundin." .

Jeder sollte seinen eigenen Weg gehen

3. Irrtum: "Je mehr Nähe und Gemeinsamkeit gelebt wird, desto größer wird die Leidenschaft sein". Auch hier irren sich die Menschen, die mit dieser Erwartung in eine Partnerschaft gehen und sagen "Lass uns ganz viel zusammenmachen und lass es uns ganz eng zusammen machen.", das geht dann eine Zeit lang gut, ich nennen die Zeit der hormonstörenden Verliebtheit, aber nach einigen Monaten schon oft, führt das zu einem Gefühl der zu großen Enge, denn wenn Frau und Mann so eng aufeinander klatschen, wie man sagen könnte, dann haben die keinen gesunden Abstand mehr. Sie verlieren das Bewusstsein, wer sie wirklich sind. Wenn wir in eine Partnerschaft gehen, gehen wir immer drei Wege als Paare: Er geht seinen Weg, bitte, sie geht ihren Weg und gemeinsam gehen sie einen dritten Weg. Viele glauben aber, wenn ich einen Partner finde, den richtigen Partner natürlich finde, dann gebe ich meinen Weg auf, er oder sie gibt ihren Weg oder seinen Weg auf und dann gehen wir einen einzigen, gemeinsamen Weg und auch das führt zu Enttäuschung und Scheitern. Du hast die Aufgabe deinen ganz eigenen Weg als Frau oder Mann weiterzugehen, denn nur dann weißt du, wer du bist, nur dann können sich zwei Menschen begegnen, auf Augenhöhe, und sagen: "Wollen wir zusammen etwas erfahren? Und wollen wir den Tanz der Liebe tanzen?".
Eine Beziehung, die beide Menschen glücklich machen soll, braucht also Abstand. Einen gesunden Abstand zwischen Mann und Frau, damit jeder weiß, wer er ist und was ihn selbst glücklich macht, heißt, was ihm Freude macht. Zeiten für mich allein sind dringen notwendig, damit ich wieder zum Partner kommen kann, nachdem ich etwas erfahren hab, in meiner Arbeitswelt oder mit anderen Freunden und dann komme ich zu ihm / zu ihr zurück und begegne ihm oder ihr wieder. Diese Begegnung ist immer neu, heißt, eine Beziehung läuft in der Begegnung so, dass sie auseinander gehen in ihre Arbeitswelt oder zu anderen Menschen, zurückkommen, sich neu begegnen, austauschen und dann wieder auseinander gehen und wieder ihre Erfahrungen machen. Der Mann macht seine Erfahrung auf seine männliche, die Frau auf ihre weibliche Weise und sie begegnen sich immer wieder als neue Menschen. Dieser, immer wieder hergestellte, Abstand in dieser Bewegung hält eine Beziehung frisch und lebendig.

Jede Beziehung, ob gescheitert oder intakt, besitzt einen großen Wert

Und ein weiterer ganz wichtiger Irrtum lautete: "Eine ideale Beziehung sollte ein Leben lang halten". Und jeder von uns weiß, wie oft dieser Gedanke schon zu Enttäuschung geführt hat, denn die meisten Beziehungen halten eben nicht ein Leben lang. Egal ob eine Beziehung 2 Jahre, 10 Jahre oder 20 Jahre hält, jede Beziehung, so sagt mein Herz, hat ihren ganz eigenen Wert und will gewürdigt werden. Und ich muss immer ein bisschen lächeln, wenn Menschen, die nach 15 Jahren auseinander gehen sagen: "Ja, unsere Beziehung ist gescheitert.", ich sage: "Hier ist nichts gescheiter, Sie haben 15 Jahre eine intesive Beziehung zu einem Mann / einer Frau gehabt und diese Erfahrung über 15 Jahre, oft verbunden mit Kindern, möchte gewertschätzt und gewürdigt werden, sonst werden wir diese 15 Jahre abreißen; wir werfen sie in den Papierkorb.", darum schauen Sie nocheinmal hin, auf die Zeiten mit einem Partner oder einem Expartner, die bis heute noch nicht gewürdigt werden, in Ihrem Denken und ehren und würdigen Sie sich, Ihren Expartner und die mit ihm gemachten Erfahrungen und erschaffen so Frieden in sich .

Und, haben Sie Ihre Beziehung auch überfrachtet? Robert Betz hat noch mehr Tipps auf Lager, wie sie Denk-Irrtümern und Vorurteilen auf die Schliche kommen können.

Infos und weitere Videos von Robert Betz finden Sie hier.

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