Gute Vorsätze Jetzt pack ich es an!

Mehr Sport, weniger Plastik oder einfach mal wieder ein Buch lesen – ständig fassen wir gute Vorsätze, die wir nicht durchhalten. Die Expertin Michaela Brohm-Badry verrät unserer Autorin Miriam Meißner im Interview, wie es klappt.

Frau Glückseligkeit - Nur 3 Sekunden braucht das Glück Jetzt pack ich es an! © GeorgeDolgikh/ iStock/ Thinkstock

Seit Wochen steht sie in der Ecke und verhöhnt mich: meine pinke Yogamatte. Immer wenn ich am Morgen aufwache, weil mein Rücken zwickt, sieht sie ihre Zeit gekommen. Gut, dass PVC geduldig ist. Nur ich verliere langsam die Beherrschung. Wann ziehe ich den Vorsatz „tägliche Rückenübungen“ endlich durch? Aus Verzweiflung suche ich mir Leidensgenossinnen und gründe eine WhatsApp-Gruppe. Mitgehangen, mitgefangen, denke ich. Seitdem schickt jede ein glückliches Emoji, sobald sie die kleine Sporteinheit absolviert hat – und meine Yogamatte und ich kommen wieder gut miteinander aus. Lernforscherin und Motivationsexpertin Professorin Dr. Michaela Brohm- Badry (56) wundert das nicht. In unserem Interview verrät sie, wie wir am besten durchhalten.

Michaela Brohm-Badry

Expertin Michaela Brohm-Badry forscht über Motivation.

Frau Brohm-Badry, warum war diese WhatsApp-Gruppe meine Rettung?

Es gibt Motivationsforscher, die davon ausgehen, dass das Wich­ tigste für einen Menschen, der sich oder etwas bewegen will, sein Umfeld ist. Wenn wir Partner oder Freunde um uns haben, die uns positiv bestärken und Energie geben, fällt es leichter, selbst voller Energie zu sein. In den USA sind sogenannte Mastermind­-Gruppen gerade ziemlich angesagt. Da treffen sich Menschen mit ver­schiedenen Ideen und Vorha­ben und unterstützen sich ge­genseitig bei der Zielerreichung.

Wieso ist Motivation so wichtig?

Motivation kommt vom lateini­schen „movere“ und bedeutet so viel wie „sich bewegen“. Moti­vation ist DIE positive Lebens­energie, die uns dazu befähigt, Handlungen zu vollbringen, Projekte und Ideen zu verfol­gen – also anzufangen, dranzu­bleiben und abzuschließen.

Verspürt jeder Mensch die gleiche Motivation?

Jeder möchte wachsen, das treibt ihn an. Was ihn motiviert, ist aber sehr individuell. Wir sprechen von drei großen Moti­ven: Es gibt diejenigen, die so­ zial anschlussmotiviert sind. Sie handeln, damit sie in der Gemeinschaft akzeptiert, wert­ geschätzt und geliebt werden. Dann gibt es diejenigen, die aus einem Machtmotiv heraus han­deln. Sie wollen führen, Projekte gestalten und sich durchset­zen. Die dritte Gruppe hingegen ist sehr stark leistungsmoti­viert und will besser sein, als sie gestern noch war, sich selbst also stetig weiterentwickeln. 

Inwieweit kann uns diese Einordnung helfen?

Man sollte seine Vorsätze an seine Motive anpassen. Sich also fragen: Warum will ich mehr Sport treiben? Damit ich attraktiver bin oder mit ande­ren beim Sport zusammen sein kann? Das wäre typisch an­ schlussmotiviert. Oder weil ich besser sein will als meine Konkurrentin? Das wäre dann ein Machtmotiv. Vielleicht stei­ gert das neue Wohlbe­finden aber auch meine Leistungsfähigkeit, man möchte etwas dabei lernen? Dann sind wir bei Typ drei. Es ist also essenziell, das "Warum" zu klären, um motiviert bei der Sache zu bleiben.

Warum fällt uns das oft schwer?

Wir machen langfristig nur Dinge, die wir innerlich wertschätzen, für sehr wichtig halten. An denen bleiben wir lang­fristig dran. Wir sollten bei gesteckten Zielen also versu­chen, die Wichtigkeit für uns zu erhöhen. Und wir verleihen Dingen mehr Gewicht, indem wir die Aufmerksamkeit darauf richten, uns mit ihnen intensiv beschäftigen, sie häufiger tun.

Was kann mir dabei helfen?

Bei Vorsätzen geht es darum, eine Vorstellung von einer positiven Zukunft zu haben. Daher ist es ganz gut, sich in Gedanken ein Bild von dem zu machen, wo wir hinwollen. Außerdem sind Erfolgserleb­nisse enorm wichtig. Sie führen zu positiven Erwartungen hin­sichtlich unserer eigenen Wirk­samkeit und zu positiven Ge­fühlen. Daraus resultiert eine Offenheit des Geistes. Wir spü­ren, was alles möglich ist.

Wie ist es mit Zielen, die mich nicht unmittelbar betreffen, wie die Natur zu schützen. Ist es schwieriger, solche zu erreichen?

Im Gegenteil. Das ist die höchste Sinnkategorie, die ein Mensch haben kann: etwas beitragen zum großen Ganzen, zum Er­halt der Welt, zur Verbesserung der Gesellschaft. Wenn wir das Bewusstsein haben, dass das, was wir tun, weit über uns hinausgeht, verschafft uns das ein starkes Sinnerleben. Warum fällt es uns so schwer, etwa auf Plastik zu verzichten? Eine Sache fehlt oft bei den Zie­len für das große Ganze – das ist die Rückmeldung, dass das, was wir tun, auch wirklich Fol­gen hat und funktioniert. Wir erleben selten, dass wir als ein­zelner Mensch Fortschritte ma­chen. Deswegen wäre es auch wichtig für die Politik oder Umweltorganisationen, Rückmeldung zu geben, sobald sich ein Wert tatsächlich verbessert. So sehen wir die positiven Veränderungen, die wir verantworten. Und das macht uns glücklich. 

 
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