Chefinnensache: Mitarbeiter clever führen

Etwa 39 Prozent der Existenzgründungen in Deutschland wurden im Jahr 2016 von Frauen angestoßen. Inzwischen dürfte sich diese Quote sogar erhöht haben. In einer Wirtschaftswelt, die nach wie vor als Männerdomäne gilt, haben es Unternehmerinnen jedoch nicht leicht. Wer sich jedoch auf feminine Qualitäten besinnt und seine Mitarbeiter flexibel und empathisch führt, hat langfristig betrachtet die Nase vorn. Fünf Tipps für Chefinnen:

Business-Look Mitarbeiter clever führen © Robert Kneschke - Fotolia.com

1. In Teambuilding investieren

Die Stärke eines Unternehmens lässt sich nicht nur anhand von Zahlen messen, sondern auch daran, wie innovativ, effizient und gemeinschaftlich alle Mitarbeiter zusammenwirken. Teambuilding ist daher keine Nebensächlichkeit, sondern heutzutage unbedingt notwendig. Oft nämlich zeigt sich in der Unternehmenswelt, dass es um die innere Verbundenheit schlecht bestellt ist und Teams lediglich durch äußere Einflussfaktoren zusammengehalten werden. Das aber ist problematisch, denn nur in einem starken Team sind Mitarbeiter dazu in der Lage, flexibel aufeinander einzugehen, die Stärken des anderen zu erkennen und Schwächen aufzufangen.

Als Unternehmerin, ganz gleich ob kurz nach dem Start in die Selbständigkeit oder Jahre später, sind Ausgaben in teambildende Maßnahmen aus diesem Grund eine sinnvolle Investition. Wie sich das konkret gestaltet, obliegt ganz der Unternehmerin und ihren Vorstellungen. Vom gemeinsamen Essen über sportliche Aktivitäten bis hin zum regelmäßigen Besuch von kulturellen Veranstaltungen oder Workshops ist nahezu alles möglich. Wer clever ist, bezieht seine Mitarbeiter in den Prozess ein und fragt sie, welche Maßnahmen ihnen am besten gefallen. So wird sichergestellt, dass auch wirklich alle mit Freude bei der Sache sind und das Event genießen.

2. Wertschätzung zeigen

Ein Grund für mangelnde Motivation im Job ist das Gefühl, vom Vorgesetzten oder Unternehmensinhaber nicht wertgeschätzt zu werden. Das kann sich zu einem ausgewachsenen Problem entwickeln, den unmotivierte Mitarbeiter leisten grundsätzlich weniger, sind anfälliger für Fehler und nicht bereit, für ihren Arbeitgeber die berühmte „Extrameile“ zu gehen. Laut einer Umfrage sind 33 Prozent der deutschen Arbeitnehmer entweder teilweise oder gar nicht engagiert bei der Arbeit. Auf das eigene Unternehmen umgerechnet, könnte also jeder dritte Angestellte nicht motiviert genug sein, um gute Leistungen zu erbringen.

Wertschätzung gilt als beliebtes Instrument, um Mitarbeitern zu mehr Motivation zu verhelfen. Das beginnt schon im Kleinen mit einem aufbauenden Lächeln, einer Frage nach dem persönlichen Wohlbefinden und einem unerwarteten Lob. Ebenfalls wertvoll kann es sein, Mitarbeiter hin und wieder zu überraschen und ihnen für ihre Leistungen zu danken. Geschenke für Kolleginnen und Kollegen zu verteilen, bietet sich beispielsweise an deren Geburtstag, zu anderen Festen oder auch beim Erreichen eines besonderen Meilensteins an. Auf diese Weise erkennen alle Mitglieder des Unternehmens, dass ihr geleisteter Beitrag nicht als selbstverständlich wahrgenommen, sondern sehr geschätzt wird.

3. Hierarchien überdenken

Noch vor einigen Jahren galten straffe Hierarchien in Unternehmen als optimal. Entscheidungs- und Weisungsbefugnis, die abhängig von der Position eines Mitarbeiters im Unternehmen ist, kann jedoch problematisch sein. Wer immer nur Anweisungen befolgen muss, nicht aber eigenständig an Aufgaben und Lösungen arbeiten darf, verliert schnell den Bezug zur eigenen Tätigkeit. Infolgedessen leidet das persönliche Kreativitätspotenzial und die Bemühungen, etwas zu bewirken, verringern sich deutlich. Flachere Hierarchien und sogenanntes agiles Management sind daher heute zu wichtigen Schlagworten geworden, die auch Unternehmerinnen kennen sollten.

Gerade Agilität kann ein Unternehmen sehr viel handlungsfähiger, innovativer und wettbewerbsfähiger machen: „Agilität ist eine Führungsdisziplin. Es geht darum, Gruppen von Menschen im Unternehmen dazu zu befähigen, gemeinsam, selbstständig und frühzeitig die Notwendigkeit für einen Richtungswechsel zu erkennen.“ (Quelle: https://www.welt.de/wirtschaft/bilanz/article177398860/Unternehmensfuehrung-So-funktioniert-Agiles-Management.html) Da sich die Wirtschaftswelt schnell verändert, können Führungskräfte und Unternehmerinnen nicht länger auf ihre alleinigen Fähigkeiten setzen. Auf die Expertise und das Potenzial eigenes Mitarbeiter zu vertrauen und ihnen eigenständige Entscheidungen möglich zu machen, hat vielerlei Vorteile. So wird die Führungsebene entlastet, während Angestellten eine größere Verantwortung übertragen wird. Der Grad an genutzter und nutzbarer Kompetenz steigert sich hierdurch erheblich.

4. Individualität betonen

Dieser Punkt steht in enger Verbindung zu Wertschätzung und agilem Management. Immerhin möchten Angestellte nicht nur geschätzt und mit Verantwortung bedacht, sondern auch als Mensch gesehen werden. Schon in kleinen Unternehmen mit weniger als zwanzig Mitarbeiterin kann sich die Rücksichtnahme auf individuelle Wünsche, Bedürfnisse und Interessen deutlich auf das wirtschaftliche Vorankommen auswirken.

Fachfremde Weiterbildung zu ermöglichen und Wünsche nach einem Positionswechsel oder neuen Aufgaben zu berücksichtigen, fällt vielen Unternehmen auch heute nicht immer leicht. Die Furcht davor, durch individuellen Wechsel unbesetzte Stellen zu generieren, ist groß. In Wirklichkeit aber gilt: Nur wer glücklich in seinem Job ist, bleibt leistungsfähig. Oft verbergen sich wahres Talent und Expertenwissen in den Bereichen, die einen Menschen nicht nur beruflich, sondern auch privat interessieren. Warum also nicht einmal eine interne Umfrage starten und alle Angestellten darum bitten, ihre wichtigsten, noch unerfüllten Wünsche zu nennen. Sicherlich findet sich in den meisten Fällen ein Weg, diese zu berücksichtigen. Langfristig betrachtet werden im eigenen Unternehmen dann nur noch Angestellte arbeiten, die ihren Job und nahezu alle damit verbundenen Aufgaben lieben.

5. Vertrauenswürdige Ansprechpartnerin sein

Eine Vorgesetzte, die sich nicht für ihre Mitarbeiter interessiert und deren persönliche Bedürfnisse ignoriert, sammelt keine Sympathiepunkte. Im schlimmsten Fall kann es sogar zu zerstörtem Vertrauen kommen, wenn Informationen, die unter vier Augen geteilt wurden, bei einem Meeting in größerer Runde ausgeplaudert werden. Hierbei kann es sich um eine noch frühe Schwangerschaft, eine Trennung oder auch psychische Probleme handeln. Wer sich an seinen Chef wenden und sicher sein kann, dass dieser alle Informationen für sich behält, wird sich im Unternehmen erheblich wohler fühlen.

Von Unternehmerinnen wird also zusätzlich zu den bereits genannten Punkten erwartet, dass sie sich nicht nur im beruflichen Kontext für ihre Mitarbeiter einsetzen, sondern auch in privaten Dingen ein offenes Ohr haben. Natürlich sollten hier klare Grenzen setzen, denn zum „Kummerkasten“ zu werden, frisst zeitliche Ressourcen aus und kann sogar den Respekt der Mitarbeiter verwässern. Die richtige Balance also liegt in einem freundschaftlichen Verhältnis, das dennoch Konsequenz zulässt. So sind Angestellte nicht beleidigt, wenn es nach einem vertrauensvollen Gespräch dennoch zu Kritik kommt.