Plötzlich Leih-Mutter Ferien müssen mit der Exfrau abgesprochen werden

Wenn es den neuen Partner nur im Paket mit Kindern und Exfrau gibt: Wer sich, wie FÜR SIE-Autorin Alexandra Dresche, für einen geschiedenen Vater entscheidet, fragt sich oft, ob das Ganze nicht doch eine Mogelpackung ist.

„Der Zeitraum, der von Zweitfamilien benötigt wird, um zu einer glücklichen Gemeinschaft zusammenzuwachsen, beträgt oft mehrere Jahre. Bis dahin gibt es viele Phasen, in denen beide Partner davor stehen, die Koffer zu packen – und das nicht, um in den Urlaub zu fahren“, sagt Früh-Naumann. Vor allem die Tatsache, dass die neue Frau mit ihrem Partner etwas Eigenes aufbauen will, die Vergangenheit des Mannes aber die Gegenwart bestimmt, belastet die Beziehung. Ferien müssen mit der Exfrau abgesprochen werden, und viele Männer können sich kein weiteres Kind leisten. Entscheidungen, die die neue Frau wenig beeinflussen kann – genauso wenig wie die Erziehung, denn den Kindern gegenüber hat sie laut Gesetz keine Rechte. Wir hatten Glück: Der finanzielle Rahmen lässt Raum zum Atmen, mein Partner kann sich noch ein Kind vorstellen, seine Frau und er haben sich friedlich getrennt, und die Kinder sind gut erzogen.

Dennoch: Seine Jungs erinnern mich daran, dass er schon mal geküsst wurde – nicht nur kurz, sondern lang und intensiv. Wenn er im Urlaub das Handy wegen seiner Familie anlässt und er abends noch mit der Exfrau spricht, da ihr Fernseher kaputt ist, kann ich die Eifersucht nicht unterdrücken. Eigentlich liebe ich ihn dafür, dass er fürsorglich ist, doch in solchen Momenten frage ich mich: Bin ich als Frau Nummer zwei wirklich seine Nummer eins? „In einer jungen Beziehung ist es typisch, dass sich Zweitfrauen ihrer Bedeutung für den anderen noch nicht sicher sind“, so die Expertin. „Zumal sie sich ihren Mann als Partner gesucht haben, mit hohen Erwartungen an emotionale Exklusivität. Das Gefühl, dem anderen wichtig zu sein, nährt eine Partnerschaft. Durch die Kinder gerät es regelmäßig aus dem Gleichgewicht.“

Heute, nach zwei Jahren, versuchen wir, dieses Gefühl stabil zu halten. Wir nehmen uns an den kinderfreien Tagen extra Zeit für uns. Und wir machen an Wochenenden nicht mehr einen auf „normale Familie“, weil wir keine normale Familie sind. Die drei verbringen auch Zeit für sich, ohne dass ich dabei sein muss. Und wenn wir doch zu viert unterwegs sind, merke ich immer mehr, dass das Leben auch mit seinen Kindern schön sein kann: Neulich sollten sich die Jungs auf dem Spielplatz beschäftigen. Adrian setzte seinen Schmollmund auf, schaute mich an und den Mann, den ich liebe, und sagte: „Ich will aber was mit euch machen!“ Ich dachte: Das mit uns, das kann doch was werden.

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