Plötzlich Leih-Mutter 2007 wurden 190 000 Ehen geschieden

Wenn es den neuen Partner nur im Paket mit Kindern und Exfrau gibt: Wer sich, wie FÜR SIE-Autorin Alexandra Dresche, für einen geschiedenen Vater entscheidet, fragt sich oft, ob das Ganze nicht doch eine Mogelpackung ist.

„Ich weiß gar nicht, was du hast“, sagt meine Freundin Kirsten, „du wusstest doch, auf was du dich einlässt.“ Statistisch gesehen vielleicht. Die Chance, einen Mann zu treffen, der mehr als nur seine Marotten mit in die Beziehung bringt, nimmt mit steigendem Alter zu. 2007 wurden in Deutschland 190 000 Ehen geschieden, die Hälfte der Paare hatte Kinder. Und das Bundesfamilienministerium sagt, dass geschiedene Männer zwischen 35 und 49 im Vergleich zu geschiedenen Frauen häufiger und schneller wieder eine feste Bindung eingehen – und das vermehrt mit jüngeren kinderlosen Frauen.

Die bekommen gleich das volle Programm: Noch ehe sie das Glück der Zweisamkeit richtig begreifen, sind sie schon mindestens zu dritt. „Andere Paare lernen sich in Ruhe kennen und bereiten sich auf ein Familienleben vor, die sogenannten Secondhand-Paare können das nicht“, sagt die Familienwissenschaftlerin Dr. Doris Früh-Naumann, die für ihre Forschung mit 150 Zweitfrauen gesprochen hat. „Die Kinder brechen die Struktur der Beziehung radikal auf: Während man sich sonst auf die gegenseitigen Bedürfnisse konzentriert, soll man zu Besuchszeiten eine Familie sein. Der Mann kann dabei auf seine Rolle als Vater zurückgreifen, die Frau muss ihre gegenüber den Kindern erst erwerben.“

Sich in einen Mann mit Kindern zu verlieben ist deshalb so, als würde plötzlich im Wohnzimmer ein Erwachsener mit zwei Knirpsen stehen und fragen: „Kannst du dich um die kümmern? Dein restliches Leben lang?“ Einen Fremden könnte man rauswerfen, den Liebsten bittet man, mit Anhang Platz zu nehmen – egal ob die Kinder unsympathisch sind oder man wenig Ahnung von Erziehung hat. Denn wenn man mit dem Nachwuchs nicht kann, kann der Mann mit einem selbst bald auch nicht mehr. Am Anfang dachte ich: Okay, er hat Kinder, aber das hat nichts mit uns zu tun.

Doch als wir zusammenzogen, sagte er: „Ich will, dass du dich mit ihnen beschäftigst.“ Also stand ich am Wochenende um sechs Uhr auf, sobald die Kleinen das Schlafzimmer stürmten, bespielte sie und versuchte, gegenüber dem Dreijährigen, der sich in der akuten Trotzphase befand, ständig herumbrüllte und abends nicht ins Bett wollte, ein positives Gefühl zu entwickeln. An den Montagen fiel mein Dauerlächeln ab, ich brachte die Wohnung wieder in Normalzustand und stritt mit meinem Partner. Er wollte Harmonie, ich unser Leben frei gestalten. Und während er aus müden Augen von drei schlechten Nächten strahlte, weil die Kinder morgens „Ich hab dich lieb“ sagten, schauten meine müden Augen wütend drein, weil sich die Jungs nicht mal von mir verabschiedet hatten.

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