Frau für gewisse Stunden „Es war ein Jet-Set-Leben"

Birgit ist 46 und arbeitet als Escort-Lady. In ihrem ersten Job war sie Erzieherin, in ihrem zweiten kümmert sie sich um einsame Geschäftsmänner und verdient ihr Geld mit, dem von ihr angebotenen, Begleitservice. Sie berichtet hier, von ihrem Leben, Sex und Prostitution.

Meine Tochter weiß nicht, womit ich mein Geld verdiene. Niemand weiß es. Sie alle denken, dass ich im Networkmarketing sehr gut verdiene. Und ich muss es ja auch niemandem auf die Nase binden. Diskretion ist nun mal das A und O in diesem Gewerbe. Ich habe Erzieherin gelernt. Ich weiß, wie man mit Kindern umgeht, und das hilft mir auch im Umgang mit Männern. Da gibt es erstaunliche Parallelen. Es geht immer um dasselbe: um ungeteilte Aufmerksamkeit und Wertschätzung. Eigentlich wollte ich mich damals weiterqualifizieren und Sozialpädagogik studieren. Doch dann lernte ich meinen Ex-Mann kennen, wurde schwanger. Ich blieb im Kindergarten, arbeitete einige Jahre in Teilzeit. Als meine Tochter aus dem Gröbsten raus war, habe ich für ein paar Jahre die Leitung einer Kindertagesstätte übernommen. Nach der Scheidung wurde das Geld knapp. Mein Ex-Mann gehörte zu der Sorte, die sich schnell aus ihrer Verantwortung stehlen, wenn das Band erst einmal zerrissen ist. Ich musste mehr Geld verdienen, fing an, Magnetschmuck und Nahrungsergänzungsmittel zu verkaufen. Das Geschäft lief bombig, dann machte die Firma pleite. Also musste ich mir etwas einfallen lassen. In meinen alten Job wollte ich auf keinen Fall zurück.

Ein Jet-Set-Leben

Heute muss ich sagen: Es war ein richtiges Jet-Set-Leben in meinen ersten zwei Jahren als Begleitdame. Alles neu und aufregend; ich verdiente so viel Geld wie nie zuvor. Verkehrte in Kreisen, die ich sonst nur aus Illustrierten kannte. Jetzt bin ich 46. Den Job kann ich nicht ewig machen. Und will es auch nicht. Nach vier Jahren ist der Zauber des Neuen verflogen. Und dann ist mir noch etwas dazwischengekommen. Ich glaube, ich bin verliebt. Nein, nicht in einen Kunden, Gott bewahre! Ich habe Robert auf einer Party kennengelernt. Vor knapp zwei Monaten. Zuerst war es nur ein Flirt, nichts Ernstes. Aber irgendwie hat er es geschafft, mein Herz zu berühren. Ich fühle das. Ich kann mich auf meine Kunden nicht mehr so einlassen. Meine Gedanken schweifen ab, wenn ich mit ihnen zusammen bin; ich bin angeödet von ihren Geschichten. Und wenn ich mit ihnen Sex habe, spüre ich einen Widerwillen. Ist das nur Überdruss? Oder vielleicht mein schlechtes Gewissen?

Es wird wohl Zeit, dass ich meine Prioritäten neu sortiere. Dazu gehört auch, dass ich meinem Herzen wieder genauer zuhöre. Das habe ich nämlich seit meiner Scheidung nicht mehr getan. Ich war verletzt, enttäuscht. Und musste kämpfen, damit meine Tochter und ich über die Runden kommen. Wer weiß, vielleicht wird dieser Job heute Abend mein letzter sein. Vielleicht aber auch nicht. Ich kann noch nicht sagen, ob es Liebe ist, was ich für Robert empfinde. Man stumpft ja auch emotional ab in diesem Beruf. Die Frauen, die sagen, das sei nicht so, die lügen. Es ist halb acht. Ich muss jetzt gehen. Wo ist mein Lippenstift?

 

 

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