Open-Source Saatgut aus Dortmund: David gegen Goliath? Sunviva – eine kleine Tomate gegen große Konzerne

„Pflanz doch, was du willst!“ Denkste! Der Saatgutmarkt ist fest in Hand einiger Konzerne. Das heißt: Deshalb findet man auch nur einige wenige Sorten im Supermarkt und der Gewinn dieser Konzerne ist beträchtlich. Auf Saatgut bzw. die Hybriden gibt es sogar Patente … Die Stadt Dortmund will ihre Tomate „Sunviva“ für alle zugänglich machen. David gegen Goliath?

Gelbe Tomaten Sunviva – eine kleine Tomate gegen große Konzerne © iStock

Wer besitzt des weltweite Saatgut?

Vor allem die Firmen Bayer, ChemCina und DowDuPont sollen die Samen besitzen, die weltweit auf Feldern und Äckern verstreut wird. Kurz auf den Punkt gebracht: Das Hybrid-Saatgut soll so gezüchtet sein, dass Bauern es ständig nachkaufen müssen, weil nach der ersten Aussaat sonst Ernteausfälle drohen. Somit wurde eine geschickte Abhängigkeit geschaffen, mit denen Landwirte an die Konzerne gefesselt werden. Vielfach sollen die Samen auch in Verbindung mit bestimmten Pestiziden verkauft werden, so dass die Abverkaufspirale perfekt funktioniert.

Dieses Problem soll sich in den letzten Jahren extrem zugespitzt haben: „Das Saatgut wurde vereinheitlicht. Es ist eine globale Massenware“, so Christian Nähle, Mitarbeiter der Klimaschutzstelle der Stadt Dortmund. Das Fazit: Wenn nur noch wenige Sorten angebaut werden, dann ist das der Tod für Sorten-Diversität. Auf der norwegischen Insel Spitzbergen lagern im Saatguttresor rund 900.000 Saatgutproben, die aber ständig durch den Permafrost bedroht sind. Man fragt sich: Was nützt einem die Vielfalt im ewigen Eis? Sie gehört auf die Äcker und Felder!

Dortmund setzt auf freies Saatgut für alle

Ein sogenanntes Open Source-Saatgut wurde jetzt in Dortmund kostenlos verteilt. Daraus gedeiht die Tomatenpflanze „Sunvia“, eine süße, gelbe Cocktailtomate. Sie steht unter Open-Source Saatgutlizenz, das heißt, diejenigen, die den Samen pflanzen, gehen einen Lizenzvertrag ein. Der Samen darf somit vermehrt und weiterentwickelt werden. Das ist sonst nicht möglich, weil sich die Global Player ihr Saatgut mit Patenten haben sichern lassen. Der Vorteil: Je nach Region kann die Sorte entsprechend den Klimabedingungen weiterentwickelt werden. „Wir wollen die biologische Vielfalt erhalten, weil das immer Resistenz bietet. Einheitliche Massenware passt nicht überall“, so Christian Nähle.  

Eines steht fest: Bei stetig wachsenden Bevölkerungszahl ist Saatgut nicht nur ein riesiges Geschäft, es bedeutet vor allem Macht. Man rechnet im Jahr 2050 mit zehn Milliarden Menschen auf dem Planten Erde – und die wollen alle satt werden.

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