Multiple Sklerose Die Krankheit trifft vor allem Frauen

Schauspielerin Selma Blair ist eine Betroffene von vielen: Wie rund 2,5 Millionen Menschen weltweit leidet sie an Multiple Sklerose (MS). Die Krankheit hat viele Gesichter und geht oft mit unsichtbaren Symptomen einher, die für Außenstehende nur schwer wahrnehmbar sind. Frauen erkranken doppelt bis vierfach so häufig wie Männer. US-Forscher aus Washington haben nun einen Verdacht, warum das so sein könnte.

Selma Blair Multiple Sklerose Die Krankheit trifft vor allem Frauen © Getty Images


Krankheit verläuft unterschiedlich

Selma Blair, bekannt aus „Eiskalte Engel“, ist kaum wiederzuerkennen: Sie kann nur mit Gehhilfe laufen, das Sprechen fällt ihr schwer. Ihr Instagram-Feed offenbart: An einigen Tagen geht es ihr besonders schlecht. Der Grund: Multiple Sklerose. 

„Die Krankheit verläuft bei jedem Betroffenen anders“, erklärt der Neurologe Professor Herbert Schreiber (62) von der Neurologischen Praxis Ulm. Häufig geht die chronische Autoimmunerkrankung mit Sehstörungen, Lähmungen, Spastiken und Taubheitsgefühlen einher. Manchmal kommt es wie im Fall der 46-jährigen Schauspielerin auch zu Sprachstörungen. 

Welt-MS-Tag macht auf unsichtbare Symptome aufmerksam

Viele Betroffene leiden zudem unter kognitiven Beeinträchtigungen: Extreme Müdigkeit, Konzentrationsprobleme sowie Gedächtnis- und Aufmerksamkeitsschwierigkeiten belasten den Alltag. Diese Symptome stehen auf den ersten Blick nicht mit einer chronischen Krankheit in Verbindung und werden daher als „unsichtbar“ bezeichnet. 

Diese kognitiven Schwächen sind für MS-Patienten häufig noch belastender als die motorischen Einschränkungen. Der diesjährige Welt-MS-Tag am 30. Mai steht deshalb unter dem Motto „Keiner sieht’s. Eine(r) spürt’s: MS – vieles ist unsichtbar“. Der Bundesverband der DMSG (Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft) möchte im Rahmen des Aktionstages die Öffentlichkeit und Angehörige für die verborgenen Belastungen sensibilisieren. 

Bei Multipler Sklerose wird Nervengewebe geschädigt

Der Grund für die Beschwerden: „Der Körper reagiert bei MS mit einer Abwehrreaktion gegen eigenes Nervengewebe“, so Professor Schreiber. Nerven werden nach und nach zerstört, sie können Impulse nur noch langsam oder gar nicht mehr weiterleiten. „Warum ein solcher Autoimmunprozess bei bestimmten Menschen ausgelöst wird, ist bisher unklar.“ 

Bislang vermuteten Experten genetische Veranlagung, Umwelteinflüsse oder auch Virusinfektionen wie Pfeiffersches Drüsenfieber im Kindes- und Jugendalter als Auslöser.

Eiweißmolekül könnte Grund für Erkrankung sein 

Forscher der Washington University School of Medicine sind der Ursache von MS auf den Grund gegangen und haben geschlechterspezifische Unterschiede im Gehirn entdeckt. Frauen weisen demnach höhere Werte des Eiweißmoleküls S1PR2 auf. Dieses Rezeptormolekül ist Teil der Blut-Hirn-Schranke, die reguliert, welche Stoffe ins Gehirn gelangen und welche nicht. Durch S1PR2 werden Immunzellen ins Gehirn geschleust. Die sind eigentlich für die Abwehr von Krankheitserregern zuständig, greifen bei MS aber Nerven an. Weil Frauen über mehr S1PR2 verfügen, steigt bei ihnen die Gefahr, dass fehlgesteuerte Immunzellen ins Gehirn gelangen. 

Die US-Wissenschaftler möchten weiter an S1PR2 forschen und mehr über die Entstehung von MS erfahren. Das könnte ein Ansatz für neue Therapien sein, um die Symptome besser zu kontrollieren. Bislang ist Multiple Sklerose nicht heilbar, hat aber eine günstige Prognose sofern frühzeitig behandelt wird. Verschiedene Therapien wirken auf das Immunsystem ein oder unterdrücken die Entzündung im Gehirn. So kann der Verlauf der MS positiv beeinflusst werden.

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