Feminismus ist in Mode

Feminismus in der Mode

Vor einigen Hundert Jahren waren es die Jungen, die in Rosa gekleidet wurden, während das helle Blau für die Mädchen reserviert war. Vor einigen Jahrzehnten war es noch undenkbar, dass ein Babyjunge in einem rosa Strampler durch die Gegend gefahren wurde, denn jeder fragte: Wie heißt denn das süße Mädchen?

Mode und Geschlecht

Vor einigen Hundert Jahren waren es die Jungen, die in Rosa gekleidet wurden, während das helle Blau für die Mädchen reserviert war. Vor einigen Jahrzehnten war es noch undenkbar, dass ein Babyjunge in einem rosa Strampler durch die Gegend gefahren wurde, denn jeder fragte: Wie heißt denn das süße Mädchen?

Heute hingegen verschwimmen die Grenzen. Die Mode hängt das Geschlecht auf den Kleiderbügel und dann ganz hinten in den Schrank. Ab und an sind sogar schon kleine Jungen im Rock oder im Kleidchen im Kindergarten zu sehen, und niemand wundert sich. Die meisten Mädchen dürfen weiterhin alles tragen. Das hat der Feminismus erkämpft, der Hosen für Frauen tragbar machte und ihnen aus unpraktischen und unbequemen Kleidungsstücken heraushalf. Wir lange wird es wohl dauern, bis Kleider auch für jeden Mann tragbar sind, und wollen diese das überhaupt? Und müssen Frauen eigentlich Hosen tragen, nur weil sie es dürfen?

Rosa oder blau? Kleid oder Hose?

  • ROT: galt als Signalfarbe der Männlichkeit
  • ROSA: war als das „kleine Rot“ bekannt
  • BLAU: war die Farbe der Jungfrau Maria, was sich in einer religiös geprägten Gesellschaft direkt auf die Mode auswirkte
  • ROSA: waren die ersten Trikots des 1897 gegründeten Fußballvereins Juventus Turin
  • BLAU: trugen jedoch auch Matrosen und Arbeiter, sodass es mehr und mehr mit Männlichkeit assoziiert wurde
  • KLEIDER: mit Korsett und Schürze trugen die Jungen ebenso wie die Mädchen vom 16. bis zum 19. Jahrhundert, Geistliche tun es auch heute noch
  • HOSEN: durften die kleinen Jungen ab dem 6. Lebensjahr tragen, die Frauen erkämpften sich dieses Recht erstmals im Zuge der Französischen Revolution
  • SPORT: der Sport war es, der die Hosen für Frauen immer mehr etablierte
  • MARLENE DIETRICH: im Hosenanzug: so fielen 1930 die letzten Schranken

Sind Kleider unfeministisch?

Die Grande Dame Marlene Dietrich, die sich modemäßig alles herausnahm, was ihr gefiel, würde über diese Frage wahrscheinlich lachen. Sie etablierte den Hosenanzug als Kleidungsstück für Frauen und ließ es sich dennoch nicht nehmen, wunderschöne Kleider und große Roben zu tragen, wann immer ihr danach war und sich die Gelegenheit ergab. Daraus können wir auch für uns selbst eine Menge schlussfolgern!

Es ist ein falsch verstandener Feminismus, das Tragen von Kleidern als Rückschritt anzusehen. Nur, weil eine Frau sich weiblich kleidet, bedeutet das nicht, dass sie mit überkommenen Rollenbildern einverstanden ist. Wer bitte schön soll zudem entscheiden, was als feministisch einzustufen ist und ob eine bestimmte Mode als frauenfeindlich einzuschätzen ist? Warum sollte ein farbenfrohes, weibliches Kleidungsstück wie ein Kleid tabu sein, wenn man doch Lust hat, es zu tragen?

Die Modemacher vom reinen Frauenlabel Ana Alcazar z.B. sind spezialisiert auf Kleider aller Art und richten sich dabei an starke, selbstbewusste und feministische Frauen, die sich für Gesellschaft und Kultur interessieren und Wert auf Qualität statt auf Fast Fashion legen. In ihrem Modemagazin beschäftigen sie sich regelmäßig und ausführlich mit feministischen Themen wie Femvertising, Mansplaining, Alltagssexismus oder dem Gender Pay Gap und geben ihren Kundinnen somit immer wieder die Möglichkeit, sich selbst eine Meinung zu bilden.

Dass feminine Kleider und Attitüde sich nicht ausschließen, sieht man auch beim Modelabel Symbology Clothing, das komplett nachhaltig produziert und seinen Fokus dabei auf Mode mit sehr weiblichen Schnitten und Prints sowie Hochzeitsfashion in allen Größen legen. Dabei arbeiten sie mit zahlreichen Frauen-Kooperativen auf der ganzen Welt zusammen und unterstützen so das selbstbestimmte Leben von benachteiligten Frauen in der Dritten Welt.

Richtig ist: Frei ist eine Frau nur dann, wenn sie gerade nicht andauernd darüber nachdenken muss, was sie nun tragen kann und was nicht, sondern wenn sie es einfach tut. Das Argument, in unserer Gesellschaft gebe es immer noch keine echte Gleichberechtigung, berührt diesen Punkt gerade nicht! Da die Frauen vor uns die Möglichkeit erkämpft haben, in Hosen durch den Alltag zu gehen und Männerberufe zu erlernen, können wir diese Freiheit nun ergreifen. Doch wenn wir es müssten, würde es erneut zu einem Zwang werden! Wir stehen für gleiche Chancen und eine faire Bezahlung, doch es hängt nicht an den Hosen, dass wir hierbei noch eine weite Strecke vor uns haben.

Feminismus sollte man nicht an einem Stück Stoff festmachen

Die Zeiten, in denen eine Feministin ungeschminkt und unmodisch daherkam, um ihren Unwillen zu präsentieren, sich den Konventionen und Schönheitsidealen zu unterwerfen, sind definitiv vorbei; wir haben diese Phase des Feminismus schlicht überwunden. Die Freiheit, auf die es uns heute ankommt, ist gerade die, wirklich selbst entscheiden zu können.

Kurzhaarfrisur wie Pixiehaarschnitt oder Buzz Cut oder doch eine wallende Mähne? Jeans und Boots oder Minirock? Ungeschminkt oder gekonnt gestylt? Kurvig oder dünn? Wir bestimmen selbst, wie wir auftreten wollen und welche Prioritäten wir dabei setzen und welchen Intentionen wir folgen. Manchmal verlieben wir uns einfach auf den ersten Blick in ein Kleid, in seinen Schnitt, sein Muster, seinen Fall – das ist alles, und es ist Grund genug, es zu tragen. Manchmal ist ein Kleid nur ein Kleid!

Feminismus AUF der Mode

In der letzten Zeit ist es in Mode gekommen, Shirts mit bestimmten Memes zu tragen, die oftmals auch feministische Sprüche aufgedruckt haben. Bei den Fashion Shows ist auf Shirts dann etwa zu lesen: "The Future is Female" oder "Our Minds, Our Bodies, Our Power“. Damit holt die Mode den Feminismus aus seiner staubigen Nische und krönt ihn zu einem Phänomen der Popkultur. Doch verkommen die Inhalte damit nicht zum reinen Accessoire und führen den Feminismus ad absurdum?

Wahrscheinlich kann man diese Sätze nicht oft genug lesen, bis sie sich wirklich in den Köpfen verankert haben. Aus diesem Grund befürworten wir Mode mit frauenpositiven Sprüchen, denn plakativer kann ein Statement nicht gesetzt werden. Fashion ist political!

Die beide Frauen haben gut lachen: So macht Mode Spaß
Fast jede Frau möchte in ihrem Outfit schlank oder schlanker aussehen, zumindest sollte die Kleidung nicht unnötig auftragen. Wir gegen Ihnen Tipps, wie Sie...
Weiterlesen
Lade weitere Inhalte ...