Viva Kuba!

Viva Kuba!

Der Sand an Kubas Stränden fühlt sich wie Puder an, das Klima wie eine Umarmung. Und mag das Leben auch manchmal hart sein, man nimmt es fröhlich. Rendezvous mit einer schönen Rebellin.

Kuba
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Viva Kuba!

Das Lachen der Mädchen ist schon von Weitem zu hören. Sie schlendern die Hauptstraße von Cueto, einem Dorf im Osten der Insel, entlang. Grüßen die Jungs, die unter Autos liegen, weil mal wieder etwas zu reparieren ist an den bonbonbunten, uralten US-Schlitten. Pfeffern im Schatten hoher Palmen ihre Schuljacken und -taschen unter die Bäume, drehen ihren CD-Recorder auf volle Lautstärke und tanzen – Hüftschwung, Drehung, Hüftschwung – zu mitreißenden karibischen Klängen. Komm doch näher, die neun Mädchen winken auffordernd und fröhlich, als sie mich entdecken.

Ich bin seit ein paar Tagen unterwegs auf Kuba, mit Fahrer und Mietwagen, das ist die abwechslungsreichste Art, die größte der Karibikinseln zu entdecken. Ich habe Guardalavaca erlebt, das rund 50 Kilometer entfernt mit sonnensatter, entspannter Leichtigkeit lockt, mit puderweißem Sand, Fincaazurblauem Meer. Der Strand ist die Nummer eins unter den 40 Traumstränden im Osten. Doch das, was Kuba so besonders macht, ist vor allem in kleinen Provinzorten wie Cueto zu erleben: die bezaubernd unbeschwerte, lässige Lebensart der Kubaner. „Hay más tiempo que vida“ lautet eine Redensart: Es gibt mehr Zeit als Leben, Zeit im Überfluss!

Ich nehme sie mir: In Mayarí, einem großen Dorf mit zweigeschossigen Häusern und Motel, schlendern mein Fahrer und ich über den Markt – und werden vor einem Gemüsestand spontan zum Essen eingeladen: Antonio ist Ingenieur, Haydée Hausfrau. Wir verständigen uns in einem kunterbunten Mix aus Englisch, Spanisch und Gesten. Es gibt Rindfleisch in würziger Soße, Maisbrei, gedünstete Yukka. Köstlich. Zum Abschied schenken mir die beiden eine Handvoll Guaven frisch vom Baum aus ihrem Gärtchen – herrlich sauer und durststillend. Als Dank drücke ich ihnen ein paar Dollar in die Hand, die sie ohne Protest nehmen. Der monatliche Durchschnittslohn auf Kuba beträgt 300 Pesos – gerade mal 15 Dollar.

Die Kinderstube der Revolution


Die Kinderstube der Revolution

Geschichte schrieb der Ort Birán, nicht weit weg von Mayarí und Cueto. Dort steht zwischen grünen Hügeln und Weiden die „Finca Las Manacas“, in der Kubas Ex-Staatschef Fidel Castro, Sohn eines spanischen Einwanderers, im August 1926 zur Welt kam. Sein Vater hatte es hier zu einer stattlichen Hacienda gebracht, mit guts ei ge ner Schule, Laden, Gästevilla. Im Wohnhaus, wiederaufgebaut nach einem Brand, schmücken Dutzende Familienfotos die Wände. Ich sehe das Zimmer, in dem der „Máximo Líder“ mit seinem Bruder Raul schlief. Der lenkt heute die sozialistischen Staatsgeschäfte. In der Hahnenkampfarena im Hof hielt er sich angeblich besonders gern auf.

Pferdegespanne, Mopeds und Busse verstopfen die ländlichen Straßen, die mich Santiago de Cuba näher bringen. Wir fahren lange Strecken nur Schritttempo, so kann ich den Blick auskosten auf Kokoshaine, Kakaoplantagen, Regenwald. Was für ein sinnliches Land! Für die Sinnlichkeit des Seins steht auch Santiago de Cuba. „Ohne Musik kein Leben“ ist das Motto dieser Stadt, die als Wiege aller kubanischen Rhythmen gilt. Die so großartige Musiker hervorgebracht hat wie den Buena Vista Social Club oder das Orchester Los Van Van, Gewinner des lateinamerikanischen Grammy. Wo Bolero, Son, Salsa oder Rumba fest im Alltag verankert sind. Auf etlichen Plätzen wird getrommelt oder Gitarre gespielt, im Parque Cés pedes, im Herzen der Stadt, treffen sich vormittags regelmäßig Son-Orchester zum Üben. In der „Casa de las Tradiciones“ treten fast täglich Gruppen auf.

Dahin strömen dann die Einheimischen – und zunehmend auch Touristen – zum Zuhören, aber vor allem zum Tanzen. Die Schrittfolgen werden mit Hingabe geübt in Musikschulen wie der berühmten „Casa del Estudiante“, von Kindern, Erwachsenen – und selbstverständlich auch Kubanern im „Dritten Alter“, der „tercera edad“, wie das Rentnerdasein hier heißt. Die Musik gibt Leben, lerne ich. Und fühlen kann ich das beim Herumwirbeln auch. Ortswechsel: Ich lasse mich rund 700 Kilometer gen Westen fahren, ohne Eile, ins Tabakstädtchen Viñales. Auf einem Hügel steht eines der schönsten Hotels Kubas: Meine Zimmerfenster im „Los Jazmines“ öffnen sich zu einem grünen Tal. Ich schaue auf fruchtbare Felder, aus denen die „Mogotes“, schroffe, kuriose Kalkhügel herausragen. Ein erhebender Anblick, vor allem, wenn man sich klar macht, dass einige von ihnen rund 160 Millionen Jahre alt sind.

Heiße Nächte in Havanna


Heiße Nächte in Havanna

Tipps & Adressen :

REISEN ÜBER LAND

  • Die Bustour „Kuba – Flair der Karibik“ führt in 12 Tagen zu den schönsten Orten der Insel. Ab 2400 Euro, über www.studiosus.com
  • Mietwagentouren mit Chauffeur hat Dertour im Angebot. 7 Tage ab ca. 400 Euro im Klein- und ab 470 Euro im Geländewagen: www.dertour.de
  • Auf eigene Faust: www.cubacar.info

ÜBERNACHTEN

WEITERE INFOS

Zuletzt besuche ich Havanna. Hier habe ich vor Jahren Spanisch gelernt. Und mich verliebt – in Salsa und Alexis, meinen Tanzlehrer. Er tanzte, als hätte er bereits mit fünf begonnen, was vermutlich auch stimmt. Drei Nachmittage trafen wir uns in einem Jugendstil-Theater in der Altstadt, 30 Grad Raumtemperatur, 100 Grad Luftfeuchtigkeit. Einmal haben wir nach dem Unterricht in einem Club weitergeübt. Glücklicherweise zählte Alexis nicht die Schritte laut mit – un, dos, tres –, sondern wir taten, als könne ich es. Und tatsächlich, ich lernte fix und legte meine mitteleuropäische Ungelenkheit so flink ab wie die Mädchen in Cueto ihre Schuljacken.

Diesmal hocke ich mich gleich nach meiner Ankunft an die Malecon, die berühmte Ufer promenade. Sitze da, blicke auf Wasser und Horizont. Erst ein „Hola, qué tal?“, „Hallo, wie geht’s?“, reißt mich aus der Träumerei. Habaneros haben immer Lust auf ein paar Worte – und ich immer Lust, Spanisch zu sprechen. Abends klingt aus den sperrangelweit geöffneten Fenstern der Altstadthäuser Musik, Lachen und Geschirr geklapper, die Gassen sind voller Menschen. Denn das Leben spielt sich „en la calle“, auf der Straße, ab. Ich verspüre Lust auf einen Mojito, Zeit für die „Bodeguita del Medio“. Scheinbar jeder Besucher dieser winzigen Bar hat seinen Namen auf den Wänden hinterlassen.

Die Signaturen zwischen vergilbten Fotos geben dem Raum den nostalgischen Charme, den alle lieben an Havanna. Auch Ernest Hemingway war hier Mojito-Stammgast. Nett trinkt es sich außerdem im Straßencafé „Lluvia de oro“ an einem Tischchen im Freien in der Calle Obispo, der renovierten Hauptgasse. Als einer der Straßenhändler vorbeikommt, kaufe ich als Souvenir eine CD mit berühmten Revolutionsliedern wie „Hasta Siempre“. Sie werden mich daheim an „Habana vieja“, das alte Havanna, erinnern. Und an die Worte von Alexis: „Kubanische Musik versteht man mit den Füßen. Man muss sie tanzen und dann hören.“

Am 8. März ist Weltfrauentag. Er dient Frauenrechtlerinnen dazu, um auf Missstände bei der Geschlechtergerechtigkeit auf der ganzen Welt aufmerksam zu machen.
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