Reise-Tipp Teil 3

Weißer Sand und klares Wasser – auf Sardinien gibt es reihenweise traumhafte Buchten. Doch welcher Strand ist der perfekteste? Wir haben uns auf die Suche gemacht. Und einige Favoriten entdeckt.

Die Luft flimmert über Steineichen und den verlassenen Schäferhütten in den Fels-Nischen. Das Knirschen der Schritte mischt sich mit dem Bimmeln von Kuhglocken. Und dann, nach einer guten Stunde, liegt sie vor einem, die Cala Goloritze. Wasser so hellblau wie in der Karibik, Sand so gleißend weiß, dass man die Sonnenbrille auf die Augen schiebt. Eine Wandergruppe aus Spanien hat sich in den Sand plumpsen lassen. Ein paar Schweden sind durch das Wasser zu einem der Felsen geschwommen und sonnen sich auf den grauen Steinen.

Alle paar Stunden tauchen vor der kleinen Bucht Yachten auf, um hier zu ankern und die Ruhe zu genießen. Sie sind von der Nordspitze Sardiniens herabgesegelt, von der Costa Smeralda, aus dem Hafen von Porto Cervo. Der kleine Ort ist das Saint Tropez und das Monte Carlo Sardiniens. Alles in einem – und von allem zu viel. Das Glas Prosecco kostet zehn Euro, die Häuser sehen aus wie ein Freizeitpark für Superreiche: leblos, glatt renoviert. Sogar die Stromkästen wurden für die Touristen in Terracotta-Farben überpinselt und mit Dachziegeln beklebt. Eine Kunstwelt, geschaffen für die Yachtbesitzer und die Fahrer der großen Geländewagen, die hier Urlaub machen.

Anderthalb Autostunden weiter Richtung Norden taucht wieder der Hafen von Palau auf, von dem aus Kapitän Romdino seine Fähre zu den La-Maddalena- Inseln schippert. Wieder steht man neben dem Kapitän, das Schiff gleitet aufs Meer. Noch ein Versuch: Wo liegt nun der perfekte Strand, Capitano Romdino? „Probier es auf Caprera, von der Anlegestelle aus zehn Autominuten über die Brücke.“

Die Brücke – das ist ein schmaler Damm, auf dem sich Vespas und Mountainbikes aneinander vorbeidrängen. Das Auto ruckelt hinüber und fährt dann in den Schatten der Waldstraßen. Caprera war bis ans Ende des 18. Jahrhunderts unbewohnt, jetzt kommen zwar jeden Sommer die Touristen, im Frühling aber ist die Insel nahezu verlassen. Den Wagen parken, mit der Badetasche zwischen Sträuchern hinab – Punta Galera heißt die felsige Bucht, die man nach zehn Minuten erreicht. Ein Steinsteg führt in das türkise Wasser. Man blickt zurück, und dann liegt er plötzlich rechterhand vor einem: makellos, umgeben von schulterhohen Felsen. Fünf mal drei Meter ist dieser Strich aus puderfeinem Sand. Man muss zu ihm hinüberschwimmen, die Kleider auf dem Kopf balancierend. Die flachen Wellen, die den Strand erreichen, wirken so klar wie aus Glas. Von Weitem hört man die Fähre von Kapitän Romdino hupen, dann verweht der Wind das Geräusch. Fort vom perfekten Strand, aufs offene Meer.

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Autor:
Jörg Eggert