Reise-Tipp Teil 2

Weißer Sand und klares Wasser – auf Sardinien gibt es reihenweise traumhafte Buchten. Doch welcher Strand ist der perfekteste? Wir haben uns auf die Suche gemacht. Und einige Favoriten entdeckt.

Das sehen Francesca Capobianco, 72, und ihr Mann Domenico, 70, genauso. 120 Kilometer westlich der Route von Kapitän Romdino stehen sie im Wasser einer winzigen Bucht. Das Rentnerpaar hat sich die Hosenbeine hochgekrempelt. Sie staksen über Felsen, klauben Seeigel vom Meeresgrund, als sammelten sie Kartoffeln von einem Feld. „Der beste Strand?“ Domenico Capobianco kratzt sich seinen grauen Dreitagebart, spaltet mit seinem Messer einen Seeigel und schaufelt sich den Inhalt in den Mund. „Für uns ist dieser Abschnitt hier das schönste Stück der Küste. Denn das Wasser ist auf einer Länge von 30 Kilometern so klar, dass man frisch gefangene Seeigel und Muscheln essen kann. Drei Buchten weiter gibt es einen Sandstrand, und außerdem …“, der grauhaarige Domenico macht eine Pause und lässt seine Hüften kreisen, „… außerdem habe ich hier mit meiner Frau das erste Mal Liebe gemacht.“ Die Angesprochene verdreht die Augen und öffnet einen weiteren Seeigel.

Die Sarden lieben ihre schneeweißen Badebuchten – und sie haben auch allen Grund dazu: Wenn einmal im Jahr der italienische Umweltverband „Lega Ambiente“ seine Noten vergibt, gehen bei den Inselbewohnern die Mundwinkel hoch. Allein 14 Orte an Sardiniens Küste wurden im letzten Jahr für ihr sauberes Wasser ausgezeichnet. Einer davon ist der von Porto Pino an der Südspitze Sardiniens. „Da glaubst du, du bist im falschen Film, oder?“ Alessandro Marongiu imitiert den typischen Blick, den ihm die Touristen zuwerfen, wenn er ihnen die Bucht zeigt. Weil nichts an diesem Strand nach Italien aussieht. Florida vielleicht – aber Italien?

Ein Schwarm Flamingos hat die Lagune, die hinter dem Strand beginnt, vor wenigen Augenblicken verlassen, jetzt schweben die Vögel in der Mittagshitze wie rosafarbene Papierflieger. Doch der 16-Jährige hat dafür keine Augen, er steht auf einer elf Meter hohen Düne, seine Füße stecken in den Schlaufen seines Snowboards. Kurz verlagert er das Gewicht, dann rauscht er samt seinem Board den festen beigefarbenen Sandberg hinunter. Hinab zum Meer. Auf Schnee ist er noch nie gefahren, immer nur auf Sand, in Namibia und hier in den Dünen seiner Heimat. „Sardinien vereint auf kleinem Raum so viel. Berge und grüne Täler wie in der Schweiz, Luxusbadeorte an der Costa Smeralda, Beachlife wie hier bei uns vor der Haustür“, sagt seine Mutter, während ihr Sohn die Düne für eine zweite Fahrt hinaufstapft.

Die Strände der Westküste oder die breiten Sandbuchten im Golf von Olbia im Osten – sie alle liegen meist nur zwei, drei Gehminuten von den Küstenstraßen entfernt. Doch für die ganz besonderen Orte, die einsamen Buchten, braucht man ein Schiff. Oder gute Wanderstiefel. Eine der schönsten Buchten ist die Cala Goloritze. So traumhaft, dass sie es schon in die Kataloge der großen Modefirmen geschafft hat – Bikinis vor der perfekten Kulisse. Rund zweieinhalb Stunden fährt man die Küste von der Hauptstadt Cagliari im Süden Richtung Norden bis Baunei. Vom Parkplatz in Il Golgo geht es einen steilen Wanderweg hinunter.

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Autor:
Jörg Eggert