Reisereportage Lofoten

Norwegens Natur füllt den Speicher für erinnernswerte Bilder. Besonders, wenn man sie vom Wasser aus bestaunen kann: auf der alten Postschiff-Linie „Hurtigruten“ bis über den Polarkreis

Lofoten

Zwei weitere Nächte und den Tag dazwischen braucht es, um sich über den Polarkreis hinaus den Lofoten zu nähern. Lofoten – das hat für Deutsche einen besonderen Klangreiz: wahrscheinlich noch vom alten Kaiser Wilhelm, der öfter durch die Gegend kreuzte und eine, manchmal fragwürdige, Norwegen-Sehnsucht bei den Landsleuten weckte. Diese Inseln hier oben sind von so wilder Fremdheit, dass einem trotz der schon so oft ausgestoßenen „Hach“-Seufzer doch noch einmal der Mund offen stehen bleibt. Zuerst beim Sichten der „Lofotenwand“. Dieser Anblick beruht auf einer optischen Täuschung: Die Berge der Inselkette wirken wie eine Wand, wenn man sich per Schiff nähert. Aus der Nähe lösen sie sich in einzelne Gruppen auf; als stünden die Bergriesen der Alpen bis zum Hals im Wasser und man bewegte sich horizontal in Regionen, die sonst nur kühnen Kletterern zugänglich sind. Einiges Grün kämpft sich an den Rand der schroffen, schneegefleckten Riesen, auch gelbe Butterblumen.

Die Farben der Lofoten findet der Besucher auch auf den Gemälden wieder, die man in den zahlreichen Galerien der Dörfer und Städtchen sieht. Maler reisen seit 150 Jahren auf die Lofoten; manche bleiben da, als ob sie das Motiv fürs Leben gefunden hätten. Zurück geht es später von Trondheim aus, schnell eine letzte Besichtigung vor dem Heimflug: Die gotische Kathedrale hat ein gewaltiges Schmuckportal, imponierend wie die Dome in Köln oder Mailand. Dreht man sich aber einmal herum, weiß man wieder, wo man ist: Das Haus gegenüber mit dem netten Buchladen ist aus Holz. Und auch seine Besitzer haben die Farbe vom größten Stapel genommen.


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Autor:
Raimund Witkop