Reisereportage Die Hurtigruten-Reise

Norwegens Natur füllt den Speicher für erinnernswerte Bilder. Besonders, wenn man sie vom Wasser aus bestaunen kann: auf der alten Postschiff-Linie „Hurtigruten“ bis über den Polarkreis

Die Hurtigruten-Reise

Die Hurtigruten-Reise beginnt in der alten Hansestadt Bergen, wo jeden Abend ein Schiff ablegt, um in zwölf Tagen – hinauf bis zum Nordkap, einmal herum und wieder zurück – die Küste abzufahren. Die Küste ist in gerader Linie von Bergen bis zum Nordkap schon 2650 Kilometer lang; rechnet man die ungezählten Buchten, Fjorde und Inseln mit, sind es sogar 25 000 Kilometer. Wer je mit der Idee vom eigenen Häuschen am Wasser gespielt hat (und wer hätte das nicht?), kann auf dieser Fahrt eine Menge Anregungen für idyllische Orte und schlichte Architektur sammeln.

Schnell stellt sich Ruhe ein auf dem Schiff, die Kabinen und Aussichtsplätze sind gefunden. Man gleitet so dahin, schaut über die Reling und denkt: Auf dieser Wiese, die von dem roten Holzhaus zum Wasser hin abfällt, könnte gut ein blondes Mädchen mit einem großen Hund spielen. Und – das glaubt jetzt natürlich keiner – da ist es auch schon, springt fröhlich herum, der Hund ist weiß und zottelig, sein Fell glänzt in der Abendsonne. An Bord eines Hurtigruten- Schiffs ist Norwegen ganz alltäglich – und dabei so schön, dass der innere Sensor für erinnernswerte Bilder dauernd „Klick-klickklick“ macht. Wer diesem Impuls nachgibt, wie es viele in den ersten Stunden der Seereise tun, muss sich bald fragen, wer das alles später sichten soll. Was soll’s – da ist ja schon wieder so ein entzückendes Schären-Inselchen mit einem Leuchtfeuer und kleinen roten Häuschen.

Am zweiten Tag kommt es zu den ersten Begegnungen mit den Riesen der Kreuzfahrt-Reedereien Cunard oder Costa, die auf die spektakulären Fjorde aus sind. Natürlich kann man die Fjorde auch mit Bus oder Bahn erreichen. Der Weg übers Wasser bietet jedoch ganz besonders einzigartige Ausblicke. Einer dieser Fjorde steht – nur im Sommer – auch bei Hurtigruten auf dem Programm: Unser Postschiff biegt in den Storfjord ab, fährt in den engen Geiranger- Fjord. Je weiter es hineingeht, desto leiser werden wie von selbst die Gespräche. Die Atmosphäre wird fast andächtig: steile Felsen und Wasser, dazwischen das Grün, das gerade so Platz findet und einen durch seine Einbettung in die schroffen Berghänge ganz besonders anrührt. Und immer wieder, an scheinbar unzugänglichen Orten, Holzhäuschen in roter Farbe. Die Pigmente stammen aus einer schwedischen Kupfermine, erfahren wir vom Kapitän. Die Farbe heißt „Falun-Rot“, und sie reicht – wie erfreulich – für ganz Skandinavien.

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Autor:
Raimund Witkop