31. Juli 2013
Müll im Meer

Müll im Meer

Wieviel Plastikmüll schwimmt in unseren Meeren? Mindestens 100 Millionen Tonnen verseuchen derzeit unsere Ozeane - und jährlich kommen rund 10 Millionen Tonnen hinzu. Als VerbraucherIn können Sie Ihren persönlichen Teil dazu beitragen. Wie lange welches Plastik in unseren Meeren bleibt, sehen Sie in unseren kostenlosen Grafik zum downloaden.

Müll schwimmt auf der Meeresoberfläche, ein Fischerboot im Hintergrund
© Plastic Oceans Foundation
Müll im Meer

Biologisch abbaubar sind die wenigsten der Stoffe, die Tag für Tag im Meer landen. Drei Viertel des Mülls besteht aus Kunststoffen. An Land "überlebt" eine Plastikflasche bis zu 25.000 Jahre. Im Wasser geht der Zersetzungsprozess schneller, ist aber genauso besorgniserregend: Bis eine Plastiktüte im Wasser zersetzt wird, dauert es bis zu 20 Jahre, bei Konservendosen 50 Jahre, bei Plastikflaschen und Einwegwindeln 450 Jahre. Weitere Infos gibt es auf unserer Grafik als gratis Download.

Woher kommt der Müll?

Die Quellen der Abfälle unterscheiden sich regional. So sorgen im Nordostatlantik vor allem maritime Aktivitäten wie Fischerei und Schiffahrt für die Verschmutzung, ebenso wie Freizeit und Tourismus am Meeresufer. In die Ostsee gelangt ein großer Teil des Abfalls über die Flüsse. Der Massentourismus zur Urlaubszeit sorgt Jahr für Jahr für ein riesiges Müllaufkommen im Mittelmeer. Auch Haushalts- und Hygieneartikel verdrecken das europäische Binnenmeer. In Osteuropa zählen schlecht bewirtschaftete Mülldeponien zu den Hauptverursachern der Müllkrise. So werden Abfälle aus den Städten und Kommunen im Schwarzen Meer besonders häufig gefunden.

Bedrohung für Mensch und Tier

Abfälle im Meer: Welche Abfälle besonders häufig im Meer landen und wie viel Zeit vergeht, bis diese abgebaut werden, sehen Sie in unserer kostenlosen Grafik>>
Zwischen 100 und 150 Millionen Tonnen Müll schwimmen mittlerweile in unseren Ozeanen, jedes Jahr kommen 10 Millionen Tonnen hinzu. Vorstellbar sind diese Dimensionen nicht - dafür in ihren Auswirkungen umso katastrophaler für Umwelt, Mensch und Tier. Meerestiere und Vögel verschlucken Müll oder verfangen sich darin. Besonders problematisch ist Mikroplastik, das durch das Verschlucken von Tieren in die Nahrungskette gelangt. Solche Gefahren bedrohen mindestens 660 Tierarten unmittelbar.

Natürlich ist auch die menschliche Gesundheit betroffen. Gerichte mit Fisch und Schalentieren können Mikroplastik enthalten. Verschmutzte Badewasser stellen ebenso ein potenzielles Risiko dar, wie scharfe Gegenstände an Badestränden. Zudem sind Seeschiffe und deren Besatzung vom Müll in den Ozeanen bedroht. Immer häufiger kommt es zu Seenotrettungen, weil Meeresabfälle Ruder- und Antriebsanlagen von Schiffen blockieren.

Plastik in Zahncreme


PE, PP, PET, PMMA - Plastik in der Zahncreme

Was die wenigsten wissen: Zahnpasta, Peelings und Duschgels enthalten oft winzige Kunststoffteilchen. Das sogenannte Mikroplastik gelangt über das Abwasser ins Meer. "Verbraucher können anhand der Inhaltsangaben ersehen, ob Kosmetik- und Körperpflegeprodukte Mikroplastik enthalten", sagt Stefanie Werner, Sprecherin der Abteilung Meeresschutz beim Umweltbundesamt. "Meistens werden Polyethylene sowie Polypropylene zugesetzt, seltener auch Polyethylenterephthalate oder Polymethylmethacrylate." Achten Sie beim Kauf auf diese Inhaltsstoffe und verzichten Sie bestmöglich auf diese Produkte.

Plan 2020

Auf der Marine-Litter-Conference 2013 in Berlin haben die Europäische Kommission und das Umweltbundesamt vereinbart, die Entwicklung regionaler Aktionspläne für die europäischen Meeresregionen voranzutreiben. In naher Zukunft soll eine solche Strategie für die Ostsee vorliegen, bis 2014 für den Nordostatlantik und die Nordsee. In der Meeresstrategie-Rahmenrichtlinie (MSRL) der EU ist ein Ordnungsrahmen für alle Mitgleidstaaten verankert, um bis zum Jahr 2020 die Meeresumwelt in einen guten Zustand zu führen.

„Marine Abfälle sind alle langlebigen, gefertigten oder verarbeiteten beständigen Materialien, die durch Wegwerfen oder als herrenloses Gut in die Meeresumwelt gelangen“, lautet die offizielle Definition. Dazu zählen:

  • Abfälle, die vom Land aus ins Meer gelangen (durch Abwässer, Mülldeponien, illegale Müllbeseitigung an der Küste, durch Tourismus und Freizeitaktivitäten)
  • Abfälle, die von Schiffen (inklusive Fischereifahrzeugen), Aquakultur- und Offshoreanlagen ins Meer oder an die Küste gelangen

Was können Sie tun?

Das Umweltbundesamt empfiehlt:

  • Verwenden Sie keine Peelings, Duschgels und Zahnpasten, die Kunstoffe enthalten.
  • Nehmen Sie alles wieder mit, was Sie für den Strandtag oder das Picknick im Freien eingepackt haben oder entsorgen Sie es sachgerecht.
  • Trennen Sie Ihren Müll. Nur so ermöglichen Sie, dass Plastik und andere Stoffe überhaupt recycelt werden können.
  • Kaufen Sie langlebige Produkte – so schonen Sie wertvolle natürliche Ressourcen und vermeiden Müll. Nutzen Sie plastikfreie Verpackungen wie Papiertüten für Brot oder Obst und Gemüse, Mehrwegflaschen oder noch besser Glasflaschen aus der Region und eigene Textiltragetaschen für den Einkauf.
  • Beteiligen Sie sich an freiwilligen Säuberungsaktionen an Küsten, Stränden und Flussufern.

Welche Abfälle besonders häufig im Meer landen und wie viel Zeit vergeht, bis diese abgebaut werden, sehen Sie in unserer kostenlosen Grafik (Download PDF).

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