26. Februar 2013
Der richtige BH

Der richtige BH

Dessous sollen nicht nur sexy aussehen, sondern auch gut sitzen. Das klappt nicht immer, findet FÜR SIE-Kolumnistin Andrea Raschke. Wir haben Tipps, damit Sie ab sofort den richtigen BH und die richtige Größe tragen.

Der richtige BH
© Jupiterimages/Thinkstock
Der richtige BH

Aufgewachsen bin ich in einer ländlichen Kleinstadt, von der mal jemand behauptet hat, es wäre zwar nicht der Hintern der Welt, aber man könne ihn von dort aus sehen. Dieser geografischen Lage ist es zu verdanken, dass wir in Sachen Mode nicht ganz auf dem neuesten Stand waren. Während der Rest der deutschen Jugendlichen schon mit Karottenjeans und hochgestellten Poloshirts herumlief, trugen wir die gebrauchten Strickpullunder unserer größeren Geschwister auf und kriegten alle zwei Jahre neue Gummistiefel aus dem örtlichen Raiffeisenhandel. Zu ganz Außergewöhnlichen Anlässen ging man zu „Kördels Damen- und Herrenbekleidung“. Außergewöhnliche Anlässe waren Beerdigungen, Hochzeiten, Konfirmationen und der Kauf des ersten BHs.

Ich muss etwa 15 Jahre alt gewesen sein und litt darunter, dass mein Körper sich schneller entwickelte als mein Kopf. Es passte einfach nicht zusammen, untenrum auf Stelzen zu laufen und obenrum Körbchengröße 70 B zu haben. Behauptete zumindest Frau Kördel, nachdem sie mich mit diesem kalten Kunststoff-Maßband vermessen hatte, das ihr stets wie eine verendete Ringelnatter um den Hals hing.

BH zu groß

„Zu den Büstenhaltern hier entlang“, lotste sie meine Mutter und mich durch den Laden und zog eine große Schublade im hinteren Teil des Geschäfts auf. Zum Vorschein kam eine hügelige Landschaft aus weißer und hautfarbener Synthetikfaser, und ich schickte ein Stoßgebet zum Himmel, dass 70 B bitte auch in Weiß vorhanden sein möge. Sie griff ein paar Modelle raus, schob mich in die Kabine und blieb neben meiner Mutter vor dem geöffneten Vorhang stehen. In den meisten sah ich aus wie Kriemhild aus der Nibelungensage: spitze Brüste unter einem gepanzerten Korsett. Die Auswahl fiel schließlich auf Modell Nummer zwei, das nicht ganz so breite Träger wie die anderen hatte und 13 Mark weniger kostete. „Passt, wackelt und hat Luft“, sagte meine Mutter zufrieden und marschierte in Richtung Kasse. Rückblickend stimmte nur der Teil „hat Luft“. Der BH war so geräumig, dass ich hätte untervermieten können, dafür drückte der Verschluss.

BH-Probleme

Nach diesem Trauma kaufte ich meine nachfolgenden BHs mehr oder minder nach Optik und Gefühl und immer nur von der Stange. Es war das, was man neudeutsch als „Learning by Doing“ bezeichnet. Gelernt habe ich zum Beispiel, was für eine Tortur ein zu kleiner Bügel sein kann, der sich einem den ganzen Abend von unten in die Brust bohrt. Ich machte die schamhafte Erfahrung, dass man besser nicht mit ausschweifenden Bewegungen der besten Freundin zuwinken sollte, wenn man sich für einen trägerlosen BH entschieden hat. Schon gar nicht, wenn man gerade auf der Tanzfläche steht. Und ich sah ein, dass Bustiers nur bei den Frauen gut aussehen, die eigentlich sowieso keinen BH brauchen. So wirklich warm geworden bin ich mit diesem weiblichsten aller Kleidungsstücke nie. Vermutlich muss ich weitersuchen und hoffen, dass „der Richtige“ irgendwann dabei ist. Aber so was sind wir Frauen ja gewöhnt.

Antworten zum richtigen BH

Jede zweite Frau trägt einen falschen BH, sagt Nathalie van Dijk, PR- und Trainings-Managerin bei den Dessous-Labels Chantelle und Passionata. Wir hatten eine Menge Fragen.

Muss ich bei meinem kleinen Busen überhaupt einen BH tragen?

Auf jeden Fall! Viele Frauen denken zwar, dass ein kleiner Cup gar nichts bringt. Aber der BH ist eine wichtige Unterstützung bei der Formgebung der Büste und kann so einiges bewirken. Ich habe selbst erlebt, dass Frauen zu mir sagten: „Bei mir ist nichts zu holen, ich brauche keinen!“ Nachdem sie aber einen geeigneten BH anprobiert hatten, haben sie ihre Meinung ganz schnell revidiert. Denn plötzlich zeichneten sich unerwartete Rundungen ab. Ideal für kleine Größen sind T-Shirt-BHs, Balconettes und Push-ups.

Welche Fragen sollte ich der Verkäuferin beim BH-Kauf stellen?

Eigentlich ist es umgekehrt: Die Verkäuferin sollte der Kundin Fragen stellen! Zum Beispiel: Für welchen Anlass wird der BH benötigt? Welchen Ausschnitt und welche Farbe hat das Kleid oder Top? Was ist denn Ihr Stil? Oft ist es so, dass die Kundin mit einer festen Meinung ins Geschäft kommt und nach irgendeinem Produkt fragt, das allerdings gar nicht zu ihr passt. Deshalb ist es wichtig, sich bei Dessous beraten und von der Verkäuferin eine Auswahl an BHs zeigen zu lassen. Und: Lassen Sie sich regelmäßig ausmessen! Fragen Sie einfach die Verkäuferin nach diesem Service, den jedes Fachgeschäft anbietet.

Habe ich immer die gleiche BH-Größe, egal ob Push-up oder Balconette?

Nein, die Größe kann variieren – schon von Hersteller zu Hersteller. Aber auch Form und Material machen Unterschiede: Eine elastische Spitze zum Beispiel wird mehr Spielraum bieten als eine feste Stickerei. Deshalb keine Spontankäufe, BHs immer erst anprobieren!

Woran erkenne ich, ob mein BH perfekt sitzt?

Auf dem Bügel sieht das sündige Teil super aus. So stellen Sie fest, ob es passt: Der Rücken sollte fest und gerade sitzen. Sitzt er zu locker, rutscht er nach oben und gibt keinen Halt mehr. Sitzt er zu fest, schneidet er ein und sorgt für Rollen, die keiner mag. Die Träger sollten so sitzen, dass genau ein Finger zwischen sie und die Schulter passt. Sie müssen aber nicht gleich eingestellt sein. Hauptsache, sie schneiden nicht ein oder rutschen ständig von der Schulter.

Die Bügel sollen um die Brüste herum liegen und nicht darauf. Viele Frauen tendieren dazu, zu kleine Körbchengrößen auszusuchen. In diesen Fällen sitzen dann die Bügel direkt auf den Brüsten und drücken. Das kann nicht nur schmerzhaft sein – sondern auch ungesund. Der Mittelsteg, also das Verbindungsstück zwischen den beiden Körbchen, sollte auf der Büste direkt anliegen. Tut er das nicht, sind die Körbchen nicht tief genug. Da sollte besser eine größere Körbchengröße her. Die Körbchen sollten schön am Dekolleté anliegen. Schneiden sie ein, sind sie vielleicht zu klein oder die Träger zu eng eingestellt. Ist Luft zwischen den Körbchen und dem Dekolleté, sind die Träger zu locker oder die Körbchen zu groß.

Ein Trick, um festzustellen, ob Sie bei der BH-Wahl alles richtig gemacht haben: einmal die Arme hochnehmen. Ja, bringen Sie ruhig ein bisschen Bewegung in die Umkleidekabine! Der BH sollte dabei schön an seinem Platz bleiben und sich nicht bewegen.

Der allerletzte Schritt: ein Oberteil anziehen und einen Blick in den Spiegel werfen. Wie wirkt der BH unter der Kleidung von vorn? Und wie sieht er von der Seite aus? Trägt er zu doll auf? Zeichnet sich zum Beispiel die Spitzen-Verzierung ab? Nein? Dann ab zur Kasse!

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