Psychologie: Wie ich das perfekte Morgenritual fand – ohne danach gesucht zu haben

Psychologie: Wie ich das perfekte Morgenritual fand – ohne danach gesucht zu haben

Wie sieht die perfekte Morgenroutine aus, was bringt ein Morgenritual – und was tun, wenn man für all das eigentlich so gar keine Zeit hat? Unsere Redakteurin Lara hat sich an einem achtsamen Start in den Tag versucht.

Um 06:30 Uhr aufstehen, das Bett machen, schnell ins Bad huschen und dabei immer die Uhr im Nacken – so sieht ein typischer Morgen bei mir aus. Mit Entspannung hat das nur wenig zu tun, viel eher funktioniere ich einfach nur, fühle mich getrieben und ruhelos. Höchste Zeit also, etwas zu ändern. Und vor allem etwas zu finden, dass mir schon früh am Morgen das Tempo nimmt. Eine Morgenroutine zum Beispiel!

Wie finde ich die perfekte Morgenroutine?

Ganz egal ob Oprah Winfrey oder Michelle Obama – viele erfolgreiche Menschen haben ein festes Morgenritual, das ihnen dabei hilft, nicht nur entspannter und fokussierter, sondern vor allem auch mit mehr Energie und Fröhlichkeit in den Tag zu starten. Und genau das ist es doch, was ich suche! Wäre da nur nicht dieses eine Problem. Denn egal was ich auch ausprobiere, irgendwie scheint es mir, als sei so ein Morgenritual nur ein weiterer Punkt auf meiner To-do-Liste – und vor allem nichts, auf das ich mich wirklich einlassen kann. Mir fehlt schlichtweg die Ruhe, um so früh am Morgen in einem Buch zu lesen oder zu meditieren. Wie soll ich mich denn auch entspannen bei all den Dingen, die vor der Arbeit noch zu erledigen sind?

Zwei, die sich mit dem Thema Morgenroutinen richtig gut auskennen, sind Ronald Schweppe und Aljoscha Long. Sie haben das Buch "Anfang gut, alles gut" geschrieben – ein Ratgeber, der uns dabei unterstützen soll, achtsam und lebendig in den Tag zu starten. Ganz ohne Stress und mit viel guter Laune. Ob die beiden mir vielleicht dabei helfen können, endlich meine Morgenroutine zu finden?

Die Achtsamkeitsexperten Ronald Schweppe & Aljoscha Long im Interview

Was bringen Morgenroutinen – und für wen sind sie geeignet?

Ronald Schweppe & Aljoscha Long: Bei jeder Reise, die wir unternehmen, ist der erste Schritt immer der wichtigste. Ein Morgenritual ist der bewusste erste Schritt in den Tag. Unsere Aufstehgewohnheiten bestimmen maßgeblich, wie viel Energie wir tagsüber zur Verfügung haben. Entspannt und achtsam in den Tag zu starten schenkt uns Lebensfreude und Wohlbefinden. Ein Morgenritual eignet sich daher für jeden, vor allem aber für alle, die entspannt und ohne Stress durch den Tag kommen wollen.

Wie kann ich innere Ruhe in meinem Morgen bringen, obwohl ich weiß, dass ich pünktlich bei der Arbeit erscheinen muss?

Ronald Schweppe & Aljoscha Long: Das Wichtigste ist, dass wir erkennen, wie wichtig es ist, uns nicht vom Hamsterrad des Alltags bestimmen zu lassen. Sobald wir erkannt haben, dass wir uns gut um uns kümmern sollten, müssen wir eine Entscheidung treffen: „Ich will glücklich sein. Ich will mir genug Zeit für mich nehmen. Ich werde das ab jetzt tun.“. Wenn wir uns einmal bewusst entschieden haben, dafür vielleicht auch 10 Minuten früher aufzustehen, wird alles viel einfacher, da die bewusste Gestaltung des Morgens dann schnell zur Gewohnheit wird. Ein Morgenritual ist keine großartige Sache. Es gibt auch sehr kurze Formen: Strecken Sie sich im Bett gründlich durch, stehen Sie dann auf, um die Fenster zu öffnen und atmen Sie dreimal tief durch – fertig.

Wenn Sie die ganz normalen Tätigkeiten am Morgen wie Zähneputzen oder Kaffee kochen dann noch achtsam ausführen, werden auch sie zum Teil des Morgenrituals.

Was, wenn man sein Morgenritual mal nicht schafft?

Ronald Schweppe & Aljoscha Long: Ein Morgenritual ist nichts, was man „tun muss“. Wenn die Zeit mal nicht reicht, ist das überhaupt kein Problem und ganz normal. Außerdem gibt es immer Möglichkeiten, etwas zur Ruhe zu kommen. Zum Beispiel können wir unsere Aufmerksamkeit darauf lenken, das warme Wasser unter der Dusche zu genießen oder uns zwei Minuten mehr Zeit nehmen, um unser Frühstück wirklich zu schmecken und unseren Tee zu trinken.

Sobald wir das richtige Morgenritual für uns herausgefunden haben, werden wir das Ganze nicht mehr als Punkt auf unserer Erledigungsliste, sondern als große Chance sehen, besser auf unsere Bedürfnisse zu achten.

Gibt es etwas, was man am Morgen auf gar keinen Fall tun sollte?

Ronald Schweppe & Aljoscha Long: Morgenrituale bieten uns die Möglichkeit, uns zu spüren, im gegenwärtigen Augenblick anzukommen und uns nicht von unseren hektischen Gedanken beherrschen zu lassen. Daher sollte man alles vermeiden, was uns in die Geschichten hineinzieht, die unser Kopf uns erzählen will, und das heißt vor allem: Nicht grübeln, aber auch keine Medien, kein Smartphone! Auch mit Social Media sollte man sich frühestens nach dem Frühstück beschäftigen.

Könnte es sein, dass ich die perfekte Morgenroutine bereits gefunden habe?

Ronald Schweppe und Aljoscha Long konnten mich nicht nur davon überzeugen, dass ein Morgenritual eben kein "To-do" ist, sie haben mir auch vor Augen geführt, dass ich meine perfekte Morgenroutine längst gefunden habe – und das lange, bevor ich danach gesucht habe. Denn tatsächlich gibt es da eine Sache am Morgen, die ich schon seit Jahren achtsam ausführe: Ich liebe es, mein Frühstück zuzubereiten, hübsch anzurichten – und es dann in aller Ruhe zu genießen. Dazu ein heißer Kaffee, die Morning-Show im Radio. Die Zeit, die ich mir für das Frühstück nehme, habe ich bisher immer an anderer Stelle eingespart. Und vielleicht liegt genau hier das Problem. Ab morgen stehe ich einfach etwas eher auf, um meinem Morgen das Tempo zu nehmen – und wenn es nur 15 Minuten sind. „Ich will glücklich sein. Ich will mir genug Zeit für mich nehmen. Ich werde das ab jetzt tun."

Komplimente sind toll. Und doch gibt es da eines, das unsere Redakteurin Lara in Zukunft nicht mehr hören möchte. Aus Selbstschutz, aber auch der Body...
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