Umwelt schonen Das Experiment spart Geld

Die Österreicherin Sandra Krautwaschl sah 2009 den Film „Plastic Planet“ und beschloss daraufhin mit ihrer Familie, den Plastikkonsum zu reduzieren. Das hat FÜR SIE-Redakteurin Sabine Vincenz neugierig gemacht. Leben ohne Plastik geht das überhaupt?

Sandra Krautwaschl kann sich noch gut an ihren ersten plastikfreien Einkaufstag erinnern. „Auf unserer Einkaufsliste standen Klopapier, Holzzahnbürsten, Shampoo in Glasflaschen, Metallboxen für die Pausenbrote der Kinder, eine Milchkanne aus Emaille oder Metall, nachfüllbares Geschirrspülmittel, Nudeln. Wir kamen mit leeren Händen zurück. Wir hatten nichts gefunden, was nicht irgendwie mit Plastik zu tun hatte.“ Was dann folgte, war „kreatives Herumwurschteln“. Unter Hinzuziehung des Internets und vieler Freunde.

Heraus kamen viele pfiffige Lösungen: Anstatt Zahnpasta benutzen die Krautwaschls inzwischen Birkenzucker. Zum Haarewaschen eignen sich Wascherde oder spezielle Haarshampoo-Seifen aus kleinen Manufakturen. Lebensmittel lassen sich in Einmachgläsern einfrieren. Obst und Gemüse verpackungsfrei beim Bauernhof als „grüne Kiste“ bestellen. Geputzt wird mit Essig und Zitronensäure. Und gewaschen mit sogenannten Waschnüssen. Putztücher werden aus alten Frotteehandtüchern gewonnen. Und für den Toilettengang hat die Familie Papierhandtücher aus Recyclingpapier gefunden, die es im Großhandel in einer Kartonverpackung gibt. „Mit der ersten Großpackung für 25 Euro sind wir ein Dreivierteljahr ausgekommen.“

Das Experiment spart sogar Geld

Rund 2000 Euro im Jahr haben die Krautwaschls seit der Umstellung auf weitgehend plastikfreien Konsum mehr in der Haushaltskasse. „Das liegt auch daran, dass wir nach und nach unser Einkaufsverhalten verändert haben. Plötzlich stellst du fest, dass du weniger kaufst, weil es dies und das eben nur mit oder in Plastik gibt. Oder wie du immer weniger Vorräte anlegst, weil keine Tupperdosen mehr in der Kammer stehen. Wie du weniger wegwirfst und dafür mehr aufbrauchst, was du hast.“ Ganz von allein, einfach nur befeuert durch Neugier und Entdeckerlust, ist aus dem Experiment eine Haltung geworden. In ihrem Blog keinheimfuer plastik.at tauschen sich täglich mehrere Tausend Nutzer darüber aus, wie sich Plastik im Alltag vermeiden lässt. „Und man muss dabei nicht zum Plastik-Taliban werden“, sagt Sandra Krautwaschl lachend. Es gehe nicht um Perfektionismus.

Schon mit dem Verzicht auf die allgegenwärtigen „Plastiksackerl“ lasse sich eine Menge erreichen. „Der Rest ist eine Frage von Leidenschaft und Experimentierfreude.“ Natürlich stoße man auch an seine Grenzen. Handy, Computer, Fernseher, Auto. „Dafür gibt es keinen plastikfreien Ersatz. Noch. Aber wir holen uns nicht alle zwei Jahre ein neues Handy, und das Auto zum Beispiel teilen wir mit einer anderen Familie.“ Es sind die kleinen Dinge, die in ihrer Summe etwas Großes entstehen lassen. Die Kinder kommen von der Schule. Alle drei sind hungrig und machen sich über die Pizza her. Es wird gelacht, geplaudert. An diesem Tag hat es Einsen geregnet. Für Marlene (13) und Samuel (16) in Mathe. Und für den elfjährigen Leonard in Biologie, seinem Lieblingsfach. „Wie findet ihr euer Experiment?“, will ich wissen. „Gut“, lautet die knappe wie ehrliche Antwort. Und Leo fügt hinzu: „Meine Ritterburg habe ich aber immer noch.“ Damit, so sagt er, können später ja auch noch andere Kinder spielen. Im Müll wird sie jedenfalls „niemals in der Welt“ landen. Auf dem Heimweg will ich mir am Bahnhof etwas zu trinken kaufen. Mir ist nach Apfelsaft zumute. Ich finde zwar fünf verschiedene Sorten, aber alle entweder in Plastikf laschen oder im Tetrapak. Dann fällt mein Blick auf steirisches Quellwasser in einer hübschen    Glasf lasche. Die nehm ich!   

Lego, Becher, Küchenstuhl – erstaunlich, wie viele Alltagsgegenstände aus Kunststoff gefertigt sind. Leider halten sie nicht ewig: Jeder von uns wirft pro Jahr rund 100 Kilo- gramm Plastik in den Müll

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Autor:
Sabine Vincenz