Kolumne: Kann man einen anderen Menschen lieben, wenn man sich selbst nicht liebt?

Kolumne: Kann man einen anderen Menschen lieben, wenn man sich selbst nicht liebt?

Ob man einen anderen Menschen lieben kann, wenn man sich selbst nicht liebt? Puh, diese Frage hat es ganz schön in sich. Zusammen mit Bloggerin Jana Huhn will ich ihr dennoch auf den Grund gehen!

Sich selbst zu lieben, ist nicht immer einfach. Noch komplizierter wird es, wenn dann auch noch ein Partner ins Spiel kommt. So manch einer behauptet nämlich, dass Selbstliebe die Voraussetzung für eine glückliche Beziehung ist  – und man einen anderen Menschen nur dann lieben kann, wenn man sich selber liebt. Aber stimmt das überhaupt?

Wohin mit all der Liebe?

Machen wir es kurz: Ich finde nicht. Denn nur weil ich mich selbst nicht lieben kann, bedeutet dies doch nicht, dass ich meinen Partner nicht lieben kann. Im Gegenteil! Neben all den anderen Dingen, für die ich ihn liebe, liebe ich ihn doch vielleicht auch gerade deswegen, weil er mich so nimmt, wie ich bin. Und irgendwo muss ich ja auch hin mit meiner ganzen Liebe, wenn ich mich selbst schon nicht lieben kann.

Aber dennoch stimme ich der Tatsache, dass Selbstliebe die Voraussetzung für eine glückliche Beziehung ist, zu. Warum? Na, ganz einfach! Mangelt es mir an Selbstliebe, bin ich zwar durchaus in der Lage, meinen Partner zu lieben. Seine Liebe anzunehmen fällt mir dafür aber umso schwerer.

Mangelnde Selbstliebe kann zu Problemen in der Beziehung führen

Was die Liebe zu mir selbst angeht, bin ich ein gebranntes Kind. In der Theorie weiß ich zwar, wie das mit der Selbstliebe funktioniert, in der Praxis kann es aber leicht passieren, dass mich schon ein kleiner Blähbauch völlig aus der Bahn wirft. „Habe ich etwa zugenommen?“ ist dann nicht nur die Frage, die ich mir selbst stelle – sondern vor allem auch meinem Partner. Noch schlimmer wird es, wenn ich mich regelrecht in meinen Wahn reinsteigere und mich plötzlich total unwohl in meiner Haut fühle. Weil ja, auch das lasse ich ihn dann natürlich spüren. Und was macht er? Er versucht mir das Gefühl zu geben, dass ich perfekt bin, so wie ich bin. Ob ich ihm das abnehme, steht allerdings auf einem ganz anderen Blatt. Die Kommunikation mit einem Menschen, der sich selbst nicht liebt, kann nämlich durchaus ziemlich schwierig sein. Und ja, auch ich nehme all die positiven Dinge, die mein Partner sagt, gerne falsch auf und grundsätzlich immer nur das Schlechteste an. Doch was kann ich dagegen tun?

Selbstliebe und Beziehung: Bloggerin Jana Huhn im Interview

Eine, die sich mit Selbstzweifeln ziemlich gut auskennt ist (Achtung, Girl Crush!) Jana Huhn, die ihre rund 105.000 Follower tagtäglich in ihre Gedankenwelt mitnimmt, über das Leben und die Liebe schreibt und vor allem eine Mission hat: Frauen Mut zu machen.

Als ich Jana gefragt habe, wie es bei ihr um die Selbstliebe steht, hat auch sie mir geantwortet, dass Sie sich mit absoluter Wahrscheinlichkeit nicht selber liebt und das es Phasen in ihrem Leben gibt, in denen sie nahezu alles infrage stellt.

Gerade in stressigen Momenten oder Momenten, in denen meine Erwartungen nicht erfüllt sind oder ich mich durch eine Situation getriggert fühle, die mich mental zurückwirft, mag ich gar nichts an mir.

Ob sie mir also bei meinem kleinen Problem helfen kann? Ich habe Jana in einem Interview zum Thema Selbstliebe und Partnerschaft befragt – und mir vor allem ein paar tolle Tipps von ihr eingeholt!

Jana, zu welchen Problemen kann es führen, wenn man in einer Beziehung mit Selbstzweifeln zu kämpfen hat?

Im schlimmsten Falle entsteht eine große Mauer zwischen zwei Menschen, die sich eigentlich lieben. Durch Rückzug und Distanz und dem Gedanken, da alleine durch zu müssen oder die Fehler mehr bei den anderen zu suchen als bei sich selbst, wird es meist komplizierter. Eines der wichtigsten Tools in einer Beziehung ist die Kommunikation und die Bereitschaft, gemeinsam zu wachsen, auch wenn es heißt, durch Berg und Tal zu müssen.

Kann dir dein Partner im Zweifel dabei helfen, dich selbst mehr zu lieben?

Ja, auf jeden Fall. Wenn man seine Ängste Schritt für Schritt beiseite räumt oder an ihnen arbeitet und ins kalte Wasser springt, entsteht Heilung durch Vertrauen.

Und wie können wir andersherum unserem Partner dabei helfen, dass auch er mehr Selbstliebe empfindet?

Indem wir offen mit unseren Stärken und Schwächen umgehen und vor allem die des Partners oder der Partnerin ernst nehmen und nicht herunterspielen. Man will sich ja verstanden, gehört und gesehen fühlen. Selbstliebe geht nicht von heute auf morgen, es ist teils ein lebenslanger Prozess.

Dein ultimativer Tipp für den Selbstliebe-Kick zwischendurch?

Sich bewusst machen, dass man nicht alleine ist mit seinen Ängsten, Gedanken und Sorgen und sich Menschen, Plattformen oder Rituale suchen, die einem guttun. Sich mit Menschen umgeben, die einen auffangen, anstatt herunterziehen und sich bewusst machen, dass vieles, was man beispielsweise auf Social Media ist, mehr Schein als Sein ist und dass hinter der Fassade derselbe Alltag herrscht wie bei einem selbst. Oft versucht man es nur zu überspielen. Aber wir kochen alle nur mit Wasser.

Selbstliebe ist die Voraussetzung für eine glückliche Beziehung

Es scheint, als wären Jana und ich uns ziemlich einig: Denn ja, Selbstliebe ist tatsächlich die Voraussetzung für eine glückliche Beziehung. Während ich jedoch bisher das Gefühl hatte, meinen Weg zu mehr Selbstliebe alleine gehen zu müssen, haben mir Janas Antworten das Gegenteil bewiesen. Offenheit, Kommunikation und vor allem eine Menge Vertrauen können mir dabei helfen, diesen Weg gemeinsam mit meinem Partner zu gehen. Und Janas Selbstliebe-Kicks für zwischendurch? Die nehme ich mir von nun an einmal öfter zu herzen.

Selbstliebe. Das ist Liebe zu uns selbst, die Liebe zu all unseren Stärken und Schwächen, zu all unseren Besonderheiten und Makeln. Doch was ist, wenn ich mich...
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