6. Dezember 2021
Kolumne: Ab heute feiere ich meine Vulva – und Sie sollten das auch!

Kolumne: Ab heute feiere ich meine Vulva – und Sie sollten das auch!

Die eigene Vulva feiern? Davon bin ich wahrscheinlich weit entfernt. Warum es dafür aber höchste Zeit ist und wie jeder ein Zeichen gegen Vulva Shaming setzen kann, darüber rede ich mit Content Creatorin Celine Krause.

Ganz egal ob es um Selbstliebe oder Partnerschaft geht – normalerweise habe ich kein Problem damit, in meiner Kolumne ein wenig aus dem Nähkästchen zu plaudern. Heute allerdings muss selbst ich all meinen Mut zusammen nehmen. Es geht nämlich um die Vulva. Also um das, was ich nur als „untenrum“ bezeichne – und zwar aus Scham, Wörter wie Vagina & Co. laut auszusprechen.

Ich habe da ein Problem, also "Untenrum"

Dabei bin ich ein recht offener Mensch: In meiner Erziehung wurde nie ein Blatt vor den Mund genommen, über Themen wie Sex zu sprechen ist kein Problem für mich und wer mich googelt, wird aller Wahrscheinlichkeit nach auch auf den einen oder anderen Artikel zum Thema stoßen. Also alles schön und gut. Sitze ich allerdings beim Frauenarzt, fehlen selbst mir die Worte. Und auch vor meinen engsten Freundinnen schaffe ich es einfach nicht, dieses „Untenrum“ abzulegen und die Dinge beim Namen zu nennen. Sex, ja. Scheidenpilz, nein.

Was in diesem Fall nicht gerade tröstlich ist: Ich bin mit diesem Problem nicht alleine. Während viele Männer ihren Penis voller Stolz tragen, schämen Frauen sich, wenn sie ihr Geschlechtsteil auch nur benennen sollen. Irgendwie wird uns dieses Verhalten ja auch nahegelegt, macht sich die Scham doch selbst im Wort „Schamlippen“ breit.

Unrealistische Vulva-Schönheitsideale führen zu chirurgischen Eingriffen

Und es geht noch weiter: Nicht nur, dass es einem schwerfällt, über die Vulva zu reden – viele schämen sich auch für ihr Aussehen. Die internationale Gesellschaft für Ästhetisch-Plastische Chirurgie (ISAPS) hat 2018 Statistiken zu chirurgischen Eingriffen veröffentlicht und dabei festgestellt, dass sich die Anzahl der durchgeführten Vulvalippenkorrekturen um ein Vielfaches gesteigert hat. Im Jahr 2017 verzeichnete die Korrektur der Vulvalippen mit 23 % gegenüber dem Vorjahr sogar den stärksten Anstieg aller chirurgischen Eingriffe. Grund dafür sind vor allem unrealistische Vulva-Schönheitsideale.

Und ja, auch ich habe mich gerade einmal wieder dabei erwischt, wie ich mir die "perfekte Vulva" als symmetrisch, glatt und rasiert vorstelle. Ein riesengroßer Fehler, wie ich jetzt weiß. Gerade ich, die immer den Anspruch an sich selbst hat, die eigene Stimme für etwas Sinnvolles zu nutzen und irgendwas zu bewegen in dieser Welt. Ja, auch ich möchte dazu beitragen, dem Vulva Shaming endlich ein Ende zu bereiten. Und weil ich das offensichtlich nicht alleine kann, habe ich mir Hilfe gesucht.

Content Creatorin Celine Krause im Interview

Ich durfte eine Frau interviewen, die kaum ein Tabu kennt und mir im Kampf gegen Vulva Shaming ein echtes Vorbild ist: Celine Krause scheut sich nicht davor, mit ihren treuen Insta-Followern über Themen wie die Enttabuisierung der Menstruation oder Vulva-Diversity zu sprechen. Sie will das Schweigen brechen, auch in der Öffentlichkeit – und hat den Mut, das auszusprechen, was wir uns alle viel zu lange nicht getraut haben. Mich eingeschlossen!

Celine, warum gilt alles, was die Vulva betrifft, noch immer als Tabu-Thema?

Celine: "Die Vulva hatte leider noch nie eine besonders große Präsenz im öffentlichen Raum. Die Überschrift „10 Tipps, die deine Vulva glücklich machen“ in der Zeitschrift am Kiosk, oder ein beiläufig präsentierter Fakt über Vulven in einem Small Talk sind bisher noch ziemlich unkonventionell, wären aber mal ein netter Anfang. Um das Thema „Vulva“ zu enttabuisieren, müssen wir es überhaupt erst mal zu einem Thema machen."

Woher kommen all die unrealistischen Schönheitsideale – gerade auch in Bezug auf die Vulva?

Celine: "Da Vulven außerhalb der Pornoindustrie so gut wie nie in den Medien abgelichtet werden, sind Pornos quasi das Monopol für Vulva-Schönheitsideale. Das ist ziemlich kontraproduktiv, da die Vulven in Pornos oft genauso realitätsfern sind wie der inszenierte Sex."

Welche Probleme bringt es mit sich, wenn wir uns für unsere Vulva schämen? Kann sich Vulva Shaming zum Beispiel auch auf unser Sexleben auswirken?

Celine: "Das bringt mit Sicherheit einige Probleme mit sich. Besonders, wenn wir uns selbst für unsere Vulva schämen. Schamgefühle sind bekanntlich nicht erotischer Natur. Man will sich ja auch zurücklehnen und entspannen können, ohne sich dabei den Kopf über das Aussehen der eigenen Vulva zu zerbrechen. Aber falls das beim Entspannen helfen sollte: Das Aussehen der Vulva ist dem/der Sexpartner*in vermutlich ohnehin viel, viel egaler als einem selbst. Und falls nicht: it’s not for you."

Was man für mehr Selbstliebe tun kann, wissen wir – doch was können wir machen, um auch unsere Vulva lieben zu lernen?

Celine: "Vielleicht sollte vor der Vulva-Liebe erst mal die Vulva-Akzeptanz kommen: Eher eine Art lockeres Kumpel-Verhältnis. Zum Beispiel einfach mal einen Spiegel nehmen und sich alles in Ruhe angucken, um festzustellen: „Sieht eigentlich gar nicht so schlimm aus“. Die Akzeptanz der eigenen Vulva ist aber vor allem ein Prozess und wahrscheinlich nicht mit einmal Anschauen erledigt. Deswegen kann es auch hilfreich sein, sich neben dem Aussehen auch mal die Funktionen der Vulva zu vergegenwärtigen: Die Vulvalippen schützen unsere Vagina vor Infektionen, die Klitoris sorgt für Orgasmen. Zwei Dinge, die ich auf keinen Fall missen möchte."

Wie können wir offener über solche Themen sprechen?

Celine: "Einfach machen. Klingt vielleicht banal, mache ich aber ständig. Je länger man vorher darüber nachdenkt, desto größer wird auch die Hemmschwelle. Also einfach raus damit. Ich versuche sowohl mit Freund*innen als auch auf Instagram so offen wie möglich über solche Themen zu sprechen. Welche Orgasmus-Arten gibt es eigentlich? Und habt ihr euch schon mal für eure Vulva geschämt? Haben wir alles schon besprochen und es war jedes Mal sehr bereichernd."

Wie können wir jetzt ein Zeichen gegen Vulva Shaming und für mehr Vulva Diversity setzen?

Celine: "Ich bin ein großer Fan von Vulva-Illustrationen. An meiner Wand hängt zum Beispiel ein großer Vulva-Kunstdruck und Vulva-Socken habe ich mittlerweile auch. Ich glaube, es hilft sich Vulven erst mal zu visualisieren, in allen möglichen Formen und Hautfarben. Alle haben schon mal einen Penis auf ein Blatt Papier gekritzelt, lang oder kurz, dick oder dünn, behaart oder rasiert. Aber Vulven? Da fehlt es noch an Vorstellungskraft."

Übrigens: Die La Dolce Vulva Socken von MSTRY Berlin x GoFeminin, mit denen auch Celine ein Zeichen gegen Vulva Shaming setzt, können Sie hier bestellen >>

Last but not least: Deine 3 Gründe für mehr Vulva-Positivity

Celine: "Das mache ich kurz – unsere Vulva ist absolut unique, ein toller Icebreaker in Small Talks und hat schon genug mit Stigmatisierungen zu kämpfen!"

In dem Buch "A Celebration of Vulva Diversity" ist der Name Programm >>

Darum sollten wir unsere Vulva von nun an viel öfter feiern

Die Vulva als Icebreaker nutzen – ich glaube, das kann ich. Von Celine habe ich gelernt, dass es auch im Kampf für mehr Vulva Diversity vor allem die kleinen Dinge sind, die Großes bewirken können. Dass wir unsere Vulva erst einmal zum Thema machen müssen, um Tabus zu brechen. Und vor allem, dass es keinerlei Gründe gibt, sich zu schämen. Im Gegenteil! Die eigene Vulva als Kumpel? Ich war ja schon immer ein offener und kommunikativer Mensch ...

Ob man einen anderen Menschen lieben kann, wenn man sich selbst nicht liebt? Puh, diese Frage hat es ganz schön in sich. Zusammen mit Bloggerin Jana Huhn will...
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