Drei Pendler erzählen Die gewonnene Freiheit

Stundenlange Fahrten, wöchentliche Abschiede, kein echtes Zuhause: Für den Job nehmen das unzählige Deutsche in Kauf. Mobilität gilt längst als selbstverständlich. Drei Pendler erzählen von Last und Bereicherung.

Mobilitaet3.jpg

Dr. Ralf Wieking
38, Oberstabsarzt, Familie in Hamburg, Arbeit 170 km nördlich „Das Gute an meinem Zweitwohnsitz an der Ostsee: Er ist für die Familie wie eine Ferienwohnung. Die Fahrten finde ich okay, weil ich Hörbücher höre. Am Wochenende darf sich meine Frau vom Alltagsstress erholen, ich bin für die Kinder zuständig. Nur das Gefühl, an einem Ort langfristig zu Hause zu sein, vermisse ich manchmal.“

Tatsächlich empfinden Pendler ihren Alltag als weniger stressig, wenn das Modell frei gewählt ist und Spielraum bietet. „Da genügt es oft schon, wenn man nicht zu Stoßzeiten fahren muss, der Arbeitgeber Verständnis hat und eine gewisse Flexibilität zulässt“, sagt Dr. Lück. Vielleicht ist die allseits geforderte Mobilität aber auch ein Modell, das sich nur für bestimmte Lebensabschnitte eignet.

Dem stimmt Michaela Störr (35) zu. Die Münchnerin und ihr Freund kennen nur die Liebe auf Distanz. Weil die PR-Beraterin und Reiseunternehmerin selbstständig arbeitet – Laptop immer dabei! – kann sie öfter mal übers Wochenende hinaus bei ihm im schweizerischen St. Gallen sein. „Diese Freiheit ist ausschlaggebend dafür, dass wir die Pendelei schon seit fünf Jahren aushalten.“ Zumal sie zusätzlich zu den privaten Autofahrten auch für ihre Firma häufig reist. Sie sieht es als Vorteil, dass jeder an den getrennten Tagen Zeit für den eigenen Freundeskreis oder Hobbys hat.

Dass räumliche Distanz Paare sogar glücklicher machen kann, hat die Psychologin Fanny Jimenez von der Berliner Humboldt-Uni erforscht. Allerdings soll das nur für die ersten drei Jahre gelten. Michaela Störr gibt zu: „Wir sind uns einig, dass zwei Wohnsitze keine Dauerlösung sind – schon gar nicht, wenn doch irgendwann Familienplanung zum Thema wird.“

1 2 3
Schlagworte:
Autor:
Nicole Ehlert, Sibylle Royal