Die letzte ihres Standes Die Kunst der Bonbonherstellung

In unserer Serie stellen wir Ihnen einmal im Monat einen Handwerksberuf vor, der schon fast ausgestorben ist. Diesmal: die Zuckerbäckerin Sabine Pingel-Graßhoff aus Bendorf

 

Nach einigen Minuten steigt das Thermometer im Topf auf 140 Grad an – und dann muss plötzlich alles sehr schnell gehen: Pingel-Graßhoff wuchtet den Kessel in die Höhe, schleppt ihn aus der Küche bis vor eine gekühlte Stahlplatte und kippt den Sirup mit mächtig viel Schwung darauf. Streut Natron und Weinsäure darüber, gibt ein, zwei, drei Tropfen Lebensmittelfarbstoff dazu und knetet den Teig anschließend so lange, bis er grell-pink leuchtet wie der Kuchen auf einem Kleinmädchen-Geburtstag. Die Muster-Bonbons im Regal aber schimmern blassrosa? Die Zuckerbäckerin lächelt: „Für die richtige Farbe muss ich den Teig noch ziehen – und zwar solange er warm ist.“

Bunte Lollis

Diese bunten Lollis warten auf Genießer.

Sie sagt es, schlingt den süßen Strang eilig über eine dicke massive Stange und fängt an, ihn kräftig in die Länge zu ziehen. Immer wieder, bis der Teig verführerisch-dezent schimmert, bonbonfarben eben. Nun quetscht Pingel-Graßhoff ihn in eine Walze, und wenige Minuten später fallen Hunderte Bonbons klackernd in einen Plastikbehälter. „Bonbons zu machen ist immer wieder ein Zauber: Man hat Zucker, Wasser und ein paar Kleinigkeiten – und kriegt am Ende etwas so Schönes, das auch noch schmeckt.“ Bevor die Brocken, die auf der Zunge prickeln, im Wachspapier mit dem Firmenlogo landen, schnappt sich die Zuckerbäckerin selbst einen. „Ich nasche immer noch gern, jeden Tag. Das gehört dazu – als Qualitätskontrolle.“

Mehr als ein Scherz: Alles, was neu verkauft wird, hat jeder aus der Familie wenigstens einmal probiert – und für gut befunden. „Erst dann gehen die Sorten auf den Markt“, sagt die Zuckerbäckerin und eilt weiter zur nächsten Maschine. Dort rutschen gerade die „Stamper-Lollis“ vom Band: cremig-weicher Bonbonteig, mal mit, mal ohne Salmiak – aber immer mit Schokoladenüberzug. Wer hineinbeißt, wird süchtig: Der Teig klebt süß an den Zähnen, zieht Fäden und schmeckt nach Jahrmarkt und Geborgenheit. „Diese Lollis sind gerade die Renner im Verkauf“, so Pingel-Graßhoff.

 

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