Die letzte ihres Standes Bonbons rattern übers Fließband

In unserer Serie stellen wir Ihnen einmal im Monat einen Handwerksberuf vor, der schon fast ausgestorben ist. Diesmal: die Zuckerbäckerin Sabine Pingel-Graßhoff aus Bendorf

 

Als Kind durfte sie zwischen den glänzenden Maschinen herumspringen, auf denen Bonbons übers Fließband ratterten – und naschen, was sie wollte. Sie beobachtete, wie die Eltern Zuckerstangen mit der Hand drehten, Salmi-Lollis mit der Schneiderschere teilten und die Spezialität, rot-weißen Hamburger Speck, eine Art fruchtiger Zuckerschaum, mit dem Wiegemesser schnitten. Jede Woche saß sie mit im Verkaufswagen auf den Wochenmärkten und sah, wie sich die Freude über gerade erstandene gezuckerte Träume im Gesicht der Kunden spiegelte. Zwar lernte Pingel-Graßhoff zunächst Konditoreifachverkäuferin – länger als die Lehrjahre hielt es sie aber nicht fern vom elterlichen Betrieb. „Süßes macht glücklich, Süßes herzustellen noch mehr“, sagt sie.

Kokosflocken-Schokolade

Die Kokosflocken bekommen ihre Schokohaube.

Besonders montagnachmittags, wenn in Bendorf Trüffelzeit ist: Dann füllt die Zuckerbäckerin Schokokugeln mit selbst kreierten Cremes und verfeinert sie zu Baileys-Törtchen, Erdbeer- Eiern und Sahne-Karamell-Herzen. „Dienstags, donnerstags, freitags und samstags fahre ich dann mit meinen Eltern nach Hamburg auf die Märkte. Natürlich ist auch mal ein Muffelkopp unter den Kunden. Und wenn der die Trüffel probiert und mit einem Lächeln von unserem Stand weggeht – ein tolles Gefühl.“

An diesem Mittwochmorgen stehen jedoch erst einmal Brausebonbons auf dem Plan: Pingel-Graßhoff stellt einen großen Kupferkessel auf den offenen Herd und lässt Zuckerwasser hineinfließen. Sie rührt und rührt, immer wieder schlägt eine Flamme von außen ans Metall. „Das Feuer gibt einen besonderen kräftigen Geschmack – Bonbons aus der Industrie haben den nie.“ Gemächlich brodelt der Sirup in dicken Blasen, ab und an bürstet die Zuckerbäckerin etwas Wasser an den Kesselrand, damit sich keine Zuckerkristalle absetzen.

 

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