Weibliche Eigenschaften sind wichtig wie nie Vermeintliche Schwächen werden Stärken

Sich kümmern, Kontakte pflegen, kommunizieren: Typisch weibliche Eigenschaften sollen jetzt helfen, die Wirtschaftskrise zu überwinden - und die Welt friedlicher machen

Dass vermeintliche Schwächen von Frauen nun zunehmend als Stärken entdeckt werden, begrüßt auch die gefragte Management-Trainerin und Autorin Sabine Asgodom: „Die Wirtschaftskrise hat viele zum Nachdenken gebracht. ,Ich kann alles und bin der Größte‘, diese männliche Haltung ist gescheitert.“ Allerdings bezweifelt die Münchnerin,dass heutiges Umdenken auf echter Einsicht beruht: „Es ist nicht die große Frauenfreundlichkeit ausgebrochen.“ Sondern? „Erfahrene männliche Führungskräfte werden knapp. Und außerdem kann man sich mit dem Thema im Moment profilieren.“

Sich kümmern, zuhören, im Team arbeiten, Bedenken äußern, Menschen mitnehmen und motivieren, das sind für Sabine Asgodom weibliche Stärken, durch die sich nicht nur im Berufsleben plötzlich neue Möglichkeiten auftun. In einem Vortrag spitzte sie ihre Meinung in sieben amüsanten Thesen zu – und kam zu dem gleichen Schluss wieder sehr viel sanftmütiger formulierende Dalai Lama: Es liegt jetzt in den Händen der Frauen, den Lauf der Dinge zu ändern, und zwar, weil sie anders denken und handeln als Männer. Allerdings, so Asgodom, wird das nicht von allein passieren: „Frauen können nur die Welt retten, wenn sie ins Risiko gehen, mit ihrer Überzeugung, mit ihrer Klugheit, mit ihrer Unsicherheit, mit ihrer Unangepasstheit, mit ihren vermeintlichen Defiziten, die sich als Geschenk entpuppen werden. Also wenn sie sich trauen, sich einzumischen.“ (Den Vortrag können Sie im Internet unter www.frauen-retten-die-welt.de nachlesen.)

Den Lauf der Dinge ändern

Mehr Emotionalität – weniger Härte: An den weiblichen Eigenschaften, mit denen Frauen die Kindererziehung, die Partnerschaft sowie langjährige Freundschaften gelingen, orientieren sich mittlerweile immer mehr Männer. Gerade die jüngeren Generationen bis 40 verändern ihr Verhalten im Privaten. Teilen sich mit ihren Lebenspartnerinnen ohne Murren die Hausarbeit, gehen sonntags mit auf den Spielplatz, stellen Überstunden wenn möglich zurück, um mehr Zeit für die Beziehung zu haben. Auch Unternehmen begreifen, dass sich weibliche Stärken in männlichen Köpfen verankern müssen: Soziale Kompetenz, Empathie, Organisationstalent und emotionale Intelligenz sind mittlerweile ein fester Bestandteil von männlichen Management-Trainings. Wenn sich alle Hoffnungen, die auf weiblichen Stärken beruhen, tatsächlich erfüllen,werden Frauen die großen Gewinner dieses Jahrhunderts sein. Allein die Tatsache, dass die Wirtschaft dringend weibliche Fachkräfte braucht, eröffnet nie da gewesene Chancen. Außerdem: flexible Arbeitszeitmodelle, mit denen sich Job und Familie besser unter einen Hut bringen lassen als bisher, scheinen endlich möglich. Wir sollten diese Chancen nutzen und zeigen, was wir können.

Buchtipps

„Der Weisheit des Herzensfolgen“, Dalai Lama, DTV, 14,90 Euro.
„Womenomics“, Claire Shipman und Katty Kay, Eichborn Verlag, 19,95 Euro.

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Autor:
Susanne Kohl