17. Juni 2021
Migräne und Wechseljahre - Hormone und was wirklich hilft

Migräne in den Wechseljahren – was sie auslöst und wie sie sich lindern lässt

Quälende und anhaltende Kopfschmerzen – für viele eine unschöne Vorstellung, für 10 bis 15 Prozent der Deutschen jedoch Realität1. Sie leiden an Migräne, Frauen dreimal häufiger als Männer. Bei der Erkrankung führen verschiedene Vorgänge im Gehirn zu einer Entzündungsreaktion.

Kopfschmerzen
© Thinkstock

Welche Rolle hormonelle Faktoren und die Wechseljahre spielen, was hormonelle Migräne ist und wie erfolgreiche Migräne-Prophylaxe aussehen kann, das lesen Sie in diesem Artikel.

Was ist Migräne?

Migräne, darunter versteht man wiederholte, meist sehr starke, pulsierende, einseitig auftretende Kopfschmerzen. Bei Erwachsenen dauert ein Migräneanfall im Schnitt wenige Stunden bis hin zu drei Tagen.2 Dazu leiden Betroffene unter weiteren Symptomen. Typisch sind Übelkeit, Erbrechen, Schwindel oder eine Überempfindlichkeit gegenüber Geräuschen, Licht oder Gerüchen. Manche Patienten entwickeln zudem visuelle Störungen, Aura genannt.

Die Erkrankung wird zwar vorrangig bei Menschen zwischen dem 25. und 50. Lebensjahr diagnostiziert, aber auch jüngere und ältere Menschen sind nicht davor gefeit, eine Migräne zu entwickeln.3 Die Symptome im Kindesalter sind meist weniger ausgeprägt, dort stehen eher Bauchschmerzen, Schwindel und Übelkeit im Vordergrund.

Die Migräne-Ursache ist noch immer Gegenstand der Forschung. Die Aktivierung schmerzverarbeitender Zentren und die Ausschüttung schmerzvermittelnder Botenstoffe scheinen aber eine zentrale Rolle zu spielen.

Migräne und hormonelle Faktoren

Hormonelle Schwankungen (hormonelle Migräne) sind häufig am Krankheitsverlauf beteiligt. So fällt auf, dass sich die Frequenz und Intensität der Migräne im Laufe des Lebens verändern. Viele Frauen berichten zum Beispiel von stärkeren Migräne-Beschwerden vor der Menopause, während sie danach eine deutliche Verbesserung spüren.

Migräne und Wechseljahre – Besonderheiten in und nach den Wechseljahren

Während der Wechseljahre verändert sich der weibliche Zyklus stark. Gab es bisher einen monatlichen Ablauf, in dem eine Eizelle herangereift ist, bleibt der Eisprung mit zunehmendem Alter immer häufiger aus. Weibliche Geschlechtshormone wie Östrogen unterliegen in den Wechseljahren größeren Schwankungen, was zu Symptomen wie Hitzewallungen oder Nachtschweiß führt. Auch Migräne verschlechtert sich während der Wechseljahre oft, was vor allem am starken Abfall der Östrogenkonzentration liegt. Mit der Menopause, die letzte Blutung, enden die Wechseljahre schließlich. Dann bessert sich die Migräne bei circa 60 Prozent der Frauen wieder.4 Manche haben sogar keine Migräne-Attacken mehr, bei anderen nimmt die Erkrankung wieder das Niveau von vor den Wechseljahren ein.

Übrigens: Ähnlich verhält sich das bei Frauen mit Migräne vor der Periode, auch hier ist ein Abfall des Östrogenspiegels zu verzeichnen, was sich wiederum in den Tagen vor der Blutung mit häufig auftretenden Kopfschmerzen bemerkbar macht.

Migräne in der Schwangerschaft

Ein weiteres Phänomen in Bezug auf die Veränderungen und Entwicklungen der hormonellen Migräne besteht während der Schwangerschaft. Bei etwa 60 bis 70 Prozent der Migräne Patientinnen verbesserte sich die Symptomatik während einer Schwangerschaft merklich – auch hier nahmen Intensität und Frequenz ab oder verschwanden sogar ganz, so die Pharmazeutische Zeitung.5 Lediglich bei 5 Prozent zeigte sich eine Verschlechterung der Migräne.

Prophylaxe und Behandlung der hormonellen Migräne

Besprechen Sie die Behandlung Ihrer Migräne in den Wechseljahren mit einem Arzt. In den meisten Fällen wird die Therapie fortgeführt wie auch schon vor den Wechseljahren.

Es kommen während einer akuten Migräneattacke vorwiegend gängige Schmerzmittel wie Ibuprofen oder Acetylsalicylsäure zum Einsatz. Auch greifen viele Betroffene auf spezielle Migräne-Medikamente, Triptane genannt, zurück. Medikamente gegen Übelkeit ergänzen die Akuttherapie.

Daneben hilft vielen nur noch der Rückzug in ein abgedunkeltes und ruhiges Zimmer, bis sich die Attacke gelegt hat.

Zur Migräne-Prophylaxe stehen eine Reihe Medikamente zur Verfügung, die regelmäßig eingenommen werden müssen. Dabei handelt es sich beispielsweise um Antidepressiva. Seit einigen Jahren sind zudem Antikörpertherapien für schwere und chronische Migräne als Vorbeugung zugelassen.

Als allgemeine Unterstützung und zur Migräne-Prophylaxe können zusätzlich Entspannungstechniken, Akupunktur und die Bioresonanz genutzt werden. Denn häufig ist ein regelmäßiger, zu hoher Schmerzmittelkonsum über längere Zeit ein Problem, das dann wiederum eine Verschlechterung herbeiführen und zu einem chronischen Verlauf der Migräne beitragen kann.

Achten Sie generell darauf, dass Sie möglichst ausreichend Schlaf, regelmäßige Mahlzeiten und Bewegung sowie die Aufnahme von genügend Flüssigkeit in Ihren Alltag integrieren. Viele Betroffene lernen mit der Zeit ihre individuellen Auslöser der Migräne besser kennen und meiden.

Wenn auch Sie befürchten, von Migräne betroffen zu sein, sprechen Sie Ihren Arzt darauf an. Nutzen Sie auch Angebote wie spezielle Migräne-Selbsthilfegruppen für den gezielten Austausch. Nicht selten ist der Leidensdruck ohne Unterstützung unnötig groß und der Austausch mit anderen Betroffenen förderlich, um eigene individuelle Lösungen für den Alltag zu finden.

1 DAN Netzwerk Deutscher Apotheker GmbH: „Migräne“ URL: https://www.apotheken.de/krankheiten/4692-migraene (07.06.2021)

2 The International Classification of Headache Disorders 3rd edition (Beta version).: Migräne ohne Aura. URL: https://ichd-3.org/de/1-migrane/migraene-ohne-aura/ (16.06.2021).

3  Neurologen und Psychiater im Netz. Abgerufen unter: https://www.neurologen-und-psychiater-im-netz.org/neurologie/erkrankungen/migraene/was-ist-migraene/ (16.06.2021).

4  Totzeck, A. & Diener H. C. (2016): Migräne. in: Gaul, C./Diener, H.C.: Kopfschmerzen, Stuttgart, New York: Thieme Verlag. S. 62.

5 Pharmazeutische Zeitung online, DIE ZEITSCHRIFT DER DEUTSCHEN APOTHEKER, Avoxa – Mediengruppe Deutscher Apotheker GmbH: „Schmerztherapie unter anderen Umständen“ URL: https://www.pharmazeutische-zeitung.de/schmerztherapie-unter-anderen-umstaenden/

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