19. Juli 2021
Herzinsuffizienz erkennen und behandeln

Herzinsuffizienz – Ursachen, Symptome, Behandlung

Unter einer Herzinsuffizienz verstehen Mediziner eine Schwächung des Herzmuskels.1 Das Herz ist nicht mehr in der Lage, den Körper ausreichend mit Blut, Sauerstoff und Nährstoffen zu versorgen. Die Herzmuskelschwäche hat verschiedene Ursachen und äußert sich teilweise in Symptomen, die Sie nicht unbedingt an eine Herzschwäche denken lassen.

Untersuchung Herz
© Sitthiphong/iStock
Wie entsteht eine Herzinsuffizienz und woran erkennen Sie sie rechtzeitig? Erfahren Sie hier alles zur Herzmuskelschwäche und ihren Behandlungsmethoden.

Herzschwäche ist nicht gleich Herzschwäche

Je nach Verlauf und betroffenen Bereichen des Herzens teilen Mediziner die Herzschwäche unterschiedlich ein: Bei der akuten Herzinsuffizienz treten die Beschwerden plötzlich auf (etwa nach einem Herzinfarkt), während sich eine chronische Herzmuskelschwäche über einen längeren Zeitraum entwickelt – zum Beispiel durch dauerhaft erhöhten Blutdruck.2

Ist nur eine Herzkammer betroffen, sprechen Ärzte von der Links- oder Rechtsherzinsuffizienz. Betrifft die Leistungsminderung allerdings beide Kammern, leiden Betroffene an einer Globalinsuffizienz.3

Mediziner ziehen auch die Art des Schweregrads zur Differenzierung heran. Für die Herzinsuffizienz-Behandlung sind sowohl der aktuelle Befund sowie das Erkennen der Ursachen entscheidend.

Ursachen einer Herzinsuffizienz

Der Herzmuskel kann durch viele Vorgänge im Körper beeinträchtigt werden. Zu den häufigsten gehört die Verkalkung in den Gefäßen, die das Herz versorgen.4 Die Patienten leiden dann an der koronaren Herzkrankheit.5 Ebenfalls eine geläufige Ursache ist der Bluthochdruck.6 Er verlangt dem Herzen eine Mehrleistung ab, die es dauerhaft nicht bewältigen kann –Folge ist dann eine Herzschwäche.

Nach einem verschleppten Infekt ist es möglich, dass sich der Herzmuskel entzündet. Die daraus resultierenden Schädigungen enden nicht selten in einer Herzinsuffizienz. Unter Umständen sammelt sich bei einer solchen Entzündung Flüssigkeit im Muskel an und beeinträchtigt dessen Leistung zusätzlich. Herzrhythmusstörungen führen unter Umständen ebenfalls zu einer Herzinsuffizienz, müssen aber nicht mit einer solchen einhergehen. Nicht zuletzt mindern auch anatomische Fehlbildungen wie ein Loch in der Herzscheidewand oder Klappenfehler die Versorgungsleistung des Herzens.

Neben verschleppten bakteriellen Infekten begünstigen außerdem einige chronische Krankheiten eine Herzmuskelschwäche. Dazu gehören unter anderem Erkrankungen der Leber, Niere oder des Blutsystems, Diabetes mellitus, eine gestörte Schilddrüsenfunktion und Lungenerkrankungen wie ein Lungenemphysem (Erweiterung und Zerstörung der Lungenbläschen).7 Selten liegt die Ursache in Medikamenten, mit denen Herzrhythmusstörungen behandelt werden.

Herzinsuffizienz an Symptomen erkennen

Einige Symptome der Herzschwäche sind vom betroffenen Teil des Herzens abhängig. Zu den allgemeinen Erscheinungen zählen Wassereinlagerungen in verschiedenen Geweben.8 Der Körper versucht sie vor allem in der Ruhephase im Schlaf wieder loszuwerden. Die Folge: Betroffene müssen in der Nacht ungewöhnlich oft zur Toilette.

Häufig fällt bei Patienten aber als erstes eine generell geringere Leistungsfähigkeit auf.9 Sie sind eher müde, fühlen sich erschöpft und kommen bei Anstrengung auffallend schnell aus der Puste. Ebenfalls leiden viele Patienten unter Belastung an Herzrasen. Bei einer fortgeschrittenen Herzinsuffizienz können auch Herzrhythmusstörungen auftreten, die selten sogar tödlich enden.10 Eine unregelmäßig tiefe Atmung weist unter Umständen ebenfalls auf eine fortgeschrittene Herzmuskelschwäche hin.

Rechtsherzinsuffizienz

Die rechte Herzkammer transportiert beim gesunden Herzen das sauerstoffarme Blut aus dem Körperkreislauf in die Lunge. Schafft das die Herzhälfte nicht mehr zuverlässig, liegen jene für die Herzinsuffizienz typischen Wasseransammlungen in der unteren Körperhälfte vor: Zuerst überwiegend sicht- und spürbar in den Beinen sowie Füßen, später im Bauchraum.11 Stauungen können aber auch in der Leber oder den Nieren vorkommen.12 Dann rühren Symptome wie Übelkeit, Appetitlosigkeit und Schmerzen im Oberbauch von einer Herzschwäche her. Durch die Wasseransammlungen nehmen Herzpatienten außerdem deutlich an Gewicht zu, selbst wenn sie durch Magenbeschwerden weniger als üblich essen.

Linksherzinsuffizienz

Bei einer Linksherzinsuffizienz schafft es die linke Herzkammer nicht mehr, das sauerstoffreiche Blut in den Blutkreislauf zu pumpen. Die Herzschwäche verursacht dann einen Rückstau von Blut in der Lunge, wo sich als Folge Flüssigkeit ansammelt. Die Funktion ist so weit eingeschränkt, dass die Patienten mit Hustenreiz reagieren und über Atemnot klagen – anfangs tritt sie nur bei Belastung, später auch in Ruhe auf.13 Durch die Flüssigkeit in der Lunge hört der Arzt beim Abhören zudem typische Rasselgeräusche beim Atmen.14

Herzinsuffizienz behandeln

Je nach Ursache, konkreten Symptomen und Schweregrad der Herzmuskelschwäche kommen unterschiedliche Therapien in Frage. In der Schulmedizin gibt es eine ganze Reihe wirksamer Medikamente: Zu den bekanntesten zählen ACE-Hemmer und Betablocker.15 Erstere senken den Blutdruck, letztere reduzieren Blutdruck, Puls und beugen gefährlichen Herzrhythmusstörungen vor – welche Mittel zum Einsatz kommen, hängt letztendlich von der Art der Herzschwäche ab.16 Auch einige andere Medikamente setzen direkt am Blutkreislauf sowie Herzen an. Entwässerungsmittel dagegen sorgen für die Ausscheidung überflüssiger Wasseransammlungen.

Darüber hinaus gibt es Pflanzen fürs Herz: Dazu zählt Digitalis, der Fingerhut, dessen Gift die Pumpleistung des Herzens verbessert.17 Diese Präparate sind allerdings verschreibungspflichtig.

Zudem kann ein spezielles körperliches Training bei Menschen mit Herzschwäche helfen. Es beinhaltet ein angepasstes Ausdauer- und Muskeltraining, wodurch Betroffene die körperliche Belastbarkeit erhöhen und ihre Lebensqualität verbessern können. Außerdem gilt ein striktes Nikotin- und Alkoholverbot.

1 Stiftung für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen: Herzschwäche. URL: https://www.gesundheitsinformation.de/herzschwaeche.html (16.7.2021).

2 ebd.

3 AOK Pflege Akademie der AOK Nordost - Die Gesundheitskasse: Herzinsuffizienz – Symptome. URL: https://aok-pfiff.de/haeufige-krankheitsbilder/herzinsuffizienz (19.07.2021).

4 Universitätsklinikum Jena: Koronare Herzkrankheit. URL: https://www.uniklinikum-jena.de/htchirurgie/Herzchirurgie/Koronare+Herzkrankheit.html (19.07.2021).

5 ebd.

6 Stiftung für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen: Herzschwäche. URL: https://www.gesundheitsinformation.de/herzschwaeche.html (19.7.2021).

7 Helmholtz Zentrum München – Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt (GmbH): Lungenemphysem. URL: https://www.lungeninformationsdienst.de/krankheiten/lungenemphysem/index.html (19.07.2021).

8 Stiftung für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen: Herzschwäche. URL: https://www.gesundheitsinformation.de/herzschwaeche.html (19.07.2021).

9 Techniker Krankenkasse: So erkennen Sie eine Herzinsuffizienz. URL: https://www.tk.de/techniker/gesundheit-und-medizin/behandlungen-und-medizin/copd/tk-plus-bei-copd/dmp-news/so-erkennen-sie-eine-herzinsuffizienz-2080482 (19.07.2021).

10 Stiftung für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen: Koronare Herzkrankheit. URL: https://www.gesundheitsinformation.de/folgeerkrankungen-einer-koronaren-herzkrankheit.html (19.07.2021).

11 Deutsche Herzstiftung e. V.: Rechtsherzinsuffizienz: Symptome und Therapie. URL: https://www.herzstiftung.de/infos-zu-herzerkrankungen/herzinsuffizienz/rechtsherzinsuffizienz (19.07.2021).

12 ebd.

13 Bundesministerium für Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz (BMSGPK): Linksherzinsuffizienz. URL: https://www.gesundheit.gv.at/lexikon/l/linksherzinsuffizienz (19.07.2021).

14 ebd.

15 Bundesministerium für Gesundheit (BMG): Herzschwäche. URL: https://gesund.bund.de/herzschwaeche (19.07.2021).

16 ebd.

17 AOK – Die Gesundheitskasse in Hessen: Der Fingerhut: giftige Heilpflanze und Herzmittel. URL: https://aok-erleben.de/der-fingerhut-giftige-heilpflanze-und-herzmittel/ (19.07.2021).

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