21. März 2012
Sitz-Ratgeber

Sitz-Ratgeber

Kann man im Flugzeug gesund sitzen? Oder auf dem Barhocker? Unsere Medizin-Redakteurin Dagmar Metzger hat sich vom Rückenspezialisten Professor Ingo Froböse beraten lassen.

Sitzball
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Der Sitzball - gut für sportliche Pausen

„Die überdimensionale Plastikpille rollte Anfang der 90er-Jahre vom Gymnastikraum in die Büros. Ich finde es eher anstrengend, darauf zu balancieren. Oder ist das der Sinn der Übung?“

Angeblich sollen Sitzbälle Rückenproblemen vorbeugen. Aber wie benutzt man sie korrekt?

Keine gute Idee „Schwungvoll lasse ich mich auf den Ball plumpsen. Das ist gefährlich! Er rollt beinahe unter mir weg. Die Balance kann ich nur halten, wenn ich mich nach vorn beuge und einen Buckel mache. „Der Ball begünstigt solche Fehlhaltungen, die Schmerzen verursachen können“, erklärt Professor Froböse. „Und selbst wenn man sich genau in der Mitte platziert, muss die Muskulatur ständig arbeiten. Länger als 20 Minuten so zu sitzen ist ungesund. Fürs Büro ist der Ball sowieso ungeeignet, weil er nicht höhenverstellbar ist.“

So machen Sie es richtig „Nutzen Sie den Ball als Sportgerät in den Pausen“, empfiehlt der Spezialist. „Er eignet sich großartig dafür, den Rücken zu stärken.“ So geht’s: In die Mitte setzen, die Beine etwas mehr als hüftbreit öffnen und die Füße fest auf den Boden stellen. Das Becken aufrichten, bis man die Sitzhöcker spürt, und 20 Minuten auf und ab wippen.

Flugzeugsitz
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Der Flugzeugsitz - die Füße bleiben am Boden

„Auf solchen Sesseln angeschnallt habe ich schon mehrmals die Erde umrundet. Nicht immer bequem. Aber auch ungesund?“

Ich liebe Fliegen! Aber bei der Landung sind die Füße immer dick und die Rückenmuskeln hart wie Tropenholz. Gibt es dagegen einen Trick?

Keine gute Idee „Bloß nicht die Beine übereinanderschlagen“, warnt der Experte. „Damit üben Sie zusätzlichen Druck auf die Gefäße aus. Die leiden sowieso schon unter dem Bewegungsmangel.“ Ups! Meistens sitze ich dazu noch krumm und halte die Arme verschränkt. Ganz schlecht sei das: „So behindern Sie die Atmung. Das ist Stress für den Körper.“

So machen Sie es richtig „Rutschen Sie im Sitz ganz nach hinten, lehnen Sie sich entspannt zurück und stellen Sie die Füße hüftbreit plan auf. Die Haltung entlastet die Wirbelsäule, und Armlehnen schonen dazu die Schultern.“ Professor Froböse empfiehlt außerdem: „Fußgymnastik, einige Male Kreisen und Strecken im Wechsel, ungefähr alle 20 Minuten, beugt Thrombosen vor.“

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Der Klappstuhl - lieber nicht anlehnen

„Ein ähnlicher steht in meiner Küche, weil er so praktisch ist. Leider ist er so hart, dass mir nach drei Minuten der Po wehtut. Sollte ich ihn besser ausrangieren?“

Wer kennt das nicht: Der Po kriegt Rillen, und das Kreuz meldet sich. Wie lässt sich das verhindern?

Keine gute Idee „Ein sicherer Weg zum Rückenschmerz ist, die unflexible Bretterkonstruktion wie einen Bürostuhl zu benutzen und sich nach hinten zu lehnen“, erklärt Professor Ingo Froböse. „So quetschen Sie die Blutgefäße ab.“ Dagegen hilft auch kein Herumrutschen. Stellt man dann, zur vermeintlichen Po-Entlastung, lässig einen Fuß auf die Sitzfläche, wird die Atmung flacher und die Muskeln sind noch schlechter durchblutet. In der Folge können Verspannungen am ganzen Körper auftreten.

So machen Sie es richtig „Nehmen Sie weit vorn Platz, ungefähr auf dem dritten Holm“, rät der Experte. „Und zwar so, dass Sie Ihre Sitzhöcker spüren.“ Wo diese Knochen sind, merke ich, wenn ich auf dem harten Sitz leicht ins Hohlkreuz gehe. Weitere Tipps von Professor Froböse: „Die Füße stehen fest auf dem Boden, die Beine mindestens hüftbreit auseinander. In dieser offenen Position muss die Skelettmuskulatur am wenigsten Haltearbeit verrichten. Und besser nicht anlehnen, denn die kurze, starre Lehne ist ungeeignet, den mittleren und unteren Rücken zu stützen.“ Ein Kissen sei da keine Lösung, aber immerhin: Es hilft gegen den lästigen Rillenabdruck.

Barhocker
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Der Barhocker - zum Ausruhen ungeeignet

„Der Schrecken aller Menschen unter zwei Meter. Für mich bisher ein Garant für Kreuzschmerzen. Also lieber stehen?“, fragt Dagmar Metzger

Finden Sie nicht auch, dass der beste Platz an der Theke ist? Kommen die Gespräche ins Stottern, kann ich dem Barkeeper beim Zitronenschneiden zusehen. Und meinen Drink bekomme ich auch schneller. Der Hochstuhl in der ersten Reihe hat allerdings einen Nachteil: Spätestens nach einer halben Stunde zieht’s im Kreuz. Wie schaffen es eigentlich Stammgäste, den ganzen Abend auf diesem Ding auszuharren?

Keine gute Idee „Meist hocke ich wie ein Kind auf einem zu hohen Stuhl, lasse die Beine baumeln oder schlage sie übereinander, weil meine Füße die Querstrebe nicht erreichen. Professor Froböse: „Die Haltung ist nicht nur unbequem, sondern verführt auch zur Buckelhaltung, bei der sich die Muskeln im unteren Lendenbereich verkrampfen.“

So machen Sie es richtig „Am besten ist, stehen zu bleiben und nur mit halbem Po auf der Kante zu hocken. Ein Fuß bleibt dabei fest auf dem Boden. Den anderen kann man entspannt auf die Querstrebe stellen“, rät Ingo Froböse. „Wer mag, kann sich zusätzlich mit der Hand abstützen, indem man sie direkt neben das Gesäß legt.“ Ich habe es ausprobiert. Wenn ich ab und zu das Bein wechsle, halte ich problemlos das Gleichgewicht, stundenlang. Ein Barhocker sei nicht dafür gemacht, sich darauf auszuruhen, erklärt der Experte weiter: „Er ist vielmehr ein Kommunikationsmöbel. Im Stehsitz kann man sich wunderbar in alle Richtungen wenden und dadurch leichter mit anderen Gästen ins Gespräch kommen.“

Sitzsack
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Der Sitzsack - eine Einladung zum Liegen

„So schön weich und knuffig, dass ich immer Mühe habe, mich darauf wach zu halten. Was mache ich wohl falsch?“

Der mächtige Bruder des Kopfkissens ist seit ein paar Jahren wieder in Mode. Meine Berliner Freunde haben dafür kürzlich ihr Sofa abgeschafft. Seitdem sind meine Besuche bei ihnen kürzer geworden: Spätestens nach einer Stunde fallen mir darin die Augen zu.

Keine gute Idee „Wer versucht, auf dem nachgiebigen Sack gerade zu sitzen, versinkt in der weichen Styroporfüllung und fällt unweigerlich in sich zusammen. Das ist Gift für die Wirbelsäule“, sagt Professor Froböse.

So machen Sie es richtig „Ein tolles Möbel, um mal eine Pause vom Sitzen zu machen“, urteilt der Experte. So war der Sack bei seiner Erfindung 1968 auch gedacht: als Protest gegen die Starrheit der Nachkriegsjahre. Weich und anschmiegsam eignet sich das Kuschelmonster herrlich zum Liegen. Da drückt nichts, und es gibt auch nichts, was die Wirbelsäule quält. Man kann im Sitzsack prima gestresste Muskeln lockern. Meinen Freun den werde ich aber raten, sich wieder ein Sofa anzuschaffen.

Weiblicher Oberkörper mit Händen vor dem Bauch
Gesundheit beginnt im Darm, mit Laktobakterien zum gesundheitlichen Gleichgewicht.
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