19. März 2010
Schwelbrand ohne Schmerz

Schwelbrand ohne Schmerz

Für hartnäckige Infekte oder chronische Müdigkeit können Entzündungsherde irgendwo im Körper verantwortlich sein

Frau hat Schmerzen und liegt mit einer Wärmflasche auf dem Sofa
© Udo Kroener-Fotolia
Schwelbrand ohne Schmerz

Man ist ständig müde, wird den Atemwegsinfekt, die Blasenentzündung, die Magen-Darm-Geschichte einfach nicht los, und keine Therapie schlägt an. Man hat eine Odyssee durch Arztpraxen hinter sich – bis schließlich ein kluger Kopf auf die Idee kommt, dass die Ursache der Beschwerden ganz woanders im Körper liegen könnte. In der Fachsprache heißt das „entzündliches Herdgeschehen“ oder auch „Störfeld“. Typisch: Am Ursprungsort der Probleme selbst zeigen sich keinerlei Symptome. „Bei wiederkehrenden Beschwerden ohne klare Ursache und ohne Behandlungserfolg, bei Infektanfälligkeit oder verzögerter Wundheilung sollte man immer an versteckte Herde denken“, sagt der Zahnarzt Dr. Thorsten Hüttermann aus Oberhausen, der sich auf ganzheitliche Zahnmedizin und Störfelder spezialisiert hat. Weitere Alarmzeichen sind Zahnfleischentzündungen, Gelenkbeschwerden oder allergische Reaktionen, oft auch Kopf- und Nervenschmerzen. Patienten klagen über Abgeschlagenheit und Konzentrationsstörungen, auch nach ausreichend Schlaf oder einem Urlaub. Diese versteckten Entzündungen können gefährlich sein, denn sie fördern die Entstehung von schweren Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes, entzündlichen Darmerkrankungen und Rheuma.

Zuerst zum Zahnarzt


Zuerst zum Zahnarzt
Am Anfang des Schwelbrands im Körper steht meist ein Infekt. Irgendwann sind Bakterien in den Organismus eingedrungen und haben für sich, ihre Stoffwechselprodukte und Gifte eine neue Heimat gefunden – in den Zahnwurzeln, Mandeln oder Nasennebenhöhlen, seltener auch in den Eierstöcken, im Magen oder in den Gallengängen. Hier schlummern sie relativ unbehelligt vor sich hin, durch einen soliden Gewebewall gegen die gesunde Umgebung abgegrenzt. Das Immunsystem reicht nicht an dieses Störfeld heran, hält es aber normalerweise in Schach. Erlebt der Mensch jedoch Dauerstress, einen Schicksalsschlag oder auch eine schwere Grippe, bekommen die Keime die Oberhand. Sie werden aus dem abgekapselten Herd in den übrigen Organismus geradezu herausgeschwemmt, und der Mensch wird krank. Auch ohne vorangegangene Primärinfektion kann es zu stummen Entzündungen im Körper kommen. So setzen zum Beispiel starkes Übergewicht und das Rauchen entzündungsfördernde Botenstoffe frei – die Entzündungen schädigen über die Jahre Arterienwände und Gelenke, behindern den Zuckerstoffwechsel, verklumpen Eiweiße im Gehirn und lassen Krebszellen wuchern. Von alldem merkt man lange Zeit überhaupt nichts. Am Anfang der Heilung steht zunächst die Suche nach dem Entzündungsherd. Gehen Sie erst zum Zahnarzt, dann zum Hausarzt, der Sie an einen HNO-Arzt, einen Gynäkologen und zum Schluss an einen Internisten überweisen sollte. Entzündete Zähne müssen saniert, Mandeln in der Regel entfernt werden. Häufig kommen auch Antibiotika und Kortison zum Einsatz. Entzündungshemmende Kost unterstützt den Prozess und beugt weiteren Schwelbränden vor. Spezialisten auf dem Gebiet sind Omega-3-Fettsäuren in Seefisch oder Lachsölkapseln, Radikalfänger wie die Vitamine C und E, Coenzym Q10, Zink und sekundäre Pflanzenstoffe in roten, blauen und gelben Obst- und Gemüsesorten (Bioflavonoide) sowie in Traubenschalen und -kernen. Enzyme wie Bromelain und Papain können darüber hinaus offenbar Entzündungen verkürzen und dem Körper helfen, Überbleibsel des Abwehrkampfes abzubauen.

Dem Herd auf der Spur

Blutuntersuchungen können zeigen, ob im Körper eine Entzündung vorliegt – etwa bei einer erhöhten Blutsenkung oder bei zu vielen weißen Blutkörperchen im Blutbild. Im Blutserum kann man die Konzentration des sogenannten C-reaktiven Proteins (CRP) ermitteln, das bei Entzündungen vermehrt ausgeschüttet wird. Ultraschall und Röntgen sind erste Wege, den Ort der Entzündung aufzufinden. Zielgenauer ist die Immun-Szintigrafie, bei der man aus dem Blut Granulozyten (weiße Blutkörperchen, die Entzündungen bekämpfen) isoliert, radioaktiv markiert und wieder in den Blutkreislauf injiziert. Die weißen Blutkörperchen reichern sich genau dort an, wo ein Entzündungsherd oder Tumor sitzt.

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