Körper gegen Körper Nicht allein eine Frage der genetischen Veranlagung

Autoimmunerkrankungen beginnen schleichend und verlaufen in Schüben. Oft merken Ärzte erst sehr spät, dass der Körper einen Kampf gegen sich selbst führt. Dabei können frühzeitige Therapien helfen.

Nicht allein eine Frage der genetischen Veranlagung

Warum das Immunsystem mancher Menschen einen derart verheerenden Fehler begeht und ihn trotz aller körpereigenen Kontrollsysteme nicht korrigiert, weiß man nicht genau. Sicher ist: Die Veranlagung wird vererbt. Dabei entscheiden nicht einzelne, sondern ganze Kollektive von Genen über das Erkrankungsrisiko – einige sind gleich an mehreren Autoimmunkrankheiten beteiligt.
„Doch wer vorbelastet ist, erkrankt nicht zwangsläufig“, so Haag. „Zur Empfindlichkeit muss in der Regel ein Auslöser kommen, zum Beispiel eine Infektion mit Viren oder Bakterien.“ Umweltfaktoren fallen ebenfalls ins Gewicht. So erhöht das Rauchen bei entsprechender Veranlagung das Risiko, an rheumatoider Arthritis zu erkranken. Auch das Geschlecht spielt eine Rolle: Frauen sind weitaus häufiger betroffen als Männer. Etwa dreimal so oft erkranken sie an rheumatoider Arthritis, siebenmal öfter an Hashimoto-Thyreoiditis, sogar zehnmal öfter an Lupus erythematodes, der das Bindegewebe und Gefäßsystem befällt.
Eine Erklärung ist, dass sich der weibliche Hormonhaushalt mehrere Male im Leben komplett umstellt: in der Pubertät, während der Schwangerschaft, in den Wechseljahren. In solchen Umbruchphasen gerät das Immungeschehen mit Vorliebe aus dem Takt. So kann eine Schwangerschaft eine Autoimmunkrankheit auslösen oder eine bestehende Erkrankung verstärken. Auch das Gegenteil kommt vor: Eine rheumatoide Arthritis bessert sich in der Schwangerschaft – zumindest vorübergehend. Einer der Gründe mag sein, dass das Immunsystem seine Aktivität drosselt, damit das ungeborene Kind, das ja gewissermaßen „fremd“ ist, nicht Ziel der körpereigenen Abwehr wird. Nach der Entbindung wird das Immunsystem dann wieder aktiv.

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Autor:
Uta König