Körper gegen Körper Die Schutzmechanismen geraten ausser Kontrolle

Autoimmunerkrankungen beginnen schleichend und verlaufen in Schüben. Oft merken Ärzte erst sehr spät, dass der Körper einen Kampf gegen sich selbst führt. Dabei können frühzeitige Therapien helfen.

Die Schutzmechanismen geraten ausser Kontrolle

Autoimmunkrankheiten nehmen ihren Anfang in der Blutbahn, wo ständig Immunzellen patrouillieren. Mit dem Blutstrom schwimmen sie in alle Gewebe, um nach Krankheitserregern zu suchen. Entdecken sie einen Verdächtigen, rufen sie Verstärkung, um den Eindringling auszumerzen. Damit beim nächsten Mal sofort hart zugeschlagen werden kann, beginnt das Immunsystem mit der Maßanfertigung von Antikörpern.
„Das Problem besteht darin, dass die Immunzellen erkennen müssen, ob etwas fremd ist und bekämpft werden oder körpereigen und in Ruhe gelassen werden muss“, erläutert Professor Friedrich Haag vom Institut für Immunologie am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf. Im Thymus, einer Drüse oberhalb des Herzens, werden sogenannte T-Zellen darauf geschult, die eigenen Zelltypen in ihrer gesamten Vielfalt zu erkennen und zu verschonen. Darüber hinaus hat das Immunsystem noch eine Reihe ausgeklügelter Schutzmechanismen parat. Doch manchmal versagt die Kontrolle: Der Körper greift dann sein eigenes Gewebe an. Die Folge sind Entzündungen und Funktionsstörungen der betroffenen Organe.
Beim Typ-I-Diabetes etwa attackieren die Abwehrzellen die Insulin produzierenden Zellen der Bauchspeicheldrüse, bei rheumatoider Arthritis zunächst kleine, später auch größere Gelenke, dazu Knochen und Organe. Bei der Hashimoto- Thyreoiditis greifen sie die Schilddrüsenzellen an. Die Kampftruppen des Immunsystems sind äußerst hartnäckig. Wen sie einmal als Feind erkannt haben, den vergessen sie nie. Immer wieder aufs Neue nehmen sie den Krieg mit ihm auf – bis er vernichtet ist.

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Autor:
Uta König