4. März 2014
Attila Hildmann über vegane Ernährung

Attila Hildmann über vegane Ernährung

"Wer Vegan isst, braucht kein Botox". Alles pflanzlich, alles bio, heißt es beim Kochbuchautor Attila Hildmann. In seiner Küche hat er FÜR SIE-Gesundheitschefin von seinem Konzept begeistert.

Attila Hildmann
© Dennis Williamson
Attila Hildmann über vegane Ernährung

Kein Fleisch, kein Fisch, keine Milchprodukte und Eier kommen auf den Teller. Es gibt ausschließlich Pflanzliches. Vermisst er als Veganer nicht hin und wieder wenigstens Käse oder Omelett? Ich stehe mit Attila Hildmann am Gemüseregal des Berliner LPG Biomarkt, und er antwortet fröhlich: „Das dachte ich anfangs auch. Aber mir fehlt nichts, und ich fühle mich rundum besser.“ Jetzt hat Deutschlands prominentester Autor veganer Kochbücher „Vegan for Youth“-Rezepte entwickelt, die wissenschaftlich erwiesen jünger machen. Nach dem Einkauf koche ich mit dem angehenden Physiker in seiner Küche einige der Gerichte. Und während wir schnippeln und probieren, sprechen wir über sein Anti-Aging-Programm – das sich übrigens als sehr köstlich erweist.

Verschwindet eine meiner Falten, wenn ich Kohlrabi-Spaghetti mit Tomatensoße gegessen habe?

Attila Hildmann: Falls sie verschwindet, liegt’s wohl eher daran, dass wir beim Kochen so viel Spaß haben. Auch gute Laune verjüngt. Aber wenn das hier der Einstieg in eine vegane Ernährung wird, können Sie durchaus damit rechnen, in wenigen Wochen weniger Fältchen zu haben.

Und spare mir den Schönheitschirurgen?

Wer vegan isst, braucht kein Botox.

Jetzt mal im Ernst, jünger und schöner allein durch Verzicht auf sämtliche tierischen Produkte, wie soll das gehen?

Das habe ich in Ländern recherchiert, in denen die Menschen besonders alt werden. In Japan und im italienischen Campodimele zum Beispiel, dem „Dorf der Hundertjährigen“. Und ich habe mich bei Anti-Aging-Experten schlaugemacht, die alle zu dem Ergebnis gelangt sind, dass Ernährung einen Rieseneinfluss auf Alterungsprozesse hat. Eine Jungbrunnen-Substanz sind zum Beispiel Antioxidantien. Sie schützen Zellen vor Giftstoffen und halten sie fit. Die größten Mengen von Antioxidantien kommen in pflanzlichen Lebensmitteln vor, etwa in grünem Matcha-Tee, Acai- und Maqui-Beeren, die es in Bioläden gibt. Auf solchen Superfoods habe ich mein „Vegan for Youth“-Programm aufgebaut.

Und das dann wie überprüft?

Wir haben online zu einer Challenge aufgerufen, zu einer Herausforderung: Wer mitmachte, musste 60 Tage „Vegan for Youth“ essen, drei- bis viermal pro Woche moderat Sport treiben und täglich 15 Minuten meditieren. Zu Beginn und am Ende wurden die Teilnehmer medizinisch untersucht. Ich habe da mit renommierten Wissenschaftlern zusammengearbeitet.

Was kam heraus?

Vegane Moussaka mit Tofu-Hack und Cashew-Petersilien-Creme
© Becker Joest Volk Verlag
Rezept von Attila Hildmann: Haben Sie Lust vegan zu kochen? Probieren Sie diese Rezept von Attila Hildmann:
Kohlrabispaghetti mit Tomaten-Basilikum-Sosse
Moussaka Reloaded mit Tofu-Hack
Kokos-Schoko-Riegel
Die Challenger fühlten sich nicht nur fitter und jünger, sie waren es nachweislich auch geworden. Das zeigten zum einen die Hautmessungen mit einem speziellen Prüfgerät, dem Biozoom. Zudem haben wir mit Bluttests die Telomer-Längen gemessen. Das sind Teile des Erbguts, die Auskunft über das biologische Alter eines Menschen geben. Auch da gab es Beweise für die Verjüngung. Was mich aber noch mehr gefreut hat: Die 31 Teilnehmer haben nebenbei nicht nur insgesamt 218 Kilo abgenommen. Viele wurden auch gesünder. Allergien verschwanden zum Beispiel, Rheuma besserte sich, und Kopfweh war weg.

Zu „Vegan for Youth“ gehört auch Meditation. Konnte das jeder?

Ja, denn ich habe eine ganz simple Variante. Man setzt sich einfach 15 Minuten hin und versucht, zur Ruhe zu kommen. Ich konzentriere mich auf meinen Atem, stelle mir vor, dass ich helles Licht einatme, also Energie. Und ich atme meine Sorgen aus. In meiner Vorstellung ist das pechschwarze Luft. Spätestens nach fünf Tagen klappt das bei jedem.

Sie empfehlen, sich nur zu 80 Prozent satt zu essen. Wie geht das?

Es gibt so einen Moment, wenn man das Gefühl hat, man ist satt, aber man könnte noch mehr essen. Dann hat man die 80 Prozent erreicht. Es gibt wissenschaftliche Studien, die darauf hinweisen, dass es lebensverlängernd wirkt, wenn man sich nicht vollstopft.

Ehrlich gesagt, Ihre Rezepte sind so lecker, dass mir das sehr schwer fällt.

Dann essen Sie ruhig alles auf. Es ist ja auch nur ein Tipp. Genuss ist wichtig für die Seele. Wenn jemand sagt: „Wie blöd, ich muss schon auf Milch, Fleisch und Eier verzichten, und jetzt darf ich mich nicht mal mehr satt essen“, dann macht es keinen Sinn.

Vegan for Youth Hartweizenpasta Kohlrabi Spagetthi
© Dennis Williams
Attila Hildmann über vegane Ernährung

Was den Genuss angeht, bestimmt nicht. Auf die Nährstoff-Versorgung sollte man aber schon achten. Es gibt Stoffe, die in Pflanzen kaum oder gar nicht vorkommen. Das sind zum Beispiel Vitamin B12, Omega-3-Fettsäuren, aber auch Kalzium und Eisen. Bei der 60-Tage-Challenge kommt der Körper zwar noch mit seinen Depots aus. Wer sich langfristig vegan ernährt, sollte allerdings Nahrungsergänzungsmittel nehmen. Am einfachsten geht das übri gens mit „Orthomol Veg one“. Da ist in einer Kapsel alles drin, was man braucht. Gibt’s in jeder Apotheke.

Könnte ich alternativ auch ab und zu Fisch, Käse und Eier essen?

Selbstverständlich, wenn es Ihnen schmeckt. Als Wissenschaftler gehe ich davon aus, dass vegane Ernährung zwar supergesund, aber nicht die natürlichste Ernährungsform des Menschen ist. Aber auch Teilzeit-Veganer leben gesünder als Wurstmaxe.

Viele Veganer behaupten jedoch: „Ganz oder gar nicht.“

Die Intoleranz dieser Müsli-Jochen ist das Allerletzte. Damit verschrecken sie eher die Leute, als ihnen vegane Ernährung näherzubringen. Und das ist schade. Ich freue mich über jeden, der sich allein schon mit dem Thema beschäftigt. Also zum Beispiel Rezepte aus meinem Buch ausprobiert und erfährt, wie es sich anfühlt, frisch und mit Bio-Zutaten vegan zu kochen. Und wer dann auch noch sagt, „ich mach’s mal 60 Tage ohne“, wird die Veränderung nicht nur in Seele und Körper spüren, sondern auch im Spiegel sehen. Dann kann jeder selbst entscheiden, ob er zur Currywurstbude zurückwill.

Ich lebe jetzt gelassener

Manuela Starkmann, Coach aus Nürnberg, über ihre 60 Tage „Vegan for Youth“

Buchtipp: "Vegan for Youth" von Attila Hildmann
Dass ich seit der Challenge viele Komplimente für mein Aussehen bekomme, dreieinhalb Kilo abgenommen habe und auch körperlich fitter bin, ist toll. Doch weit mehr freut es mich, dass ich mein Ziel erreicht habe, noch gelassener zu sein. Ich bin eine HSP, eine „hochsensitive Person“. Das Gehirn solcher Menschen nimmt Reize wie etwa Geräusche, Gerüche und Stimmungen schneller oder stärker wahr. Das kann zu einer Reizüberflutung führen. Jetzt bin ich klarer und ruhiger. Ich führe das auf die Verknüpfung von Ernährung, Sport und Meditation zurück. Bei „Vegan for Youth“ geht alles Hand in Hand. Wenn ich walke – was ich vorher nicht getan habe –, führt diese Auszeit in mir zu Gelassenheit. Und darüber hinaus steigere ich auch noch meine Ausdauer. Beim „60 Tage Vegan for Youth“-Programm hat sich die Gruppe zu Beginn mit Attila in Berlin getroffen. Während der Challenge waren wir unter anderem über das Internet verbunden. Obwohl ich in dieser Zeit beruflich sehr viel unterwegs war, habe ich immer „challengetauglich“ gegessen. Vorbereitete Mahlzeiten habe ich mitgenommen. Fazit ist, dass sich meine Lebensfreude und -qualität in jeder Hinsicht deutlich gesteigert hat.
Die besten Honige - Tipps für die besten Honige
Honig ist nicht nur süß und aromatisch - seine wertvollen Inhaltsstoffe haben heilende Kräfte. Wir verraten, was Honig so besonders macht.
Weiterlesen
Lade weitere Inhalte ...