Übungen Experteninterview

Mit Schmerzen im Kreuz signalisiert uns der Körper: es ist mir zuviel! Gut ist alles, was die Muskeln stärkt und die Haltung verbessert. Wir zeigen Ihnen gezielte Übungen.

Julia Scharnhorst, Psychologin und Gesundheitswissenschaftlerin

„Entspannung ist Selbstverteidigung fürs Kreuz“

Nicht immer sind körperliche Belastungen Ursache für den Schmerz. Häufig drücken auch Stress und Ängste aufs Kreuz. Die Hamburger Stress- und Rücken-Spezialistin Julia Scharnhorst erklärt die Zusammenhänge:

Warum tut mir der Rücken weh, wenn ich Ärger in der Firma habe?

Weil wir dann unwillkürlich in eine Abwehrhaltung gehen: die Schultern hochziehen und die Muskeln anspannen. Bleiben sie länger angespannt, verschlechtert sich die Sauerstoff- und Nährstoffzufuhr. Sie verhärten und können auf die Nerven drücken. Die Folge sind Schmerzen.

Spielt es eine Rolle, was mir auf die Seele drückt?

Nein, darauf kommt es nicht an. Ist man psychisch angeschlagen, kann das den Rücken belasten. Leider beachten Orthopäden das zu wenig. Viele gucken nur auf medizinische Befunde wie Röntgenbilder. Das belegen Studien mit Patienten, die zu Depressionen neigen und erfolglos an den Bandscheiben operiert wurden.

Wie kann ich stressbedingte Rückenschmerzen vermeiden?

Etwa mit Entspannungsinseln im Alltag. Man sollte tagsüber kleine Pausen machen – selbst wenn sie nur zwei Minuten dauern. Wichtig ist natürlich auch Bewegung: Sport, Gartenarbeit oder Spazierengehen. Wenn wir unsere Muskeln aktivieren, bauen wir Stresshormone ab, der Blutdruck sinkt und die Muskelspannung wird geringer.

Welche Rolle spielt Entspannung?

Sie ist unverzichtbar, etwa mit autogenem Training, Yoga oder Tai-Chi. Wer sich bewusst entspannt, lernt auch in stressigen Phasen den Kopf wieder klarzubekommen. Das ist fast wie Selbstverteidigung für den Rücken.

Und wie erkenne ich, woher meine Rückenschmerzen kommen?

Ganz einfach: Starke, akute Schmerzen, auch mit Lähmungserscheinungen, sind eher körperlich bedingt. Lang andauernde, immer wieder auftretende Beschwerden haben meist einen psychischen Hintergrund.

Zum Weiterlesen
  • „Aufs Kreuz gelegt“ Operation: ja oder nein? Dr. Martin Marianowicz klärt auf. Mit Übungen und Behandlungsplan. Goldmann, 288 Seiten, 17,95 Euro
  • „Das neue Rückentraining“ von Professor Ingo Froböse. Für Anfänger, Fortgeschrittene und Könner. GU, 128 Seiten, 12,99 Euro
  • „Das Grönemeyer Rückentraining“ Professor Dietrich Grönemeyer hat für jedes Rückenproblem ein Programm entwickelt. Zabert Sandmann, 232 Seiten, 19,95 Euro

Vier Tipps aus der FÜR SIE-Redaktion

  • Bettina Laude, 38, Autorin für Fit & Gesund und Reise „Wenn meine Schultern verspannt sind, greife ich zum Kirschkernkissen, wärme es 2 Minuten bei 600 Watt auf und lege es auf die Stelle.“ Tipp: Auch die Sauna kann helfen. Gegen die warme Holzwand lehnen – das lockert den Rücken.
  • Andrea Lepperhoff, 50, Ressortleiterin Report „Um Rücken und Kopf zwischendurch im Büro zu entspannen, mache ich eine Yoga-Übung: hüftbreit stehen, Becken nach vorn beugen, Arme und Kopf aushängen lassen.“ Tipp: Yoga online trainieren unter www.yogaeasy.de
  • Sabine Kaiser, 56, Assistentin der Chefredaktion „Ich massiere meinen Nacken manchmal selbst. Besser ist es allerdings, wenn abends zu Hause mein Mann Hand anlegt.“ Buch-Tipp: „Massage: Über 30 Anwendungen“ von Larry Costa (Dorling Kindersley, 160 Seiten, 9,95 Euro)
  • Sonny Brinkama, 46, Leiterin Food-Extras „Nach meinem Bandscheibenvorfall schwöre ich auf die Rückenschule meines Fitness-Studios. Besonders wichtig sind mir die Bauchmuskelübungen, die für eine bessere Haltung sorgen.“ Info: www.fitnessstudiofinder.de
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