3. Februar 2020
Polnische Pflegekräfte – Alternative zum Seniorenheim?

Polnische Pflegekräfte – Alternative zum Seniorenheim?

Viele Senioren möchten Ihren Kindern die Pflege der eigenen Person ersparen. Sind polnische Pflegekräfte die Antwort auf unser teures Gesundheitssystem?

Alte Frau mit Pflegerin - sind polnische Pflegekräfte eine Alternative zum Seniorenheim?
© adobestock
Polnische Pflegekräfte – Alternative zum Seniorenheim?

Was tun im Alter?

Die Gelenke schmerzen, Seh- und Hörkraft lassen nach, die Vergesslichkeit nimmt zu und es wird zunehmend schwerer den Alltag eigenständig zu bewältigen. Im Alter gelangen die meisten von uns, früher oder später, an einem Punkt an, an dem sie, oder Angehörige, überlegen, ob der Umzug in ein Seniorenheim vollzogen werden sollte, bzw. welche Alternativen gegeben sind.

Seniorenwohngemeinschaften liegen im Trend, aber nicht jeder weist im Alter die Flexibilität auf, sich gleich auf mehrere neue Mitbewohner und deren Eigenschaften und Besonderheiten einzulassen. Und ist erst einmal echte Pflege notwendig oder ein fortgeschrittene Demenz gegeben, gelangt dieses Modell schnell an seine Grenzen.

Den eigenen Kindern möchten viele Senioren nicht die Bürde der Pflege auflasten und auch nicht ein jeder sieht sich in der Lage, den eigenen Eltern nach dem Toilettengang den Hintern abzuwischen.

Polnische Pflegekräfte - eine echte Alternative?

In den letzten Jahren wurde in den Medien bereits vielfach über polnische Pflegekräfte berichtet. Sind die Osteuropäerinnen wirklich DIE Alternative zum Pflegeheim? Sicher nicht, denn allein auf Grund der Tatsache, dass in Deutschland ca. 42 Millionen mehr Menschen als in Polen leben, ist es unmöglich, dass wir uns im Alter alle von Evas und Malgorzatas pflegen lassen. Erste Voraussetzung für eine häusliche Versorgung ist natürlich, dass ein separates Zimmer für die Pflegerin zur Verfügung steht, oftmals erhalten dann Wohn- oder Esszimmer eine neue Funktion. Wer in einer kleinen Zwei-Zimmer-Wohnung lebt, hat an dieser Stelle schon einmal etwas schlechtere Karten. Eine gewisse Weltoffenheit sollte auch gegeben sein, wenn der neue Mitbewohner aus dem Ausland stammt, vielleicht die deutsche Grammatik um viele, bisher unbekannte Fälle erweitert und die eigene Liebe zu Ordnung und Mülltrennung nicht teilen mag. Gleichwohl ist der Gedanke, den Lebensabend in der gewohnten Umgebung verbringen zu können, sich nicht mehr ums Kochen und Putzen kümmern zu müssen und sich die Mahlzeiten auf der eigenen Couch servieren zu lassen, sehr charmant.

Der finanzielle Aspekt für eine häusliche 1 zu 1 Versorgung sollte jedoch nicht unterschätzt werden. Neben den Kosten für die Pflegekraft, ca. 2000 bis 2500 € im Monat, fallen Gebühren für die meist involvierte Vermittlungsagentur an, Reise- und Verpflegungskosten, und das eigene Leben, also Essen, Trinken, Versicherungen, Strom, Heizung, evtl. Miete, etc. pp. schlagen ja auch weiterhin zu Buche, sodass die benötigte monatliche Gesamtsumme bei ca. 3.000 bis 4.000 liegt. Zum Vergleich, die deutsche Durchschnittsrentebeträgt aktuell 1460 € bei Männer und nur 960 € bei den Frauen. Zudem hat der Gesetzesgeber trickreich dafür gesorgt, dass die Kosten für diese Form der Versorgung zum größten Teil bei den Senioren verbleiben. Auf dem Papier besteht zwar die Möglichkeit, die Pflegesachleistung für eine polnische Pflegerin in Anspruch zu nehmen, aber die Hürden sind so hoch, dass es in der Praxis praktisch unmöglich ist. Beispielweise müsste zunächst einmal der Berufsabschluss in Deutschland anerkannt werden. Dumm ist nur, dass es in Polen gar keine Ausbildungsberufe gibt und ein medizinisches Studium in Polen von Nöten ist, um sich hinterer Fachkraft für Pflege nennen zu dürfen. Im Regelfall kann daher nur das Pflegegeld beansprucht werden, bei Pflegegrad 3 sind dies gerade einmal 545 € pro Monat.

Stephan Gehrmann, Geschäftsführer von Prosenior, einer Agentur die bundesweit polnische Pflegekräfte vermittelt, stand uns für ein Interview zur Verfügung:

Für Sie: Wer ist Ihr typischer Kunde?

Stephan Gehrmann: Viele Senioren verpassen den Zeitpunkt, sich selbst um ihre Versorgung für den letzten Lebensabschnitt zu kümmern. Im Regelfall werden wir daher von Angehörigen oder staatlich eingesetzten Betreuern beauftragt. Die zu versorgenden Personen setzen sich überwiegend aus drei Gruppen zusammen. Pensionären, ehemalige Selbständige/Freiberufler, und Senioren bei den sich die Kinder an den Kosten beteiligen können.

Für Sie: Es steht immer wieder im Raum, dass die polnischen Pflegekräfte finanziell ausgebeutet werden. Wie stehen Sie dazu?

Stephan Gehrmann: Richtig ist, dass kein Deutscher bereit ist, zu den gebotenen Konditionen den Job zu übernehmen. Die polnische Pflegekraft verdient, je nach dem Grad ihrer Deutschkenntnisse und den Anforderungen vor Ort, zwischen 1.200 und 1.500 €netto im Monat. Das ist meist ein Vielfaches dessen, was sie in Polen verdienen könnte.

Für Sie: Wie finden Interessenten einen seriösen Anbieter?

Stephan Gehrmann: Die überwiegende Anzahl der Agenturen arbeitet seriös, aber in jeder Branche gibt es auch schwarze Schafe. Am besten sollte man sich erst einmal im Freundes- und Bekanntenkreis umhören und auch Reha Zentren oder Pflegestützpunkte können oft gute Tipps geben.

Fazit: Deutschland ist bzgl. der Versorgung und Pflege seiner Senioren nicht so gut aufgestellt, wie es wünschenswert wäre - und die Generation der Baby-Boomer kommt erst noch. Staat und Gesellschaft müssen bereit sein, künftig weit mehr als bisher in den Pflegesektor zu investieren.

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