Mein Schicksal: Frühsommer-Meningoenzephalitis FSME – so gefährlich sind Zeckenbisse

Zeckenstiche können gefährlich sein, mitunter sogar lebensgefährlich. Dies musste Petra Berninger am eigenen Leib erfahren. Lesen Sie unsere Geschichte aus dem Leben: Die dramatischen Folgen von FSME!

Petra Berninger FSME – so gefährlich sind Zeckenbisse © Petra Berninger


FSME: Zecken lauern in Wäldern, Unterholz, Gras und Laub

Ihr ganzes Leben lang schon verbringt Petra Berninger viel Zeit in der Natur - sie liebt Nordic Walking als Outdoor-Sportart. Eines Tages war sie mit ihrer Schwester unterwegs und auf ihrer Route nahmen sie eine Abkürzung über eine ungemähte Wiese. Zu Hause entdeckte Petra zwei Zecken an ihrem Oberschenkel, die sie mit dem Fingernagel entfernen konnte. „Die Stelle war nicht gerötet, es hat nicht gejuckt. Also habe ich nicht weiter drüber nachgedacht“, gesteht die Aschaffenburgerin ihre damalige Unachtsamkeit. 

Die Abkürzung führte Petra Berninger direkt in eines der von Zecken bevorzugten Jagdgebiete. Die Parasiten halten sich bevorzugt in lichten Wäldern, Unterholz, hohem Gras und losen Laub auf. Ab einer Temperatur von ungefähr 8°C werden sie aktiv. Menschen oder auch Tiere streifen die kleinen Spinnentiere beim Vorbeigehen unbemerkt ab. Einmal im Körperkontakt suchen sie sich meist feuchtwarme Gegenden, wie die Kniekehlen oder den Lenden- und Achselbereich, um ihren Blutdurst zu stillen. Der Stich der Zecken bleibt meist unbemerkt. Gleiches gilt für die von ihnen übertragenen Krankheitserreger. Sie können über 50 verschiedene Krankheitserreger während des Blutsaugens auf ihre Opfer übertragen. Dazu zählt auch das FSME-(Frühsommer-Meningoenzephalitis-)Virus, das beim Menschen Entzündungen des Gehirns und der Hirnhäute verursachen kann. Die südlichen Bundesländer Bayern, Baden-Württemberg, Südhessen sowie südöstliches Thüringen gelten als Risikogebiete für FSME-Infektionen, aber auch einzelne Landkreise in Hessen, Rheinland-Pfalz, Sachsen, Saarland und sogar in Niedersachsen. 

Steifer Nacken, Schleier vor den Augen

Durch die Blutmahlzeit der Zecken hatte sich Petra mit dem FSME-Virus infiziert. Einige Tage nach ihrem Ausflug ins Zeckengebiet litt die sportliche Fünfzigjährige plötzlich unter grippeähnlichen Symptomen und ihr Zustand verschlechterte sich zusehends. Ihr Nacken wurde steif und es legte sich ein grauer Schleier vor ihre Augen. Ihr Hausarzt vermutete eine FSME-Erkrankung und überwies sie direkt ins Krankenhaus. Seine Verdachtsdiagnose wurde durch eine Untersuchung des Gehirnwassers bestätigt, das zentrale Nervensystem von Petra war entzündet. Da es keine ursächliche Behandlungsmöglichkeit der FSME-Infektion gibt, konnten die Ärzte nur ihre Symptome mit Schmerzmitteln und Infusionen lindern. „Die Medikamente schlugen glücklicherweise an“, erinnert sich Petra an ihren zehntägigen Krankenhausaufenthalt. Danach musste sie noch zehn Wochen zu Hause bleiben und strikt Ruhe einhalten. 

Frühsommer-Meningoenzephalitis: Spätfolgen des Zeckenstichs 

Für Petra ist die Erkrankung noch einmal glimpflich ausgegangen. Jedoch einer von 100 Erkrankten mit der Infektion des Nervensystems verstirbt daran. Manche Betroffene tragen stark einschränkende Spätfolgen wie Lähmungen, Schluck- und Sprechstörungen, Kopfschmerzen oder Atemschwäche davon. Petra leidet seitdem „nur“ unter einem verschlechterten Erinnerungsvermögen. „Ich konnte mir früher alles gut merken“, so die gelernte Bürokauffrau. Heute muss sie sich die wichtigen Dinge aufschreiben. Trotz des Schocks für sie und ihre Familie ist Petra weiterhin gerne in der Natur unterwegs. Nur die Zecken unterschätzt sie nicht mehr. Deshalb sind alle in ihrer Familie mittlerweile gegen FSME geimpft und frischen diese regelmäßig auf. Um Zeckenstiche zu vermeiden, tragen sie bei Aktivitäten im Freien lange Kleidung, stecken die Hose in die Socken und nutzen Insektenschutzmittel. Und nach jedem Ausflug im Freien suchen sie sich nach Zecken ab. 

Zecken sind nicht zu unterschätzen

Das FSME-Virus wird über infizierte Zecken auf den Menschen übertragen, die Erkrankung verläuft typischerweise in zwei Phasen. Ein Großteil der von Zecken gestochenen Menschen bleibt aber beschwerdefrei. Knapp ein Drittel entwickeln ein bis zwei Wochen nach dem Zeckenstich Krankheitsanzeichen. „Sie zeigen Symptome eines grippalen Infekts“, schildert Dr. Markus Frühwein, niedergelassener Allgemeinmediziner mit Schwerpunkt Impfungen, die erste Phase des Krankheitsverlaufs. Danach klingen die Symptome ab und ein Teil der Infizierten hat die Erkrankung überstanden. Aber bei einigen kommt es nach einer Woche trügerischer Ruhe zu der zweiten Phase. Sie ist gekennzeichnet von einer Entzündung der Hirnhäute und des Gehirns. „Das ist lebensbedrohlich“, warnt der Münchener Arzt. Neben sehr hohem Fieber entwickeln die Betroffenen eine Nackensteife, haben Kopfschmerzen, ihnen ist übel und sie erbrechen. Einer von 100 verstirbt an dieser schweren Verlaufsform, manche tragen dauerhafte Schäden davon wie Arm- und Beinlähmungen oder langanhaltende Kopfschmerzen. Da es keine ursächliche Behandlung gibt, können Symptome nur gelindert werden. Daher sollte man sich vor Zecken und FSME schützen. Zum einen können Repellentien gegen Zecken eingesetzt und lange Kleidung getragen werden. „Den besten Schutz gegen diese lebensbedrohliche Erkrankung bietet aber eine Impfung gegen FSME,“ so Dr. Frühwein. 

Weitere Informationen zu Zecken, der FSME-Infektion und Vorsorgemaßnahmen:

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